Zum Hauptinhalt springen

«Wir werden eines Tages Europa einnehmen»

Kindersoldaten, kurdische Gefangene, Suizidwesten: Ein deutscher Journalist liefert in einem Filmbeitrag einzigartige Eindrücke und Interviews aus den Städten, die von der Terrormiliz IS kontrolliert werden.

Streng bewacht beim Interview: Jürgen Todenhöfer (l.) im Gespräch mit einem hohen deutschen IS-Vertreter.
Streng bewacht beim Interview: Jürgen Todenhöfer (l.) im Gespräch mit einem hohen deutschen IS-Vertreter.
Screenshot CNN
Erst 13 Jahre alt und schon für den IS im Einsatz: Auch Kindersoldaten hat Todenhöfer interviewt.
Erst 13 Jahre alt und schon für den IS im Einsatz: Auch Kindersoldaten hat Todenhöfer interviewt.
Screenshot CNN
«Eine schreckliche Normalität»: IS-Kämpfer auf den belebten Strassen von Mosul.
«Eine schreckliche Normalität»: IS-Kämpfer auf den belebten Strassen von Mosul.
Screenshot CNN
1 / 5

Sieben Monate lang versuchte Jürgen Todenhöfers Familie, ihn von seiner Reise abzuhalten – ohne Erfolg. Schliesslich wurde der 75-Jährige von seinem Sohn in den Irak und nach Syrien begleitet, der die Kamera bediente. «Gegen meinen Willen», wie der deutsche Autor und Publizist Todenhöfer der Münchner Tageszeitung «tz» sagte.

Todenhöfer und sein Sohn reisten in die vom Islamischen Staat (IS) kontrollierten Städte Mosul, Raqqa und Deir al-Zor. Die Bilder, die sie mit nach Hause gebracht haben, sind erschreckend. «Nur ein Prozent der Muslime hat sich dem IS angeschlossen. Doch dieses eine Prozent hat die Kraft eines nuklearen Tsunami», sagt Todenhöfer dem Nachrichtensender CNN, wo sein Film heute Abend um 20 Uhr ausgestrahlt wird.

Die Vorschau auf Jürgen Todenhöfers Film, den CNN heute Abend ausstrahlt. Video: CNN

Todenhöfer konnte etwa mit einem Soldaten reden, der nach eigener Aussage gerade einmal 13-Jährig ist und für den IS kämpft. Ein anderer Soldat erzählt ausführlich, wie der IS die irakische Stadt Mosul eingenommen hat. Bloss vier Tage habe das gedauert, mit 300 Leuten gegen 20'000 irakische Soldaten. «Wir haben ihre Frontlinie hart getroffen, auch mit Selbstmordattentätern», erzählt der Soldat. Der Rest sei dann schnell geflohen. Viele der IS-Kämpfer würden Sprengstoffgürtel tragen, die sie zünden, sobald sie gefangen genommen werden.

Interview mit Gefangenem und IS-Führer

50 neue Kämpfer seien jeden Tag in ein Rekrutierungszentrum gekommen, erzählt Todenhöfer. «Das Leuchten in ihren Augen war unglaublich. Sie fühlten sich, als ob sie ins gelobte Land gekommen sind.» Ein weiteres Interview konnte er mit einem kurdischen Gefangenen führen – umringt von IS-Kämpfern mit ihrer Kalaschnikow im Anschlag. Der Gefangene sagte, er wisse nicht, was mit ihm passiere, hoffe aber, bei einem Gefangenenaustausch freizukommen.

Auch mit hohen IS-Vertretern hat Todenhöfer gesprochen. So etwa mit einem deutschen, der im Namen der IS-Führung Auskunft gibt. Auf die Frage, ob der IS auch nach Europa kommen wolle, antwortete der Deutsche: «Wir werden Europa eines Tages einnehmen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann das passieren wird. Für uns gibt es keine Grenzen, nur Fronten.»

«Sklaverei und Enthauptungen sind Teil unserer Religion»

Wenn der IS nach Europa komme, sei das nicht auf eine nette Art, sondern mit Waffen. Wer nicht konvertiere oder eine Islamsteuer bezahle, werde getötet. «150 Millionen, 200 Millionen, 500 Millionen; das spielt für uns keine Rolle. Wir töten alle.»

Als Todenhöfer Enthauptungen und Sklaverei zum Thema macht, geben die IS-Vertreter ebenfalls ausführlich Auskunft. Auch bei Christen und Juden gäbe es Sklaverei, Frauen würden zur Prostitution gezwungen. «Sklaverei und Enthauptungen sind Teil unserer Religion», sagte der IS-Sprecher.

Gegenüber der «tz» zog Todenhöfer nach seinen zehn Tagen beim IS Bilanz – und zeichnet ein düsteres Bild. «Das Problem IS ist militärisch von aussen nicht zu lösen», sagt er. Mosul, das drei Millionen Einwohner habe, werde von 5000 Kämpfern kontrolliert. «Wollte der Westen die 5000 IS-Leute ausschalten, müsste man ganz Mosul in Schutt und Asche legen. Mit jeder Bombe, die jetzt abgeworfen wird und die einen Zivilisten trifft, wird die Zahl der Terroristen erhöht.» Und würde der IS Vorschläge über Verhandlungen machen, würde das wahrscheinlich an der «mangelnden Bereitschaft der Politiker im Westen scheitern», so Todenhöfer.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch