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«Von den Schweinen gehirngewaschen»

Von den Anschlägen in Tunesien wurde ein Video veröffentlicht. Die Polizei nimmt mehr als 20 Verdächtige fest. Ein Bruder eines Attentäters äussert sich.

Landesweite Razzien: Sicherheitskräfte patrouillieren am Flughafen Tunis-Carthage. (21. März 2015)
Landesweite Razzien: Sicherheitskräfte patrouillieren am Flughafen Tunis-Carthage. (21. März 2015)
AFP

Die tunesischen Behörden haben nach dem Anschlag auf ausländische Touristen bei einer landesweiten Razzia nach eigenen Angaben mehr als 20 Verdächtige festgenommen. Nach Angaben von Innenminister Mohamed Ali Aroui gab es bislang mehr als zehn Festnahmen von Verdächtigen, die «direkt oder indirekt in den Anschlag verwickelt waren». Berichten zufolge sind unter den Festgenommenen auch mehrere Familienangehörige eines der Attentäter.

«Dies ist eine grossangelegte Kampagne gegen die Extremisten», sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Das Ministerium hat Überwachungsbilder von den beiden Attentätern auf Facebook veröffentlicht. In dem rund einmütigen Clip sind die beiden Männer zu sehen, wie sie durch die Räume des Nationalmuseums von Bardo gehen.

Derweil gedachten Hunderte Tunesier in einer Kathedrale von Tunis der Opfer.

Trauer in Tunesien: In der Kathedrale von Tunis gedachten Menschen der Opfer. (Foto: Keystone; 21. März 2015)
Trauer in Tunesien: In der Kathedrale von Tunis gedachten Menschen der Opfer. (Foto: Keystone; 21. März 2015)

Bei dem Anschlag waren am Mittwoch 20 ausländische Touristen und drei Tunesier getötet worden. Die Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Tat, doch es finden sich auch Hinweise auf einen tunesischen Al-Qaida-Ableger.

Drei Tage nach dem blutigen Anschlag auf das Bardo-Nationalmuseum in Tunis ist die Identität aller 21 getöteten Personen festgestellt. Bei dem letzten bislang noch nicht identifizierten Opfer handle es sich um eine Russin, die seit Jahren in Italien gelebt habe.

Den Anschlag haben offenbar IS-Terroristen ausgeführt: Ein Mitglied der tunesischen Sicherheitskräfte vor dem Eingang zum Bardo-Museum in Tunis. (19. März 2015
Den Anschlag haben offenbar IS-Terroristen ausgeführt: Ein Mitglied der tunesischen Sicherheitskräfte vor dem Eingang zum Bardo-Museum in Tunis. (19. März 2015
Fethi Belaid, AFP
Ein Bündnis von Gewerkschaften und anderen Organisationen hat für heute Nachmittag zu einer Trauerkundgebung in der Nähe des Bardo-Museums in Tunis aufgerufen. Damit soll ein Zeichen der nationalen Einheit im Kampf gegen den Terrorismus gesetzt werden. Bild: «Tunesien bleibt aufrecht», heisst es auf dem Transparent einer Demonstrantin.
Ein Bündnis von Gewerkschaften und anderen Organisationen hat für heute Nachmittag zu einer Trauerkundgebung in der Nähe des Bardo-Museums in Tunis aufgerufen. Damit soll ein Zeichen der nationalen Einheit im Kampf gegen den Terrorismus gesetzt werden. Bild: «Tunesien bleibt aufrecht», heisst es auf dem Transparent einer Demonstrantin.
AFP
Und: Menschen aus Tunis versammelten sich vor den Toren des Museums und beteten für die Opfer. (18. März 2015)
Und: Menschen aus Tunis versammelten sich vor den Toren des Museums und beteten für die Opfer. (18. März 2015)
AP Photo/Michel Euler, Keystone
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Dies sagte ein Vertreter des tunesischen Gesundheitsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Bei dem Attentat, zu dem sich die IS-Terrormiliz bekannte, wurden am Mittwoch unter anderem Touristen aus Italien, Japan, Frankreich, Spanien und Polen getötet. Die bewaffneten Angreifer, zwei junge Tunesier, wurden von der Polizei erschossen.

Eine Sprecherin der tunesischen Staatsanwaltschaft sprach am Samstag von «Fortschritten» bei den Ermittlungen. Details könnten aber aus Gründen der Geheimhaltung nicht bekanntgegeben werden.

Bruder spricht

Ein Bruder des zweiten Attentäters Yassine Laabidi zeigte sich im Interview mit AFP schockiert über die Tat seines Bruders. «Er liebte das Leben, zog sich gerne gut an und umgab sich gerne mit Freunden und seiner Familie», sagte der Mann, der seinen Namen nicht öffentlich machen will.

Nach Erkenntnissen der Behörden geriet der aus einer gutbürgerlichen Familie stammende 27-Jährige unter den Einfluss von Islamisten, wurde gemeinsam mit Khachnaoui in einem Terrorcamp in Libyen ausgebildet. Yassine sei «von den Schweinen gehirngewaschen worden, die junge Männer im Namen der Religion in den Tod schicken», sagte sein Bruder.

SDA/spu

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