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Zimbabwes Armee kommt dem Schrecken zuvor

Ob die Machtübernahme des Militärs eine gute Nachricht für die verarmte Mehrheit des Volkes ist, bleibt fraglich.

Wandel nach 37 Jahren: Emmerson Mnangagwa legt in Harare seinen Amtseid ab.
Wandel nach 37 Jahren: Emmerson Mnangagwa legt in Harare seinen Amtseid ab.
Keystone
Der neue starke Mann Zimbabwes: Der bisherige Vizepräsident, Emmerson Mnangagwa. (Archivbild)
Der neue starke Mann Zimbabwes: Der bisherige Vizepräsident, Emmerson Mnangagwa. (Archivbild)
Tsvangirayi Mukwazhi, Keystone
Unübersichtliche Lage: Zunächst ist noch unklar, was der amtierende Präsident tut und wo er sich befindet.
Unübersichtliche Lage: Zunächst ist noch unklar, was der amtierende Präsident tut und wo er sich befindet.
AP Photo/Tsvangirayi Mukwazhi
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Schon seit Jahren fragen sich Beobachter im In- und Ausland, wie er das eigentlich noch macht: Robert Mugabe, Präsident von Zimbabwe, ist inzwischen 93 Jahre alt. Einen Plan für einen irgendwie geordneten Übergang in den Ruhestand hat er nie erkennen lassen, im Gegenteil: Die Verfassung liess er schon vor Jahren in dem Sinne ändern, dass er bis zum Alter von 99 Jahren im Amt bleiben dürfte. Und für den Fall, dass irgendwer daran zweifeln sollte, wie ernst er es meint, hat er neulich wieder erklärt, er wolle bei der Präsidentschaftswahl 2018 antreten. Warum auch nicht? Ein guter Präsident, so die Lesart seiner Getreuen, ist wie ein guter Wein, er wird mit dem Alter immer noch besser.

In letzter Zeit allerdings mehrten sich die Anzeichen, dass der Wein in Richtung Essig zu kippen droht. Bei mehreren öffentlichen Auftritten nickte Mugabe ein, beim Gehen muss er sich stützen lassen, und schon dreimal ist er dieses Jahr dem verheerenden Gesundheitssystem seines Landes entflohen und hat sich in Singapur medizinisch behandeln lassen. Seit Langem schwelt in Zimbabwe die Angst davor, dass Mugabe stirbt - und dann jene, die sich um seine Nachfolge streiten, das Land in einen Bürgerkrieg treiben könnten.

Ein Putsch sei das nicht, sagen die Generäle

Jetzt ist die Armeeführung dem Schreckensszenario zuvorgekommen und mit Panzern in der Hauptstadt Harare aufgefahren. Nein, ein Putsch sei das nicht, erklären die Generäle, man wolle nur «Verbrecher» im Umfeld des Präsidenten zur Strecke bringen, die für das «soziale und wirtschaftliche Leid» des Volkes verantwortlich seien. «Seine Exzellenz» Mugabe sei in Sicherheit, zusammen mit seiner Ehefrau Grace (Spitzname «Gucci-Grace»), die er gerade erst auf den Posten der Vizepräsidentin hieven wollte. Dafür hatte Mugabe seinen bisherigen Stellvertreter, den alten Befreiungskämpfer Emmerson Mnangagwa, gefeuert und so die Wut vieler hochrangiger Armeevertreter geschürt.

Das Militär übernimmt die Macht in Zimbabwe. Video: Reuters

Ob die Machtübernahme des Militärs eine gute Nachricht für die verarmte Mehrheit des Volkes ist, bleibt fraglich. Die Szenen aus Harare wecken Erinnerungen an Kairo, im Januar 2011: Damals jubelten die Protestierenden auf dem Tahrir-Platz, als die Panzer anrollten, um den verhassten Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak abzusetzen. Schon bald wurde klar, dass sich die Menschen zu früh gefreut hatten: Statt mehr Freiheiten bekamen sie nur noch mehr Repression. Und der Langzeitpräsident Mubarak war in Sicherheit.

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