«Wir tun, was wir können, um Kobanes Fall zu verhindern»

Gestern die Entscheidung im türkischen Parlament, dann das Bekenntnis von Permier Ahmet Davutoglu. Ankara scheint sich ernsthaft mit der Verteidigung der umzingelten Stadt Kobane zu befassen.

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Die Türkei wird nach den Worten von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu alles unternehmen, um die Eroberung der nordsyrischen Grenzstadt Kobane durch die radikalislamische IS-Miliz zu verhindern. «Wir wollen nicht, dass Kobane fällt. Wir werden tun was wir können, um dies zu verhindern», sagte Davutoglu nach dem gestrigen Parlamentsentscheid im Gespräch mit Journalisten.

«Kein anderes Land hat wie unseres die Möglichkeit, die Entwicklung in Syrien und im Irak zu beeinflussen, kein anderes Land wird aber auch so davon betroffen sein», sagte der Regierungschef am späten Abend im TV-Sender «A Haber».

Iran hat die Türkei unterdessen vor den Folgen eines Militäreinsatzes gewarnt. «Zumindest die Länder in der Region sollten nicht etwas unternehmen, was die Lage weiter eskalieren würde», sagte Aussenminister Mohammed Jawad Sarif laut iranischem Staatsfernsehen. Man sollte verantwortungsvoll auf die derzeitige Situation reagieren und sie nicht noch komplizierter machen, sagte er demnach in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu.

Das türkische Parlament hatte gestern grünes Licht für Einsätze des Militärs in den beiden Nachbarländern gegeben.

Reuters-Video: Entscheid in Ankara zugunsten der Anti-IS-Koalition.

Kurden wehren sich erbittert

Kurdische Kämpfer haben sich über Nacht und am Morgen erbittert gegen den Ansturm des IS gewehrt. Über der Stadt direkt an der Grenze zur Türkei stand dichter Rauch. In kurzen Abständen war der Abschuss von Granaten zu hören, wie ein AFP-Reporter von der Grenze berichtete. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hätten zwei gepanzerte IS-Fahrzeuge zerstört, die weniger als zwei Kilometer vor der Stadt waren, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die IS-Extremisten belagern die Kurdenstadt seit zwei Wochen und konnten trotz der Luftangriffe der US-geführten Koalition immer weiter vorrücken. Unter den Kurden jenseits der Grenze gibt es kaum noch Hoffnung, die Stadt könne verteidigt werden. «Das ist ein Massaker vor den Augen der ganzen Welt», sagte Burhan Atmaca an einem Grenzposten im türkischen Mursitpinar.

Die US-geführte Koalition habe ihre Angriffe trotz des Vorrückens der Extremisten nicht verstärkt, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Nach seinen Angaben harren in der einst drittgrössten Kurdenstadt in der Region, die auf Arabisch Ain al-Arab genannt wird, nur noch wenige Tausend Menschen aus. Der IS ist den kurdischen Kämpfern zahlenmässig und von der Ausrüstung her weit überlegen.

Der deutsche Journalist Dirk Emmerich befindet sich in der Region und berichtet unter anderem auf Twitter.

Europarat fordert Rettung Kobanes

Der Europarat hatte zur Rettung Kobanes vor dem IS aufgerufen. Die internationale Gemeinschaft solle sofort eingreifen, um in der Stadt an der syrisch-türkischen Grenze eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, heisst es in einer Entschliessung.

Die Versammlung verabschiedete diese gestern in Strassburg mit grosser Mehrheit. Die überwiegend von Kurden bewohnte Stadt werde beschossen, und «die Milizen des Islamischen Staats befinden sich auf dem Vormarsch», sagte die Berichterstatterin der Versammlung, die griechische Christdemokratin Theodora Bakoyannis.

Bei der Debatte über die Bedrohung durch die Terrormiliz betonten die Parlamentarier aus den 47 Europaratsländern die Notwendigkeit weiterer humanitärer Hilfe. Die bisherigen Leistungen seien nicht ausreichend.

Die Mitgliedsländer wurden aufgefordert, «ihre Hilfe für Flüchtlingslager im Irak, in Syrien, Jordanien, im Libanon und in der Türkei aufzustocken und auszuweiten». Unter UNO-Aufsicht solle ein ausreichend finanziertes Programm auf die Beine gestellt werden, um die zerstörten Ortschaften in den betroffenen Regionen wieder aufzubauen.

cpm/sda

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