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Washington warnt Iran vor Ölblockade

Wegen westlicher Sanktionen droht der Iran mit der Sperrung eines wichtigen Handelsweges. Die USA reagieren sofort und kündigen an, Notfalls die Marine einzusetzen.

Militärpräsenz in der Ölhandelsroute: Das Bild zeigt laut iranischen Angaben einen Soldaten bei Truppenübungen in der Strasse von Hormus. (28. Dezember 2011)
Militärpräsenz in der Ölhandelsroute: Das Bild zeigt laut iranischen Angaben einen Soldaten bei Truppenübungen in der Strasse von Hormus. (28. Dezember 2011)
AFP

Auf die vom Iran angedrohte Blockade eines für den Öltransport wichtigen Seewegs haben die USA mit einer Warnung in Richtung Teheran reagiert. Eine Behinderung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus würde «nicht toleriert», sagte heute eine Sprecherin der 5. Flotte der US-Marine. Die Marine sei «immer bereit, böswilligen Aktionen zu kontern, um die Freiheit der Schifffahrt zu gewährleisten».

Zuvor hatte der Iran damit gedroht, die Strasse von Hormus angesichts einer möglichen weiteren Sanktionsrunde des Westens zu sperren. Wenn der Westen nicht von seinen Sanktionsplänen ablasse, werde «kein Tropfen Öl» die Meerenge passieren, sagte Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi.

Trotz der Drohungen hielt die EU an ihren Plänen für neue Sanktionen gegen den Iran fest. Der Sprecher der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton, Michael Mann, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er erwarte eine Entscheidung beim kommenden Treffen der EU-Aussenminister am 30. Januar. Erwogen werden Strafmassnahmen gegen den Finanz- und den Ölsektor.

Ein Sechstel des Öls

Eine Sperrung der Strasse von Hormus würde Teheran nach Auffassung des iranischen Marinekommandeurs Admiral Habibollah Sajjari vor keine grösseren Probleme stellen. Die iranischen Streitkräfte hätten die Kontrolle über die Meerenge und könnten sie leicht schliessen, sagte Sajjari heute dem staatlichen Fernsehsender Press TV. Ein solcher Schritt sei derzeit aus Sicht von Teheran aber noch nicht nötig, relativierte Sajjari die Aussagen von Regierungsvertretern von gestern.

Die Strasse von Hormus liegt zwischen dem Iran und Oman und ist eine bedeutende Schifffahrtsstrasse zu den Ölhäfen Irans und der Golfstaaten. Durch die Wasserstrasse am Persischen Golf wird rund ein Sechstel der weltweiten Öllieferungen transportiert. Bereits gestern Dienstag hatte der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi mit der Schliessung der Strasse von Hormus gedroht, sollte der Westen seine Sanktionen auf iranische Ölexporte ausdehnen.

Eine mögliche Blockade der Strasse wäre nach Ansicht der Energieexpertin Claudia Kemfert beherrschbar. Sollte es wirklich zu einer kompletten Schliessung dieser wichtigen Handelsroute kommen, falle zwar ein wichtiger Öl-Transportweg weg, sagte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gegenüber «Handelsblatt Online». Doch würde dies nicht sofort zu Engpässen führen, da teilweise auf alternative Transportrouten ausgewichen werden könne und es ein Überangebot an Öl auf dem internationalen Markt gebe.

Seeminen und direkte Angriffe

Um die Meeresenge zu schliessen, müsste die iranische Marine die Wasserstrasse verminen und einige passierende Schiffe direkt angreifen, sagte der Analyst am Militärinstitut für den Nahen Osten und die Golfregion in Dubai, Theodore Karasik. «Sie müssten fremdes Eigentum physisch angreifen. Jeder in der Region wird versuchen, sie zu stoppen», sagte Karasik.

Derzeit findet in internationalen Gewässern nahe der Strasse von Hormus ein zehntägiges Manöver der iranischen Marine statt. An den Übungen sind seit Samstag auch U-Boote und Drohnen beteiligt. Zudem werden Raketen und Torpedos getestet.

Golfstaaten würden einspringen

Nach den Drohungen aus Teheran erklärten die Golfstaaten, sie könnten ausfallende iranische Öllieferungen auf dem Weltmarkt ersetzen. Sie seien vorbereitet, einen möglichen Verlust iranischen Öls auszugleichen, teilte ein ranghoher Vertreter des saudischen Ölministeriums gestern mit.

Angesichts der saudischen Ankündigung liess der zuvor wegen der Iranischen Drohungen angestiege Ölpreis heute Mittwoch wieder nach. Im vormittäglichen Handel ging der Preis für Rohöl in New York um 1,99 Dollar oder rund zwei Prozent auf 99,35 Dollar pro Barrel (etwa 159 Liter) zurück. In London fiel der Preis für ein Barrel Rohöl um 2,20 Dollar auf 107,07 Dollar.

Der Iran ist mit täglich rund vier Millionen Barrel Rohöl der zweitgrösste Produzent innerhalb der Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC). Die Umsätze aus dem Ölexport machen etwa 80 Prozent der Staatseinnahmen aus.

dapd/AFP/ami/kle

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