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Wo ist Ghadhafi?

Die Rebellen haben die Residenz al-Ghadhafis in der Hauptstadt Tripolis erobert. Vom Diktator fehlt aber jede Spur. Das Rätselraten über seinen Verbleib geht nun erst recht los.

Ein schillernder Diktator ist auf der Flucht: Muammar al-Ghadhafi bei einer Militärparade in Tripolis. (7. September 1999)
Ein schillernder Diktator ist auf der Flucht: Muammar al-Ghadhafi bei einer Militärparade in Tripolis. (7. September 1999)
Reuters

Die Aufständischen vermuteten Muammar al-Ghadhafi im Militärkomplex Bab al-Asisija. Doch nach der vollständigen Einnahme seiner Residenz in Tripolis haben die Rebellen dort keinerlei Spur des Machthabers oder seiner Söhne gefunden. Der Militärsprecher der Rebellen, Oberst Ahmed Omar Bani, sagte heute Abend: «Keiner weiss, wo sie sind». Der Oberst äusserte sich von Benghazi aus, der Hochburg der Rebellen im Osten Libyens.

Nach der Eroberung der Residenz im Komplex Bab al-Asisija, wo es auch zahlreiche unterirdische Bunkeranlagen gibt, war Ghadhafis Ergreifung dort nicht ausgeschlossen worden. Fathi Terbel, einflussreiches Mitglied des Nationalen Übergangsrats der Rebellen, äusserte sich überzeugt, dass der Diktator Tripolis mittlerweile verlassen habe. Seine Festnahme sei aber «nur noch eine Frage der Zeit».

Spekulationen schiessen ins Kraut

Seit Mai trat der Staatschef nicht mehr in der Öffentlichkeit auf, sondern meldete sich allenfalls in Audiobotschaften zu Wort. Spekulationen, dass sich Ghadhafi in seine Heimatstadt Sirte oder gar ins Ausland abgesetzt haben könnte, haben Hochkonjunktur.

Vieles sprach noch heute dafür, dass sich Ghadhafi weiterhin in Tripolis befindet. Die US-Regierung erklärte, sie habe keine Anzeichen dafür, dass der Machthaber die Hauptstadt verlassen habe. Einen weiteren Hinweis für Ghadhafis Verbleib in der Hauptstadt lieferte sein gefangen geglaubter Sohn Seif al-Islam, der sich in der Nacht auf heute überraschend vor ausländischen Journalisten auf dem Gelände der Residenz zeigte. Tripolis sei unter Kontrolle der Regierung, versicherte er. «Ghadhafi und die ganze Familie sind in Tripolis.»

Und der Vorsitzende des Weltschachbundes FIDE, Kirsan Iljumschinow, sagte der russischen Nachrichtenagentur Interfax, er habe heute mit dem Machthaber telefoniert. Ghadhafi habe ihm gesagt, er befinde sich noch in Tripolis und habe nicht vor, Libyen zu verlassen. Bereits im Juni hatte das Staatsfernsehen Bilder von einer Schachpartie zwischen Ghadhafi und Iljumschinow gezeigt.

Auch der Diktator selbst erweckte in seinen letzten drei am Wochenende vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Audiobotschaften den Eindruck, sich weiter in der Hauptstadt zu befinden. «Wir werden Tripolis nicht den Besatzern und ihren Agenten überlassen. Ich bin mit euch in dieser Schlacht», sagte Ghadhafi.

Zurück zu den Anfängen?

In der Öffentlichkeit zeigte sich Ghadhafi zuletzt Ende Mai bei einem Besuch des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, der zu einer Vermittlungsmission nach Libyen gereist war. Das libysche Staatsfernsehen strahlte dabei Aufnahmen des Machthabers aus, wie er Zuma am Eingang eines Gebäudes empfängt.

Als möglicher Aufenthaltsort wird immer wieder auch die Gegend um die Stadt Sirte genannt, wo Ghadhafi am 7. Juni 1942 angeblich in einem Beduinenzelt geboren wurde. Die Küstenstadt ist Heimat seines Stammes, den Ghadhafa, und anders als der Grossteil des Landes weiter in der Hand seiner Anhänger. Während seiner mehr als 40-jährigen Herrschaft behandelte Ghadhafi auch andere der insgesamt rund 140 Stämme Libyens bevorzugt – diese könnten ihn nun aus Loyalität ebenfalls beherbergen.

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist eine Flucht Ghadhafis ins Ausland. Südafrika wies am Montag Gerüchte zurück, Flugzeuge nach Libyen geschickt zu haben, um Ghadhafi und seine Familie ausser Landes zu bringen. Niemand aus dem Ghadhafi-Clan habe in Südafrika Asyl beantragt, sagte die südafrikanische Aussenministerin Maite Nkoana-Mashabane. Auch Algerien war in den vergangenen Wochen immer wieder als möglicher Zufluchtsort für Ghadhafi genannt worden, was die Regierung des Nachbarlandes aber kategorisch dementierte.

AFP/rub

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