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UNO-Bericht listet Syriens Gräueltaten auf

Die Sanktionen der Arabischen Liga haben die Gewalt in Syrien zusätzlich angeheizt. Dutzende Assad-Gegner wurden verhaftet, Heckenschützen bringen sich in Position. Die UNO schreckt mit einem Bericht auf.

Nur wenige Bilder der Ausschreitungen erreichen den Westen: diese Aufnahme des Fernsehsenders Ugarit News soll einen brennenden Panzer in Daraa zeigen. (15. November)
Nur wenige Bilder der Ausschreitungen erreichen den Westen: diese Aufnahme des Fernsehsenders Ugarit News soll einen brennenden Panzer in Daraa zeigen. (15. November)
Keystone

Bei Gewalteinsätzen gegen das eigene Volk hat das syrische Regime laut einer unabhängigen Untersuchungskommission schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Die vom UNO-Menschenrechtsrat berufene Kommission stellte in Genf ihren Bericht vor.

Darin listete sie Verbrechen auf wie Massenhinrichtungen, willkürliche Verhaftungen, Zwangsvertreibungen, Folter und sexuelle Gewalt. Militär und Sicherheitskräfte wurden auch der Verletzung der Rechte von Kindern beschuldigt.

Seit Beginn der Demonstrationen gegen die Herrschaft von Präsident Bashar al-Assad im März wurden gemäss dem Bericht mindestens 256 Kinder von Regierungstruppen getötet. Einige Jungen seien sexuell gefoltert worden, berichtete die Kommission.

Soldaten schossen demnach wahllos auf Demonstranten, während Scharfschützen gezielt auf Oberkörper und Köpfe schossen. Nach UNO-Schätzungen wurden in dem Konflikt in Syrien insgesamt über 3500 Menschen getötet.

Einreise verwehrt

Die Kommissionsmitglieder riefen bei der Vorlage ihres Berichtes die UNO und den Sicherheitsrat auf, sich energisch für «eine sofortige Beendigung schwerer Verletzungen der Menschenrechte» in Syrien stark zu machen. Alle Vorwürfe müssten eingehend untersucht und mutmassliche Täter zur Verantwortung gezogen werden.

Die im August einberufene Kommission unter Leitung des Brasilianers Paulo Sérgio Pinheiro beklagte, dass die Regierung in Damaskus ihr trotz wiederholter Appelle die Erlaubnis zur Einreise nach Syrien versagte.

Daher stützen sich die in dem 22-seitigen Bericht erhobenen Anschuldigungen gegen das Assad-Regime grossteils auf Angaben von Zeugen und Gewaltopfer, die ausserhalb Syriens befragt wurden.

Dazu gehörten auch Überläufer, die nach eigenen Angaben als Mitglieder der Sicherheitskräfte zur Niederschlagung von Protesten eingesetzt waren. Sie hätten von klaren Befehlen «zu schiessen und zu töten» berichtet, heisst es in dem Dokument.

Auch Kinder

Einer der 223 befragten Zeugen wird mit Angaben über ein Massaker unter friedlichen Demonstranten in der Ortschaft Telbisa im Mai zitiert: «Die Demonstranten forderten Freiheit. Sie trugen Olivenzweige und marschierten mit ihren Kindern. Wir hatten Befehl, die Menge aufzulösen oder jeden zu eliminieren, auch Kinder. (...) Wir benutzten Maschinengewehre und andere Waffen. Viele Menschen lagen am Boden, verletzt oder getötet.»

Mehrere Überläufer berichteten der Kommission, dass Kameraden getötet worden seien, weil sie sich weigerten, auf Zivilisten zu schiessen. In der Ortschaft Sayda, hiess es weiter, seien sogar Kinder zu Tode gefoltert worden - unter ihnen ein 14- und 13- Jähriger. Mehrere Zeugen berichteten von sexueller Folter an männlichen Gefangenen.

Lage verschärft sich nach Sanktionen

Der Beschluss der arabischen Staaten, die Gewalt der syrischen Regierung gegen Zivilisten mit Sanktionen zu bestrafen, hat die Lage in dem von blutigen Unruhen erschütterten Land zusätzlich verstärkt. Heute gingen in Damaskus und Aleppo Tausende Anhänger des Regimes auf die Strasse, um ihren Protest gegen die Sanktionen auszudrücken.

Im Zentrum der Hauptstadt feierten sie Staatschef Bashar al-Assad mit syrischen Fahnen und patriotischen Liedern. In der Provinz Damaskus-Land wurden heute nach Angaben von Aktivisten Dutzende mutmasslicher Regimegegner festgenommen.

19 von 22 sagten Ja

Gleichzeitig seien Heckenschützen in mehreren Dörfern postiert worden, hiess es. In der Stadt Latakia seien neun Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren aus ihren Häusern verschleppt worden. Am Vortag hatten die Sicherheitskräfte den Angaben zufolge landesweit 36 Menschen getötet.

Am Sonntag hatten in Kairo 19 der insgesamt 22 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga für einschneidende Wirtschaftssanktionen gegen Syrien gestimmt. Damit soll der Druck auf Präsident Bashar al-Assad erhöht werden, der seit März mit brutalen Massnahmen gegen Oppositionelle vorgeht.

Reaktion blieb aus

Einzig Libanon und der Irak hatten den Sanktionen nicht zugestimmt. Ein Regierungsbeamter in Damaskus sagte heute: «Diese Sanktionen werden das syrische Volk treffen und nicht das Regime.» Eine Reaktion der syrischen Führung blieb bislang aus.

SDA/wid/miw

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