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Zwei Erzfeinde, zwei Auftritte, ein Ziel

Sie hassen sich aufs Blut. Doch eines haben Benjamin Netanyahu und Mahmoud Ahmadinejad gemeinsam: Den Hang fürs Theatralische. Für sie ist die Uno-Vollversammlung nichts anderes als eine grosse Bühne.

«Bei 90 Prozent muss Schluss sein»: Der israelische Premier Benjamin Netanyahu fordert eine «rote Linie», um eine iranische Atombombe zu verhindern.
«Bei 90 Prozent muss Schluss sein»: Der israelische Premier Benjamin Netanyahu fordert eine «rote Linie», um eine iranische Atombombe zu verhindern.
Keystone
Beschuldigte Israel, einen «Feldzug gegen das palästinensische Volk» zu führen: Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wird nach seiner Rede vom Präsidenten der Generalversammlung, dem Serben Vuk Jeremic, umarmt. (27. September 2012)
Beschuldigte Israel, einen «Feldzug gegen das palästinensische Volk» zu führen: Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wird nach seiner Rede vom Präsidenten der Generalversammlung, dem Serben Vuk Jeremic, umarmt. (27. September 2012)
AFP
Prangert eine «Hegemonie der Arroganz» an und fordert eine «neue Weltordnung»: Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad. (26. September 2012)
Prangert eine «Hegemonie der Arroganz» an und fordert eine «neue Weltordnung»: Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad. (26. September 2012)
Keystone
Gelobte, «nicht zu ruhen», bis der Bürgerkrieg in Syrien beendet sei: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi. (26. September 2012)
Gelobte, «nicht zu ruhen», bis der Bürgerkrieg in Syrien beendet sei: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi. (26. September 2012)
Reuters
Bezeichnete den arabischen Frühling als «immensen Erfolg»: Der britische Premier David Cameron. (26. September 2012)
Bezeichnete den arabischen Frühling als «immensen Erfolg»: Der britische Premier David Cameron. (26. September 2012)
AFP
Als «widerlich» bezeichnet US-Präsident Barack Obama das Mohammed-Video an der UNO-Generalversammlung. (25. September 2012)
Als «widerlich» bezeichnet US-Präsident Barack Obama das Mohammed-Video an der UNO-Generalversammlung. (25. September 2012)
Keystone
Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf kam zu einem grossen Auftritt. (24. September 2012)
Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf kam zu einem grossen Auftritt. (24. September 2012)
Keystone
In ihrer Rede plädierte sie für eine starke UNO. (24. September 2012)
In ihrer Rede plädierte sie für eine starke UNO. (24. September 2012)
Keystone
Der Präsident des Iran, Ahmadinejad, fordert eine «neue Weltordnung ohne amerikanische Schikane».  (24. September 2012)
Der Präsident des Iran, Ahmadinejad, fordert eine «neue Weltordnung ohne amerikanische Schikane». (24. September 2012)
Keystone
US-Aussenministerin Hillary Clinton trifft am Rande der UNO-Vollversammlung den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zusammen mit dessen Aussenminister Mohammed Kamel Amr. (24. September 2012)
US-Aussenministerin Hillary Clinton trifft am Rande der UNO-Vollversammlung den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zusammen mit dessen Aussenminister Mohammed Kamel Amr. (24. September 2012)
Keystone
Die wichtigsten Staatschefs nehmen an der 67. UNO-Vollversammlung am Hauptsitz in New York teil. Unter ihnen ist auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. (25. September 2012)
Die wichtigsten Staatschefs nehmen an der 67. UNO-Vollversammlung am Hauptsitz in New York teil. Unter ihnen ist auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. (25. September 2012)
Keystone
Auch David Cameron aus Grossbritannien ist unter den Anwesenden. (25. September 2012)
Auch David Cameron aus Grossbritannien ist unter den Anwesenden. (25. September 2012)
Keystone
Frankreichs Präsident François Hollande will «befreite Zonen» in Syrien unter UNO-Schutz stellen. (25. September 2012)
Frankreichs Präsident François Hollande will «befreite Zonen» in Syrien unter UNO-Schutz stellen. (25. September 2012)
Keystone
Riefen zu einem Ende der Gewalt in Syrien auf: Ban Ki-moon und die argentinische Präsidentin Cristina Fernández. (25. September 2012)
Riefen zu einem Ende der Gewalt in Syrien auf: Ban Ki-moon und die argentinische Präsidentin Cristina Fernández. (25. September 2012)
Keystone
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Der Anzug sitzt, der Krawattenknopf ebenfalls: Benjamin Netanyahu war bereit für den grossen Auftritt. Eloquent wie immer machte er gestern in der Uno-Vollversammlung in perfektem Englisch klar, wo die wirklichen Gefahren dieser Welt lauern: beim Iran und seiner angeblichen Atom-Bombe. Damit seine Botschaft auch beim Begriffsstutzigsten ankam, hielt der israelische Premier die einfache Skizze einer Bombe in die Kameras der Weltöffentlichkeit. Spätestens, wenn der Iran die Bombe zu 90 Prozent vollendet habe, müsse Schluss sein, so Netanyahu, und er zog auf der Skizze eine rote Linie.

Innert Minuten wurde «Netanyahu» auf Twitter 17'700-mal erwähnt. Die Reaktionen reichen von bedingungslosem Beifall zu vernichtender Kritik. Eine geniale Art, eine Botschaft zu verbreiten, sagen die einen. Eine Trivialisierung des Themas, finden andere. Auch wenn viele sich über seine Cartoon-Bombe lustig machten und seinen Auftritt mit Clint Eastwoods Gespräch mit einem Stuhl (Eastwooding) verglichen, Netanyahu hatte es einmal mehr geschafft, allen die Show zu stehlen.

Maximal mögliche Verbreitung

Die Syrienfrage mit mittlerweile geschätzten 30'000 Toten, darunter unzählige Kinder? Uninteressant. Die Palästina-Frage, wo die Siedlungstätigkeit munter voranschreitet und eine Zwei-Staaten-Lösung immer unwahrscheinlicher wird? Egal. Weltweit berichteten die Medien über Netanyahus Bomben-Skizze. In den Social Media war sie ebenfalls das dominierende Thema. Ein lächerlicher Auftritt? Vielleicht. Theatralisch? Natürlich. Maximal mögliche Verbreitung erreicht? Ganz sicher.

Netanyahu hat mit seiner Rede nicht nur den Weg geebnet, damit Israel nächstes Jahr den Iran angreifen könnte. Er hat den Grundstein für seine Wiederwahl gelegt. Wenn nicht er, Netanyahu, Israel vor dem Abgrundtiefbösen beschütze, wer würde es denn sonst tun? Wie schon bei seinen anderen Reden in den USA, vor der Uno-Vollversammlung, oder an den Jahrestagungen der proisraelischen Lobby Aipac: Netanyahu hat es vor allem geschafft, den Fokus der Weltöffentlichkeit auf sich zu richten.

Bühne frei für Ahmadinejad

Einer, der ihm dabei nichts schuldig bleibt, ist ausgerechnet sein Erzfeind Mahmoud Ahmadinejad. Auch der iranische Präsident versteht es ausgezeichnet, maximal mögliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Bis auf seinen letzten, sorgte jeder seiner Auftritte vor der Uno-Vollversammlung zuverlässig für einen Eklat. Seine Tiraden gegen Israel verursachten kollektive Empörung, Ahmadinejad sonnte sich danach im Rampenlicht und lieferte Netanyahu die Steilvorlage, den Iran als das Böse schlechthin darzustellen. Was Ahmadinejad wiederum für die nächste Tirade gegen Israel zu nutzen wusste.

Weil seine Hetzreden vorhersehbar waren, hielt Ahmadinejad diesmal an der Uno-Vollversammlung eine vergleichsweise milde Rede, die weltweit mit Erstaunen quittiert wurde. Zwar bezeichnete er die Israelis als «unzivilisierte Zionisten», die den Iran bedrohten, er verzichtete aber auf seine üblichen antisemitischen Ergüsse. Er sprach stattdessen etwa von der sich vergrössernden Schere zwischen Arm und Reich und machte dafür den Kapitalismus und «bestimmte Nationen» verantwortlich. Die Rede trug ihm das ein, was er sich wohl für seinen letzten Auftritt gewünscht hatte: einmal mehr die globale Aufmerksamkeit.

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