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USA greifen den IS erstmals in Syrien an

Mit Kampfjets, Bombern und Tomahawk-Marschflugkörpern – und mit arabischen «Partnern»: Barack Obama machte seine Ankündigung mit Angriffen auf IS-Stellungen in Syrien wahr.

Greifen nun auch Ziele in Syrien an: F/A-18 Super Hornets der US-Luftwaffe. (Bild: US Navy)
Greifen nun auch Ziele in Syrien an: F/A-18 Super Hornets der US-Luftwaffe. (Bild: US Navy)

Die USA führen den Kampf gegen die Sunnitenmiliz Islamischer Staat (IS) nun auch in Syrien. Gemeinsam mit nicht näher genannten Verbündeten haben die USA nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums am Montag erste Angriffe gegen die Terrorgruppe in Syrien geflogen. Die Ziele seien mit Kampfjets, Bombern und Tomahawk-Marschflugkörpern beschossen worden, teilte Pentagonsprecher John Kirby mit.

Die Offensive habe am frühen Dienstagmorgen gegen 02:30 Uhr (MESZ) begonnen, teilten US-Regierungsvertreter mit. Demnach waren Bahrain, Katar, Saudiarabien, Jordanien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate daran beteiligt. Die erste Serie von Luftangriffen habe 90 Minuten gedauert. Die Operation sollte allerdings mehrere Stunden andauern, sagte einer der Gewährsleute. Die arabischen Koalitionspartner seien «volle Teilnehmer», zitierte die «Washington Post» einen namentlich nicht genannten Angehörigen des Militärs.

Pentagon-Sprecher Kirby nannte hingegen keine Details, da die Länder selbst entscheiden müssten, inwieweit sie ihre Rolle öffentlich machen wollten. Zuletzt hatte US-Aussenminister John Kerry versucht, Staaten im arabischen Raum für Angriffe gegen IS an der Seite der USA zu gewinnen.

Syriens Regierung ist nach eigenen Angaben vor dem Beginn der Luftangriffe in ihrem Land von Washington informiert worden. Die Vereinigten Staaten hätten den syrischen UN-Botschafter vorab ins Bild gesetzt, erklärte das Aussenministerium in Damaskus heute in einer vom Staatsfernsehen verbreiteten Stellungnahme.

IS-Hochburg als Ziel

Bewohner der Stadt Al-Rakka im Nordosten des Landes berichteten auf Twitter von schweren Explosionen und wiederholten Überflügen von Militärflugzeugen. Al-Rakka ist eine Hochburg der selbst ernannten Jihadisten. Die «New York Times» zitierte US-Regierungsbeamte, denen zufolge sich die Attacken auf IS-Stellungen in der Provinz Raka konzentrierten. Weitere Ziele seien entlang der syrisch-irakischen Grenze angegriffen worden.

Auch CNN berichtete, dass Ziele in Al-Rakka attackiert worden seien. Mit von See aus abgeschossenen Tomahawk-Marschflugkörpern habe der Angriff begonnen und sei dann mit Flugzeugen fortgesetzt worden, sagte ein hochrangiger Angehöriger des Militärs dem Sender.

Zur genauen Zahl und dem Ort der Angriffe machte das Pentagon dagegen keine Angaben. «Da es sich um laufende Operationen handelt, sind wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht in der Lage, weitere Details zu liefern», sagte Kirby. Das Pentagon werde zu einem späteren Zeitpunkt aber soweit angemessen mehr Informationen veröffentlichen. Reuters berichtete unter Berufung auf einen Regierungsvertreter, dass womöglich rund 20 Ziele in Syrien angegriffen würden.

IS-Hauptquartiere getroffen

Laut US-Militärangehörigen, auf die sich CNN stützt, wolle man mit diesem ersten Schlag die Kapazitäten des IS in den Bereichen Führung, Nachschub und Ausbildung einschränken. Bei den meisten Zielen handle es sich um «harte Ziele» wie Gebäude. Aus Quellen der syrischen Opposition verlautete, ein Postgebäude, ein Rekrutierungszentrum und ein Haus auf dem Gelände des Gouverneurs seien unter den in Al-Raqqa zerstörten Einrichtungen. Laut einer Mediengruppe mit dem Namen «Rakka wird in aller Stille geschlachtet» wurden Gebäude ins Visier genommen, die der IS-Miliz als Hauptquartiere gedient hatten. Dazu gehörte demnach die sogenannte Brigade 93, eine syrische Armeebasis, die jüngst von den Jihadisten eingenommen worden war.

Bei weiteren Luftangriffen in der Provinz Rakka wurden den Angaben zufolge die Städte Tabka und Tel Abjad getroffen. Die Informationen konnten nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Koalition unter Führung der USA schlägt zu: In einem Video sind angeblich Explosionen der jüngsten Angriffe gegen IS in Syrien zu sehen. (Video: Youtube/Step Agency News)

Ankündigung vor zwei Wochen

Die Entscheidung für die Angriffe sei von US-Präsident Barack Obama als Oberbefehlshaber der Streitkräfte gekommen. Dieser habe den Kommandanten des US-Zentralkommandos in Tampa (Florida) autorisiert, die Angriffe in Syrien zu beginnen.

Die USA hatten seit Anfang August fast 200 Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen und vor zwei Wochen eine Ausweitung der Bombardements auf Syrien angekündigt. «Wir werden den IS schwächen und schliesslich zerstören», versprach Obama damals in einer Rede an die Nation. Den IS bezeichnete er als «Krebsgeschwür» und Gefahr für «Amerika und unsere Verbündeten».

Später reagierte Washington auch unbeeindruckt auf eine von der Regierung in Damaskus ausgegebene Warnung, dass jeder Angriff gegen IS-Stellungen auf syrischem Territorium ohne ihre vorherige Zustimmung als Attacke auf den syrischen Staat gewertet würde.

130'000 Flüchtlinge «in der Falle»

Die Vereinigten Staaten hatten in den vergangenen Tagen und Wochen eine Koalition aus mehr als 50 Ländern gegen den IS geschmiedet, der inzwischen weite Teile Syriens und des Irak erobert hat. Zuletzt waren die Jihadisten auf eine strategisch wichtige Stadt an der Grenze zur Türkei vorgerückt und hatten 130'000 verängstigte Flüchtlinge ins Nachbarland getrieben. Kurdische Kämpfer verstärkten daraufhin ihre Gegenattacken und konnten Aktivisten zufolge die Offensive der Islamisten bremsen.

Die Syrische Nationale Koalition hatte am Montag zu sofortigen Luftangriffen gegen den IS aufgerufen, um eine «Katastrophe» im Norden des Bürgerkriegslandes abzuwenden. Hunderttausende Zivilisten sässen dort «wegen der brutalen Belagerung durch den IS in der Falle», sagte ein Anführer des grösstes syrischen Oppositionsbündnisses im Exil. Die Jihadisten hätten bereits 300 Dörfer überfallen und «eine gewaltige humanitäre Krise ausgelöst».

IS ruft zur Tötung von Westlern auf

Ebenfalls am Montag hatte die IS-Miliz ihre Anhänger aufgerufen, Bürger aller Staaten zu töten, die sich der internationalen Koalition gegen sie angeschlossen haben. In der Drohung wurden insbesondere Franzosen und US-Bürger als Ziel genannt. Der Mordaufruf wurde auf Arabisch sowie in englischen, französischen und hebräischen Übersetzungen veröffentlicht. Die Erklärung richtete sich gezielt an Einzeltäter, wobei verschiedene Möglichkeiten aufgelistet wurden, «Ungläubige» ohne grossen logistischen Aufwand zu töten.

Der IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani wandte sich in dem Aufruf direkt an die US-Regierung. «Der Kampf kann nicht aus der Luft entschieden werden», erklärte er. Obama werde sein Versprechen, keine Bodentruppen einzusetzen, nicht einhalten können. Die US-Armee werde vielmehr in einen Krieg gezogen, der zum «Tod» und zur «Zerstörung» der Vereinigten Staaten führen werde.

SDA/chk/rub

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