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US-Fotograf und südafrikanischer Lehrer bei Befreiungsaktion getötet

Spezialeinheiten haben vergeblich versucht, einen Amerikaner aus den Händen der al-Qaida im Jemen zu befreien. Fatal erwies sich der Einsatz insbesondere für eine zweite Geisel: Diese hätte heute freigelassen werden sollen.

Wurde offenbar getötet: Luke Somers in der jemenitischen Hauptstadt Saana (11. Februar 2013)
Wurde offenbar getötet: Luke Somers in der jemenitischen Hauptstadt Saana (11. Februar 2013)
AP Photo/Hani Mohammed

Zwei von der al-Qaida im Jemen festgehaltene ausländische Geiseln sind bei einem gescheiterten Rettungsversuch der USA ums Leben gekommen. Der US-Fotojournalist Luke Somers und der südafrikanische Lehrer Pierre Korkie seien von al-Qaida-Kämpfern getötet worden, sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel. Präsident Barack Obama erklärte, er habe den Rettungseinsatz angeordnet, weil das Leben Somers' in «unmittelbarer Gefahr» war.

Der nationale Sicherheitschef des Jemen, Ali al-Ahmadi, erklärte, die al-Qaida wollte Somers noch heute töten. Deshalb sei der Rettungsversuch unternommen worden.

Gefechte am Boden

Rund 40 Mitglieder einer US-Spezialeinheit sowie jemenitische Soldaten konnten sich nach Angaben von US-Militärvertretern dem Lager der Extremisten in der Provinz Schabwa im Süden des Landes bis auf 100 Meter unentdeckt nähern, nachdem zuvor bereits Drohnen- und Kampfjets die Stellungen der Extremisten angegriffen und neun Kämpfer getötet hatten.

Anschliessend kam es zu Gefechten am Boden, bei denen Somers und Korkie von ihren Entführern angeschossen wurden. Die beiden konnten noch lebend zu einem wartenden Hubschrauber gebracht werden. Aber auch Sanitäter an Bord konnten sie den Angaben zufolge nicht mehr retten. Korkie starb während des Flugs zu einem US-Schiff in der Region, Somers an Bord der «USS Makin Island».

Insgesamt waren die US-Spezialkräfte bei dem Einsatz in der Nacht rund 30 Minuten am Boden. Kein US-Soldaten wurde nach Angaben der Militärvertreter verletzt oder getötet. Sie schlossen auch aus, dass die Geiseln durch Schüsse aus den eigenen Reihen getötet worden sein könnten.

Zweiter gescheiterter Versuch

Es war bereits der zweite gescheiterte Versuch innerhalb von weniger als zwei Wochen, den im September 2013 entführten Somers' aus der Hand der al-Qaida zu befreien. Am 25. November sollte er aus einer Höhle in einem entlegenen al-Qaida-Rückzugsgebiet nahe der Grenze zu Saudiarabien gerettet werden. Acht Gefangene, darunter Jemeniten, ein Saudi-Araber und ein Äthiopier, wurden befreit, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Somers, ein Brite und vier weitere wurden zuvor an einen anderen Ort gebracht, wie sich herausstellte nach Schabwa.

Daraufhin veröffnete der jemenitische Ableger des Terrornetzwerks am Donnerstag ein Video, in dem mit der Tötung des amerikanischen gedroht wurde, sollten binnen drei Tagen - ungenannte - Forderungen der al-Qaida nicht erfüllt werden.

Obama verteidigt Mission

Die US-Regierung verteidigte die fehlgeschlagene Mission. Präsident Obama erklärte, er habe sie angeordnet, sobald «verlässliche Geheimdienstinformationen und ein Operationsplan» vorgelegen hätten. Verteidigungsminister Hagel sagte, die Operation sei «äusserst gut ausgeführt worden und war kompliziert und riskant».

Die Schwester des Fotojournalisten, Lucy Somers, sagte, sie und ihr Vater hätten am frühen Morgen von der US-Bundespolizei FBI erfahren, dass ihr Bruder tot sei. «Wir bitten darum, dass alle Familienangehörigen von Luke in Frieden trauern dürfen», sagte sie.

Der Südafrikaner Korkie hätte nach Angaben der Hilfsorganisation Gift of Givers, die seine Befreiung aushandelte, am Sonntag freikommen sollen. Korkie und seine Frau waren im Mai in der jemenitischen Stadt Tais entführt worden. Seine Frau wurde später freigelassen. Aus dem Umfeld Korkies hiess es, al-Qaida-Extremisten hätten zunächst drei Millionen Dollar Lösegeld für seine Befreiung erklärt. Später hätten sie aber eine niedrigere Summe gefordert, die Korkies Familie und Freunde aufgebracht hatten, wie die südafrikanische Nachrichtenagentur Sapa berichtete. Gift of Givers erklärte, am Morgen hätten sich noch Stammesführer in Abjan getroffen, um die Details von Korkies Freilassung zu besprechen.

sda/AP

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