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«Wir haben einen Vater verloren»

Viele Bürger drücken nach dem Tod ihres Königs Abdallah ihre Trauer aus. Es wird aber auch Kritik laut – besonders wegen des inhaftierten Bloggers Raef Badawi. Auch Syriens Reaktion fiel höchst knapp aus.

Der beliebte Monarch ist tot: König Abdullah. (29. Oktober 2007)
Der beliebte Monarch ist tot: König Abdullah. (29. Oktober 2007)
Reuters
Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, doch er war bereits 80, als er den Thron bestieg: König Abdullah in London. (30. Oktober 2007)
Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, doch er war bereits 80, als er den Thron bestieg: König Abdullah in London. (30. Oktober 2007)
Reuters
Hand in Hand: Der frühere US-Präsident George W. Bush und der saudiarabische König in Texas. (23. Januar 2015)
Hand in Hand: Der frühere US-Präsident George W. Bush und der saudiarabische König in Texas. (23. Januar 2015)
Keystone
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Der Tod des saudiarabischen Königs Abdallah bin Abdul Aziz al-Saud im Alter von etwa 90 Jahren hat im Kurznachrichtendienst Twitter eine Flut von Reaktionen ausgelöst. «Wir haben heute nicht einen König verloren, wir alle haben einen Vater verloren», lautete ein typischer Tweet der vielen trauernden Saudiaraber.

Viele wiesen darauf hin, dass Abdallahs Tod an einem Freitag laut einem Ausspruch des Propheten Mohammed bedeute, dass sein Leben gut geendet habe. Der gestandene Moderator Abdallah al-Shihri, der die Todesnachricht im Fernsehen verlesen hatte, stellte bei Twitter traurig fest: «Ich habe mir nicht gewünscht, diese Nachricht zu verkünden.» Auf dem offiziellen Twitter-Account der Armee wurde angekündigt, als Zeichen der Trauer nun drei Tage lang keine Kurznachrichten zu versenden.

Zu Peitschenhieben verurteilt

Es gab allerdings auch kritische Töne als Reaktion auf Abdallahs Tod. Über das Twitter-Konto des inhaftierten Bloggers Raef Badawi wurde der Kommentar verbreitet: «Gott vergebe ihm und sei ihm gnädig.» Der 30-jährige Badawi war zu 1000 Peitschenhieben und zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islams kritisiert hatte.

Vorsichtige Kritik kam auch von den Aktivistinnen, die dafür kämpfen, dass das Autofahrverbot für Frauen in Saudiarabien aufgehoben wird. Zwar posteten sie ein Foto des verstorbenen Monarchen, jedoch fügten sie auch Fotos der Aktivistinnen Ludshain Hathlul und Maisaa Alamudi hinzu, die seit Anfang Dezember in Haft sind. Der Kommentar der Frauenrechtlerinnen lautete: «Für alle Kreaturen, ob gross oder klein – nichts bleibt als Deine Taten und Dein Grab – und nur Gott bleibt für immer.»

Trauernde in Mekka

Unmittelbar, nachdem der Tod von König Abdallah bekannt wurde, versammelten sich Tausende von Trauernden in Mekka.

(Video: storyful/omar_fh10)

Am Kurs festhalten

Grosse Veränderungen im streng religiösen Königreich dürften nicht zu erwarten sein: Der neue saudiarabische König Salman hat versprochen, an der Politik seiner Vorgänger festzuhalten. «Wir werden damit fortfahren, uns an die korrekte Politik zu halten, die Saudiarabien seit seiner Gründung verfolgt hat», sagte der 79-jährige Salman bei einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Der Halbbruder des Verstorbenen hatte im vergangenen Jahr zunehmend die Pflichten des Königs übernommen, weil Abdallah zu krank geworden war. Seit 2011 war er Verteidigungsminister seines Landes und damit der Chef des saudischen Militärs, das sich vor wenigen Monaten den USA und anderen Alliierten aus der Arabischen Welt im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat anschloss.

Mit dem fallenden Ölpreis und dem Vorrücken des Islamischen Staats übernimmt Salman das Land in einem kritischen Moment. Zumal er Vermutungen zufolge gesundheitlich angeschlagen ist und an Demenz leidet. Auch sein Auftritt nach dem Tod von König Abdallah nährte diese Gerüchte: Er sprach atemlos und mit schwacher Stimme und war nur schwer zu verstehen. Durch seine gesundheitlichen Probleme sei Salmans Zeit auf dem Thron möglicherweise nicht von langer Dauer, schreibt die «Washington Post». Sollte nach seinem Tod ein Kampf um seine Nachfolge ausbrechen, könnte dies in einem ungünstigen Zeitpunkt zu einem Machtvakuum im Nahen Osten führen.

Trauerzeit in Bahrain

Auch die Führer der arabischen Welt reagierten mit Trauer und Beileidsbekundungen auf den Tod des saudischen Königs. Der König des benachbarten Bahrain, Scheich Hamad, nannte den verstorbenen Monarchen einen weisen Herrscher, der sein Leben seinem Volk, der Nation, der Religion und der Menschlichkeit gewidmet habe. Bahrain erklärte zudem eine 40-tägige Trauerzeit. Das Königreich ist ein enger Verbündeter Saudiarabiens.

Auch andere Regierungen riefen Trauerzeiten aus. In Jordanien soll sie 40 Tage dauern, in Ägypten sieben Tage, in den Vereinigten Arabischen Emiraten drei Tage. Der Emir von Kuwait, Scheich Sabah, erklärte, mit Abdullah habe die Welt «einen ihrer grossen Männer» verloren. Der ägyptische Präsident Abdel Fatah al-Sisi – von Saudiarabien mit Milliardensummen für sein Land unterstützt – musste sich für die Trauerfeierlichkeiten in Riad entschuldigen lassen. Verantwortlich dafür seien schlechte Flugwetterbedingungen in Davos, wo Sisi am Weltwirtschaftsforum teilnimmt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hingegen verschob einen geplanten Besuch in Somalia. Erdogan werde nicht wie geplant an diesem Freitag nach Djibouti, sondern nach Riad zur Beisetzung des saudiarabischen Königs reisen, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Angaben aus Erdogans Delegation. Der türkische Präsident befindet sich derzeit auf einer Reise durch mehrere afrikanische Länder. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete den Tod Abdallahs nur in zwei Sätzen. Der verstorbene Monarch war einer der schärfsten Gegner des Regimes von Präsident Bashar al-Assad.

Der israelische Präsident Reuven Rivlin würdigte den verstorbenen saudiarabischen König als «Musterbeispiel eines geerdeten, umsichtigen und verantwortungsvollen Führers mit einer tiefen religiösen Tradition». Als «Hüter» der heiligen Stätten Mekka und Medina habe Abdallah um die sensible Lage in Jerusalem gewusst und eine Vermittlerrolle eingenommen. Seine kluge Politik habe zur Stabilität im Nahen Osten beigetragen. Israel und Saudiarabien unterhalten offiziell keine diplomatischen Beziehungen, teilen jedoch die Furcht vor einem Erstarken des Iran und der Bedrohung durch islamistischen Extremismus.

(AFP/AP/sda)

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