Zum Hauptinhalt springen

Moskau macht Syrien für Luftangriff verantwortlich

In Syrien ist vermutlich erneut Giftgas eingesetzt worden. Der Angriff fordert über 70 Leben, darunter 20 Kinder. Uneinigkeit herrscht darüber, wem die Giftstoffe gehörten.

«Wir haben keine Chemiewaffen»: Bashar al-Assad während eines Interviews in Damaskus. (3. April 2017)
«Wir haben keine Chemiewaffen»: Bashar al-Assad während eines Interviews in Damaskus. (3. April 2017)
EPA
Trump greift Assad an: Eine Rakete des Typs Tomahawk wird vom US-Zerstörer USS Ross abgefeuert. (7. April 2017)
Trump greift Assad an: Eine Rakete des Typs Tomahawk wird vom US-Zerstörer USS Ross abgefeuert. (7. April 2017)
US Navy, AFP
Das Elend in Syrien – die Bevölkerung leidet unter den Bürgerkriegswirren.
Das Elend in Syrien – die Bevölkerung leidet unter den Bürgerkriegswirren.
Keystone
1 / 24

Russland hat die syrischen Regierungstruppen für den Luftangriff auf die Stadt Chan Scheichun im Nordwesten des Landes verantwortlich gemacht. Die syrische Luftwaffe habe ein Lager der Rebellen mit Giftstoffen getroffen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch mit. Aus «objektiven Daten» der russischen Luftraumkontrolle gehe hervor, dass ein «grosses Lager von Terroristen» in der Nähe der Stadt bombardiert worden sei. Dort seien «Giftstoffe» gelagert worden.

Die USA wie auch die syrischen Rebellen machen derweil den syrischen Machthaber Bashar al-Assad direkt für den Giftgas-Einsatz verantwortlich. Der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Sean Spicer, sagte, seine Regierung sei «überzeugt» davon, dass Assad für diese «verwerfliche Tat» verantwortlich sei. Auch Frankreich und Grossbritannien vermuteten die syrischen Regierungstruppen hinter dem Angriff. Die syrische Armee wies zuvor jegliche Verantwortung «kategorisch» zurück. Sie habe niemals Giftgas eingesetzt und werde dies auch künftig nicht tun.

Nach UN-Untersuchungen haben im Syrien-Konflikt sowohl die Regierung als auch die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bereits Giftgas eingesetzt. Moskau unterstützt die Assad-Regierung militärisch im Kampf gegen die Aufständischen.

Neue Opferzahlen

Der mutmassliche Giftgas-Angriff in der nordwestlichen Provinz Idlib hatte am Dienstag international für Entsetzen gesorgt. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte, stieg die Zahl der Todesopfer inzwischen auf mindestens 72. Unter den Toten sind demnach 20 Kinder und 17 Frauen. Bislang war von 58 Toten die Rede gewesen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle gibt es auch noch Vermisste. Sie vermutet daher, dass die Opferzahl weiter steigen könnte.

Die Beobachtungsstelle, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen. Die Verletzten zeigten nach Angaben der Beobachtungsstelle sowie von Ärzten vor Ort typische Symptome von Giftgas-Opfern wie Atemnot, Ohnmachtsanfälle, Übelkeit und Schaum vor dem Mund.

Westen verlangt Untersuchung der UNO

Der Westen erhöht derweil den Druck auf den syrischen Machthaber Bashar al-Assad. Grossbritannien, Frankreich und die USA haben dem UNO-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt. Darin verurteilen sie den Vorfall.

Laut dem UNO-Text soll die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) schnellstmöglich ihre Befunde zu dem Angriff vorlegen, wie die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag berichtet.

Burkhalter fordert mehr humanitäre Hilfe für Syrien

Auch Bundesrat Didier Burkhalter hat an seiner Rede an der internationalen Syrien-Konferenz alle Partien dazu aufgerufen, sich am Friedensprozess für Syrien zu beteiligen. Die Schweiz wolle wie die anderen Staaten dem Krieg in Syrien die Stirne bieten, sagte er gemäss Redetext am Mittwoch in Brüssel. Denn die Zivilbevölkerung sei immer das erste Opfer, sagte der Schweizer Aussenminister mit Blick auf die neusten Informationen über den Einsatz von chemischen Waffen. Dies sei abscheulich. «Die Schweiz verurteilt mit grösster Entschiedenheit der Einsatz von chemischen Waffen und fordert die Aufklärung dieses Angriffs.»

Um Frieden in Syrien zu schaffen, müssten sich alle beteiligten dialogbereit zeigen und breit sein, gemeinsam eine Lösung zu finden. Dazu sollten die Konfliktparteien aufhören, weiterhin Maximalforderungen zu stellen, sagte Burkhalter weiter. «Der gemeinsame Wille, die syrische Krise zu beenden, muss aber auf politischer Ebene genau so stark sein wie im humanitären Bereich.» Burkhalter erwähnt hierbei drei Prioritäten, bei denen die Schweiz mitwirkt.

Dazu zählen die Bemühungen der Vereinten Nationen (UNO) unter anderem bei den Genfer Friedensgesprächen, die Schaffung weiterer Dialogmöglichkeiten für Organisationen der syrischen Zivilgesellschaft wie etwa der «Civil Society Support Room» und der neue UNO-Mechanismus zur regelmässigen Überprüfung der Menschenrechtslage in Syrien.

Weitere humanitäre Hilfe

«Solange jedoch die politischen Anstrengungen nicht zu Frieden führen, muss die humanitäre Hilfe weitergeführt und ausgebaut werden.» Denn humanitäre Hilfe sei weiter gefasst als Nothilfe und würde helfen, Perspektiven für die Menschen zu schaffen. Laut Burkhalter hat die Schweiz bis Ende 2016 250 Millionen Franken eingesetzt, um die humanitären Folgen des bewaffneten Konflikts zu mildern. In diesem Jahr stellt sie weitere 66 Millionen Franken zur Verfügung sowie 7,5 Millionen Franken zur Friedensförderung.

In Syrien setzt sich die Schweiz dafür ein, dass der Zugang zu besonders verletzlichen Menschen verbessert wird. «Wir verlangen von den Konfliktparteien inständig, dass sie den Schutz der zivilen Infrastruktur sowie die Arbeit humanitärer Akteure garantieren.» Sie engagiere sich zudem im Wiederaufbau von ziviler Infrastruktur sowie medizinischen Zentren.

sda/afp/chk/mch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch