Zum Hauptinhalt springen

«Wir haben nie gesagt, wir seien eine Demokratie»

Erneut äussert sich der syrische Präsident Assad in einem Interview zur dramatischen Lage in seinem Land. Die Verantwortung für den Tod tausender Syrer weist er von sich – und gelobt dennoch Besserung.

«Es gab keinen Befehl zu töten oder brutal zu sein»: Bashar al-Assad im Interview mit dem US-Sender ABC.
«Es gab keinen Befehl zu töten oder brutal zu sein»: Bashar al-Assad im Interview mit dem US-Sender ABC.
AFP

Syriens Präsident Bashar al-Assad hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe das massive Vorgehen seiner Truppen gegen die Protestbewegung angeordnet. «Wir töten unser Volk nicht», sagte er in einem heute veröffentlichten Interview mit dem US-Sender ABC.

«Keine Regierung der Welt tötet ihr Volk, ausser sie wird von einem Verrückten geführt», sagte Assad. Er räumte ein, dass einige Mitglieder seiner Kampftruppen zu weit gegangen seien. Aber sie hätten aus eigenem Antrieb heraus gehandelt. «Jede brutale Reaktion war die eines Einzelnen, nicht einer Institution.» Es sei ein Unterschied, ob man gezielt eine Politik der Niederschlagung verfolge oder ob «einige Offizielle ein paar Fehler» machten. «Es gab keinen Befehl zu töten oder brutal zu sein.»

Viele tote Assad-Anhänger

Auf die Frage, ob es ihm leidtue, dass die Gewalt sein Land im Griff habe, sagte Assad, es sei ihm darum gegangen, das Volk zu schützen. «Man kann sich nicht schuldig fühlen, wenn man sein Bestes gibt».

Er bedauere, dass Menschen gestorben seien. «Aber man fühlt sich nicht schuldig, wenn man nicht tötet. Es geht also nicht um Schuld.» Es sei zudem nicht richtig, dass die Getöteten überwiegend Assad-Gegner gewesen seien. «Die meisten Menschen, die getötet wurden, waren Anhänger der Regierung und nicht umgekehrt», war dem in Auszügen auf der ABC-Website veröffentlichten Gespräch zu entnehmen.

«So etwas dauert lange»

Assad bekräftigte darin auch, dass er Reformen und Wahlen einführe. Aber dies brauche Zeit. «Wir haben nie gesagt, dass wir eine Demokratie sind.» Bei den Reformen seien Fortschritte gemacht worden, insbesondere in den vergangenen neun Monaten. «So etwas dauert lange. Es bedarf einiges an Reife, um eine vollwertige Demokratie zu sein.»

Die Sanktionen, die derzeit international erlassen oder auf den Weg gebracht werden, würden indes kaum Wirkung haben, sagte Assad. «Wir leben seit 30, 35 Jahren mit Sanktionen. Das ist nichts Neues.» Syrien sei nicht isoliert. «Die Leute kommen und gehen, es gibt Handel, es gibt alles.»

In Syrien sind seit Beginn der Anti-Assad-Demonstrationen mindestens 4000 Menschen getötet worden. Eine vom UNO-Menschenrechtsrat beauftragte Untersuchung dokumentierte zahlreiche schwere Menschenrechtsverstösse, bis hin zur Tötung von Hunderten von Kindern.

SDA/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch