Trump löst dem Iran die Fesseln

Der Ausstieg der USA aus dem Atom-Deal könnte den Iran stärken. Auch Trump und Netanyahu profitieren.

Trump kündigt Atomabkommen mit dem Iran: In seiner Rede kritisierte er die Regierung in Teheran scharf. (Video: AP/Tamedia)

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Der US-Präsident und sein israelischer Freund, Premier Benjamin Netanyahu, haben recht: Der Iran ist mehr denn je ein Brandbeschleuniger im Nahen Osten. Teheran hat das Vakuum genutzt, das durch den Irak-Krieg und den arabischen Frühling entstanden ist.

Heute können die Republikanischen Garden in Teheran einen Lastwagen besteigen und bis zur israelischen Grenze durchfahren. Iranische Truppen und alliierte schiitische Milizen wie die libanesische Hizbollah kämpfen in Syrien und im Irak, auch im Jemen mischen sie mit. Daneben treibt Teheran sein Raketenprogramm und die Aktivitäten im Cyberspace voran.

Eine Gefahr jedoch, die vom Iran ausging, konnte eingedämmt werden, nämlich jene, dass der Gottesstaat eine Atombombe entwickelt. Der Atom-Deal von 2015 war zwar eng gefasst und hatte Schwächen. Aber er hat funktioniert – der Iran hielt sich an die Abmachungen. Das haben nicht nur die Inspektoren der Atomenergiebehörde IAEA bestätigt, sondern – in wohltuender Abgrenzung zu Netanyahu – auch der israelische Generalstabschef Gadi Eizenkot.

Die Gefahr, dass der Iran die Bombe baut, nimmt wieder zu

Donald Trump hat es nun fertig gebracht, diese einzige Fessel zu lösen, die dem Iran nach zähen Verhandlungen angelegt werden konnte. Die Gefahr, dass der Iran die Bombe baut, nimmt wieder zu – und damit der Einfluss der potenziellen Atommacht.

Wer nun auf eine militärische Lösung verweist, sollte bedenken, dass ein israelischer Luftschlag auf die Nukleareinrichtungen das Atomprogramm um einige Monate zurückwerfen könnte, ein US-Angriff allenfalls zwei bis drei Jahre. Dagegen hat der Atomdeal die Entwicklung der Bombe um 12 bis 14 Jahre verzögert.

Konfrontation kommt den drei Falken nicht ungelegen

Deshalb dürften Irans Hardliner um den religiösen Führer Ali Khamenei Trump dankbar sein. Ihr Misstrauen gegenüber dem vom moderaten Präsidenten Rohani geförderten Deal hat sich bestätigt.

Khamenei kommt zudem entgegen, dass die alten Feindbilder Israel und USA restauriert werden, da er sich innenpolitisch zunehmender Kritik ausgesetzt sieht. Ganz ähnlich geht es Trump (Russland-Affäre) und Netanyahu (Korruptionsvorwürfe) – eine Iran-Krise käme den drei Falken nicht ungelegen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2018, 20:48 Uhr

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