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Syrische Milizen warfen offenbar Kinderleichen in den Müll

Ein weiterer ranghoher Offizier hat Präsident Assad die Gefolgschaft gekündigt und sich auf die Seite der Opposition geschlagen. Gleichzeitig berichten Regierungsgegner von neuen Gräueltaten.

In den Reihen der syrischen Armee rumort es: Ein ausgebrannter Panzer der Regierungstruppen in einer Strasse in Aleppo.
In den Reihen der syrischen Armee rumort es: Ein ausgebrannter Panzer der Regierungstruppen in einer Strasse in Aleppo.
AFP

Syrische Regierungsgegner haben am Mittwoch eine Reihe von Videoaufnahmen veröffentlicht, die Gräueltaten staatlicher Milizen nahe der Hauptstadt Damaskus belegen sollen. Die Aufnahmen aus der Stadt Duma zeigen verstümmelte Leichen und abgetrennte Körperteile - offenbar auch von Kindern.

«Das sind Teile unserer Kinder, die wir aus dem Müll geholt haben», sagte ein Mann in einer der Filmaufnahmen, während er eine Mülltonne umstülpte und ihren Inhalt durchsuchte. «Wir haben diese Körperteile gefunden und suchen immer noch nach weiteren. Das sind verbrannte Körperteile von Menschen.» Darunter seien auch männliche Geschlechtsorgane, die Mitglieder der berüchtigten Shabiha-Miliz ihren Opfern abgetrennt hätten.

Staatssender erwähnt keine Gräueltaten

Die staatliche und somit regierungsnahe Nachrichtenagentur Sana zeichnete in einem Korrespondentenbericht aus Duma dagegen ein vollkommen anderes Bild aus dem Ort, der als Hochburg der Regierungsgegner gilt. So hätten die meisten Bewohner die Stadt rund 15 Kilometer nördlich von Damaskus verlassen, um vor «den Terroristen» zu fliehen.

Die Behörden würden mit Hochdruck daran arbeiten, dass das Spital nach den Angriffen wieder wie gewohnt seine Notfalldienste ausüben könne. Von Gräueltaten oder Toten war in dem Sana-Bericht keine Rede. Die widersprüchlichen Angaben konnten nicht überprüft werden, da die Regierung eine freie Berichterstattung unterbindet.

General übergelaufen

In Syrien hat ein weiterer General die Seiten gewechselt. Der Kommandant einer Pionier-Division habe sich in die Türkei abgesetzt, teilte die Freie Syrische Armee (FSA) mit. Damit haben bisher 16 hohe Offiziere Präsident Bashar al- Assad die Gefolgschaft aufgekündigt.

Die Türkei gewährt etwa 250 Offizieren aus Syrien Asyl, die zur FSA übergelaufen sind. Ein Vertreter der vornehmlich aus Deserteuren gebildeten FSA sagte, die Zahl der überlaufenden Offiziere nehme von Tag zu Tag zu. Anders könnten sie eine Verwicklung in das gewaltsame Vorgehen Assads gegen Aufständische nicht vermeiden.

UNO-Chefbeobachter kritisiert Treffen in «schönen Hotels»

Der Leiter der ausgesetzten UNO- Beobachtermission in Syrien, Robert Mood, hat die internationale Gemeinschaft für ihre «angenehmen Treffen» kritisiert. Er forderte stattdessen mehr Engagement direkt vor Ort. «Ich habe das Gefühl, dass es zu viele Diskussionen in schönen Hotels und angenehmen Runden gibt und zu wenig dafür getan wird, um voranzukommen und die Gewalt zu stoppen», sagte der norwegische General in Damaskus. Für die im Konflikt involvierten Parteien sei es noch immer «das Wichtigste, dass die Gewalt endlich aufhört».

Die 300-köpfige UNO-Beobachtermission war Mitte Juni wegen der eskalierenden Gewalt in Syrien unterbrochen worden. Teils wurden die Beobachter selbst beschossen, weshalb Mood den Einsatz schliesslich auf Eis legte.

In Genf war am Samstag ein internationaler Plan erarbeitet worden, der eine Übergangsregierung in Syrien vorsieht. Am Freitag findet in Paris die Konferenz der Freunde Syriens statt. Der Gruppe gehören neben führenden europäischen Staaten und den USA auch mehrere arabische Länder an.

SDA/kpn

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