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«Wie eine Stadt, die komplett geschlossen wurde»

Die UNO macht sich für den Einsatz von Hilfsorganisationen in Homs stark. Dazu reiste die Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in die seit Wochen umkämpfte Stadt.

Nur wenige sind geblieben: Die Stadt Homs.
Nur wenige sind geblieben: Die Stadt Homs.

Die drittgrösste syrische Stadt Homs ist nach Angaben der UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos «total zerstört». Amos habe einige Viertel der Stadt eine Stunde lang besuchen dürfen, teilte ihre Sprecherin Amanda Pitt am Mittwoch in New York mit.

Die von der Opposition kontrollierten Stadtgebiete habe sie aus «Sicherheitsgründen» nicht sehen dürfen. Nach Angaben der Sprecherin hörte Amos auch Gewehrfeuer. Die syrische Armee hatte vergangenen Donnerstag nach wochenlangem Beschuss das von den Rebellen gehaltene Stadtviertel Baba Amr eingenommen.

Nur einige, die nach ihren Sachen suchen

Auch dieses Viertel besuchte Amos am Mittwoch gemeinsam mit einem Team des syrischen Roten Halbmonds. Laut ihrer Sprecherin erschien ihr Homs «wie eine Stadt, die komplett geschlossen wurde». Sie habe sehr wenige Menschen gesehen, nur einige, die nach ihren Sachen suchten.

Amos hält sich seit Mittwoch in Syrien auf. Die Behörden hatten ihr Ende Februar zunächst die Einreise verweigert. Amos will nach eigenen Angaben erreichen, dass Bedürftige ohne Einschränkung Zugang zu humanitärer Hilfe erhalten.

Angesichts der sich verschlechternden humanitären Lage in Syrien hatte sie sich für die Forderung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nach einer täglichen Feuerpause zwischen den Konfliktparteien ausgesprochen. Staatschef Bashar al-Assad lässt seit März 2011 die Proteste gegen ihn blutig niederschlagen. Dabei starben tausende Menschen.

Demonstrationen und Armeeangriffe

Nach nächtlichen Demonstrationen in mehreren Vierteln von Damaskus berichteten Aktivisten von zahlreichen Festnahmen in der syrischen Hauptstadt.

Die Revolutionskomitees veröffentlichten ein Video, das eine nächtliche Demonstration zeigt, die laut ihren Angaben am Dienstag im Stadtzentrum am Abbasiden-Platz stattfand. Die Teilnehmer der Kundgebung rufen: «Wir wollen Freiheit, Islam und Christentum!» Auch im Stadtteil Messe, in Birsa und in dem Viertel Hadschr al-Aswad soll erneut protestiert worden sein.

In Schaizar in der Provinz Hama wurden am Mittwoch bei einem Angriff mit Artilleriegeschützen laut Regimegegnern 15 Häuser sowie die Ruine der historischen Festung stark beschädigt. Der Angriff habe begonnen, nachdem sich mehrere Soldaten von der Truppe abgesetzt hätten, hiess es.

Das Regime schickte laut dem oppositionellen Nationalrat auch militärische Verstärkung in die nordwestliche Provinz Idlib, darunter 42 Panzer und 131 Truppentransporter.

Syrische Sicherheitskräfte gehen seit Beginn der Proteste Mitte März 2011 mit Gewalt gegen Demonstranten vor. Bisher wurden fast 8500 Menschen getötet, wie die Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mitteilte. Knapp 6200 waren Zivilisten, 1835 Soldaten und Angehörige der Sicherheitskräfte sowie 428 Deserteure.

USA für politische Lösung

US-Präsident Barack Obama lehnt weiterhin ein militärisches Eingreifen in Syrien ab. Die Regierung habe zurzeit eine politische und keine militärische Herangehensweise, sagte Obamas Sprecher Tommy Vietor am Dienstag in Washington. Die syrische Führung müsse isoliert und von Geldströmen abgeschnitten werden.

Zu politischen Gesprächen war am Mittwoch auch ein Gesandter der chinesischen Regierung in Damaskus. China hatte am Sonntag einen Sechs-Punkte-Plan zur Lösung des Konflikts in Syrien vorgeschlagen, der ein sofortiges Ende der Gewalt und einen Dialog zwischen Regierung und Opposition vorsieht sowie jeder Intervention des Auslandes eine klare Absage erteilt.

Das russische Aussenministerium forderte sowohl von der Regierung als auch von der Opposition ein «sofortiges» Ende der Gewalt.

SDA/wid

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