Wann explodiert der Jemen?

Die Schiiten rufen zu den Waffen, der Präsident benennt eine neue Hauptstadt und al-Qaida vertreibt US-Soldaten: Der Ausbruch des Bürgerkriegs scheint nur eine Frage der Zeit.

Waffen des Präsidenten: Anhänger von Abed Rabbo Mansur Hadi posieren auf einem defekten Militärfahrzeug in Aden. (20. März 2015)

Waffen des Präsidenten: Anhänger von Abed Rabbo Mansur Hadi posieren auf einem defekten Militärfahrzeug in Aden. (20. März 2015)

(Bild: Keystone)

Der Jemen rückt immer weiter an den Rand eines Bürgerkriegs. Am Samstag riefen die in der Hauptstadt Sanaa herrschenden Huthi-Rebellen zum bewaffneten Kampf gegen die Anhänger des geflüchteten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi auf.

Dieser erklärte Aden im Südjemen zur neuen Hauptstadt und sprach der Huthi-Herrschaft jegliche Legitimität ab. Gleichzeitig vertrieb die al-Qaida jemenitische und US-Soldaten von einem Luftwaffenstützpunkt.

Der vielschichtige Konflikt in dem bitterarmen arabischen Land steht damit vor einer neuen Eskalation. Erst am Freitag waren beim blutigsten Anschlag seit Jahrzehnten in Sanaa mindestens 137 Menschen getötet worden, viele von ihnen Huthi-Anhänger. Zu den Angriffen bekannte sich ein angeblicher Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat, der bisher im Jemen noch nicht in Erscheinung getreten war. Ganz anders als der örtliche al-Qaida-Ableger, der als einer der gefährlichsten weltweit gilt. Präsident Hardi verurteilte die Anschläge.

Tödlicher Anschlag: Zwei Moscheen wurden angegriffen – mindestens 137 Menschen getötet. (Video: Reuters)

Al-Qaida-Kämpfer erzielten gleichzeitig Bodengewinne im Südjemen und eroberten am Freitag die Stadt Al-Huta. Jemenitische Soldaten und rund 100 Amerikaner, viele von ihnen Mitglieder von Spezialeinheiten, mussten daraufhin den nahe gelegenen Luftwaffenstützpunkt Al-Annad verlassen, wie Regierungsbeamte der Nachrichtenagentur AP am Samstag sagten. Wohin, war nicht klar.

Auch die schiitischen Huthi-Rebellen kämpfen gegen die sunnitische al-Qaida und wollen nun mit ihrem Ruf zu den Waffen eine weitere Front gegen die Regierung eröffnen. Die Offensive gegen alle staatlichen und militärischen Institutionen, die loyal zu Hadi stehen, bezeichneten die Huthis in einer Erklärung als Kampf gegen Extremisten.

Zeigt sich fest entschlossen: Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi bei einer Ansprache. (Foto: Keystone 20. März 2015)

Nur Minuten vor dem Huthi-Aufruf zur Generalmobilmachung hatte sich Hadi zum ersten Mal seit seiner Flucht aus Sanaa im Februar in einer Fernsehrede geäussert. In Aden erklärte er, die Rebellen hätten einen «Putsch gegen die verfassungsmässige Legitimität» verübt und Rebellenführer Abdel-Malik al-Huthi solle damit aufhören, die Bewohner des Landes zu täuschen. Aden erklärte Hadi zur vorübergehenden Hauptstadt des Landes. Bis zur Vereinigung der beiden Landesteile 1990 war sie Hauptstadt des Südjemen.

Die Huthis hatten im vergangenen September von ihren Hochburgen im Nordjemen aus die Hauptstadt Sanaa überrannt. Mittlerweile kontrollieren sie neun von 21 Provinzen des Landes. Mit der Regierung führten die Schiiten monatelang einen Machtkampf um mehr Einfluss, schliesslich setzten sie Hadi und dessen Regierung unter Hausarrest.

spu/sda

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