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USA werfen Panzerfäuste über Kobane ab

Von C-130-Transportern wurden die kurdischen Kämpfer im Norden von Syrien mit Waffen aus der Luft versorgt. Das werde den «Verlauf des Kampfes verändern», heisst es jetzt.

Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
AP Photo/Jake Simkin
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Die Kämpfe halten an: Explosion in Kobane. (24. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Die Jihadisten kontrollieren Teile der Grenze zur Türkei: IS-Kämpfer auf der syrischen Seite nahe der türkischen Ortschaft Sanliurfa. (1. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
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US-Flugzeuge haben erstmals Waffen für die kurdischen Kämpfer gegen die IS-Terrormiliz in Nordsyrien abgeworfen. Wie das US-Zentralkommando in Tampa, Florida, mitteilte, versorgten C-130-Transportmaschinen die Kurden nahe der von IS-Kämpfern belagerten Grenzstadt Kobane mit mehreren Ladungen von Waffen und Munition.

Die Lieferungen seien von kurdischen Stellen im Irak zur Verfügung gestellt worden, hiess es weiter. Die Aktion solle dazu beitragen, die Verteidigung der Stadt gegen den Ansturm des IS aufrechtzuerhalten.

Die syrischen Kurden bestätigten später, dass sie die Waffen erhalten haben. Der Sprecher der Volksschutzeinheiten, Boulat Jan, sagte nach Angaben der kurdischen Agentur Welati: «Eine grosse Menge Waffen und Munition hat Kobane erreicht.» Geliefert worden seien leichte und mittelschwere Waffen, Maschinengewehre, panzerbrechende Waffen, Munition und medizinische Hilfsgüter. «Ohne Zweifel wird die Ankunft der Waffen den Verlauf des Kampfes verändern», sagte Rami Abdel Rahman, der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, am Montag.

Luftwaffe fliegt weitere Angriffe

Zugleich setzen die USA der Mitteilung zufolge ihre Luftangriffe gegen die Jihadisten fort. Demnach habe es bisher allein mehr als 135 solcher Schläge gegen die extremistischen Angreifer bei Kobane gegeben.

Es gebe Hinweise darauf, dass diese Luftangriffe zusammen mit dem Widerstand am Boden den Vormarsch des IS auf die Stadt verlangsamt hätten. Hunderte Kämpfer dieser Gruppe seien getötet und zahlreiche Ausrüstungsteile und Kampfstellungen zerstört oder beschädigt worden.

Erdogan gegen Waffenhilfe für die Kurden

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach sich gegen Waffenhilfen für die Kurden in Kobane aus. Deren syrisch-kurdische Partei PYD sei ebenso eine «Terrororganisation» wie die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK, sagte Erdogan nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Miliz der PYD, die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG, verteidigen seit knapp fünf Wochen Kobane gegen radikal-sunnitische IS-Kämpfer. Am Sonntag gelang es ihnen nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, sich in vom IS besetzte östliche Stadtteile vorzukämpfen.

Obama sprach mit Erdogan

US-Präsident Barack Obama besprach in der Nacht zum Sonntag mit Erdogan am Telefon die Lage in Syrien und besonders in Kobane. Es sei darum gegangen, wie der Vormarsch des IS gestoppt werden könne, teilte das Weisse Haus mit.

Beide Präsidenten hätten zugesichert, im Kampf gegen die IS-Miliz eng zusammenzuarbeiten. Dessen ungeachtet erklärte Erdogan auf dem Rückflug von Afghanistan, niemand könne von der Türkei erwarten, Waffenlieferungen an die PYD zuzustimmen.

Kerry rechtfertigt Lieferungen

US-Aussenminister John Kerry hat die ersten Waffenlieferungen an Kurden in der umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane gegen die Kritik aus der Türkei verteidigt. Es wäre «unverantwortlich» und «moralisch sehr schwierig», sie in ihrem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat nicht zu unterstützen, sagte er in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Zugleich zeigte Kerry Verständnis für die Vorbehalte Ankaras, eine Gruppe zu bewaffnen, die Verbindungen zur Arbeiterpartei PKK in der Türkei hat.

Diskussion um Waffen noch nicht vom Tisch

Nach Angaben des PYD-Sprechers Newaf Khalil ist die Diskussion um Waffenlieferungen jedoch noch nicht vom Tisch. «Wir haben uns von Anbeginn als Teil der internationalen Allianz zur Bekämpfung des IS bezeichnet», sagte Khalil der DPA am Sonntag.

Die PYD stehe darüber im Austausch mit den USA und europäischen Ländern. «Wir haben die Notwendigkeit diskutiert, YPG-Einheiten im Widerstand gegen Isis zu unterstützen», sagte Khalil unter Verwendung des alten Akronyms der Terrormiliz, «vor allem da Isis sehr schweres Kriegsgerät besitzt».

IS-Vormarsch gestoppt

Die verbesserte Zusammenarbeit von Kurden und der internationalen Allianz hat geholfen, den IS-Vormarsch in Kobane zu stoppen. «Es gab in der vergangenen Woche enge Absprachen beider Seiten», sagte Rami Abdel Rahman, der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle.

«Die Koalition war so in der Lage, mehr direkte Treffer gegen IS-Stellungen in Kobane zu landen.» Einen YPG-Vorstoss in das vom IS besetzte Stadtviertel Kani Araban im Osten hatte die Allianz am Sonntagmorgen mit sechs Luftschlägen im Raum Kobane unterstützt.

Erneute Selbstmordanschläge im Irak

Im Irak starben nur einen Tag nach der Komplettierung der Regierung bei einem Selbstmordanschlag nahe Tikrit elf Menschen. Bei einem Selbstmordattentat in einer vor allem von Schiiten bewohnten Gegend von Bagdad starben 21 Menschen. Wie der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, wurden 25 Menschen verletzt. Am Sonntag bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Das irakische Parlament bestätigte am Samstag Khaled al-Obeidi als Verteidigungsminister und Mohammed al-Ghaban als Innenminister. Die Bundesregierung und die USA begrüssten die Komplettierung der Regierung als wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Stabilität. Der seit Anfang September amtierende Ministerpräsident Haider al-Abadi hatte die beiden sicherheitsrelevanten Posten zunächst wegen Streitigkeiten im Parlament nicht besetzt. Der Machtkampf in Bagdad hatte auch den Vormarsch des IS begünstigt, der nun im Irak wie in Syrien je ein Drittel der Landesfläche beherrscht.

sda/AP/chk

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