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Syrer jagen Deserteur auf türkischem Boden

Das Regime von Bashar al-Assad ist offenbar äusserst brutal gegen Protestierende und Fahnenflüchtige vorgegangen. 16 Menschen starben – darunter ein Kind. Aktivisten haben neue Demonstrationen angekündigt.

Um Proteste von Regimegegnern in der syrischen Stadt Rastan zu verhindern, haben Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten Moscheen abgeriegelt. Zahlreiche Sicherheitsbeamte seien um die Gotteshäuser herum stationiert worden, erklärten der Aktivist Mustafa Osso und die örtlichen Koordinationskomitees.

Die Opposition hat als Zeichen der Unterstützung des in Istanbul frisch gegründeten Nationalrats zu Protesten nach dem Freitagsgebet in Rastan aufgerufen. Der Nationalrat vereint Kräfte der Opposition. Die syrischen Streitkräfte eroberten Rastan in der vergangenen Woche nach fünftägigen Kämpfen von Deserteuren zurück.

«Der Nationalrat vertritt mich»

Die Protestbewegung in Syrien lässt sich auch vom Scheitern der Resolution im Weltsicherheitsrat nicht entmutigen. Beobachter rechnen mit einer weiteren Eskalation der Gewalt. Für heute hatten Aktivisten zu Massendemonstrationen unter dem Motto «Der Nationalrat vertritt mich» aufgerufen.

Die Regierungstruppen gehen weiter mit äusserster Brutalität gegen die Regimegegner vor. Nach Angaben der Protestbewegung wurde in der Ortschaft al-Kusair in der Provinz Homs ein Kind erschossen, seine Mutter wurde verletzt. Am Donnerstag wurden den Angaben zufolge 16 Menschen getötet, die meisten in der Provinz Idlib.

Syrer drangen in die Türkei vor

Die Zeitung «al-Sharq al-Awsat» meldete, ein Bruder des im Juni desertierten Offiziers Hussein Harmusch sei auf türkischem Boden an der Grenze von syrischen Soldaten gefangen genommen worden. Walid Harmusch habe versucht, die Ehefrau und die Kinder eines älteren Bruders in die Türkei zu bringen, als er von den Soldaten gefasst worden sei, hiess es.

Die Soldaten hätten sich erst wieder nach Syrien zurückgezogen, nachdem ein türkischer Bauer die Sicherheitskräfte alarmiert habe, berichtete ein anderes Mitglied der Familie der Zeitung. Am Donnerstag hatten syrische Soldaten im Grenzgebiet zum Libanon einen libanesischen Bauern erschossen.

In Falle gelockt

Hussein Harmusch, der sich nach seiner Fahnenflucht öffentlich erklärt hatte, war Anfang September aus einem türkischen Flüchtlingslager verschwunden und zwei Wochen später im syrischen Staatsfernsehen vorgeführt worden.

Die Protestbewegung vermutet, dass er in eine Falle gelockt und verschleppt wurde. Laut «al-Sharq al-Awsat» ist Hassan Harmusch, ein weiterer Bruder des Offiziers, seit drei Monaten verschwunden.

Das Regime von Präsident Bashar al-Assad bezeichnet die Protestbewegung als «bewaffnete terroristische Banden». Oppositionelle hatten am vergangenen Wochenende in Istanbul einen 140-köpfigen Nationalrat gegründet, mit dem Ziel, gemeinsam mit den Demonstranten Assad zu stürzen.

SDA/miw

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