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Sie versteckte sich zwei Tage im Schrank

Eine Studentin hat das Massaker in Kenia überlebt. Präsident Kenyatta kündigt eine harte Reaktion auf den Terrorangriff an.

War völlig verängstigt und dehydriert: Die 19-jährige Studentin Cynthia Cheroitich im Spital. (4. April 2015)
War völlig verängstigt und dehydriert: Die 19-jährige Studentin Cynthia Cheroitich im Spital. (4. April 2015)
AP

Zwei Tage nach dem Massaker an der Universität im kenianischen Garissa ist eine Überlebende gefunden worden. Die 19-Jährige habe sich seit dem Überfall der somalischen Shabaab-Miliz in einem Schrank versteckt gehalten, sagte eine Sprecherin des kenianischen Roten Kreuzes am Samstag. Sie sei dehydriert und werde im Spital untersucht.

Die Studentin sei völlig verängstigt gewesen, berichtete ein Polizeisprecher. Erst als ein ihr bekannter Dozent ihr versichert habe, dass die Polizisten in dem Universitätsgebäude keine Angreifer seien, habe sie ihr Versteck verlassen.

Harte Reaktion

Derweil kündigte Präsident Uhuru Kenyatta eine harte Reaktion an nach dem Massaker mit 148 Toten.

«Meine Regierung wird auf die härtestmögliche Weise auf den Angriff und jeden anderen Angriff auf uns reagieren», sagte Kenyatta am Samstag in seiner ersten Ansprache seit dem Anschlag am Donnerstagmorgen und rief drei Tage Staatstrauer aus.

«Die volle Gewalt des Gesetzes»: Präsident Uhuru Kenyatta mit seinem Stellvertreter William Ruto bei seiner ersten Ansprache nach dem Anschlag. (AFP; 4. April 2015)
«Die volle Gewalt des Gesetzes»: Präsident Uhuru Kenyatta mit seinem Stellvertreter William Ruto bei seiner ersten Ansprache nach dem Anschlag. (AFP; 4. April 2015)

Die Drohungen von Al-Shabaab wies er zurück, warnte aber, die «Planer und Finanziers dieser Brutalität» seien «tief verwurzelt in unseren Gemeinden». In den Koranschulen würden «skrupellose» Prediger offen junge Männer radikalisieren. Die Extremisten würden «die volle Gewalt des Gesetzes» zu spüren bekommen, drohte Kenyatta.

Die militanten Islamisten von Al-Shabaab kündigten ihrerseits weitere Anschläge an. «Die Strassen Kenias werden rot sein mit Blut», heisst es in einer Erklärung, die im Kurzmitteilungsdienst Twitter verbreitet wurde. Solange die Kenianer die gewaltsame Politik ihrer Regierung und die Unterdrückung der Muslime unterstützten, würden sie den Preis dafür bezahlen.

Christen abschlachten

Die somalische Shabaab-Miliz hatte sich zum Angriff bekannt. Mindestens vier Bewaffnete hatten vor Morgengrauen das Universitätsgelände in Garissa etwa 350 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Nairobi gestürmt und mit Handgranaten und Maschinenpistolen Dutzende Studenten getötet, bevor sie weitere als Geiseln nahmen.

Muslimische Studenten wurden freigelassen, Christen wurden systematisch exekutiert. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit stürmten kenianische Soldaten schliesslich das Wohnheim. Die vier Angreifer sprengten sich selbst in die Luft.

Die Sicherheitskräfte in Kenia nahmen inzwischen fünf Verdächtige fest, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag sagte. Zwei Verdächtige seien in der Nähe des Tatorts festgenommen worden.

Einer von ihnen stamme aus Tansania. Er hatte Granaten bei sich. Bei dem anderen Festgenommenen handelt es sich um einen Sicherheitsmann der Universität. Er soll den Angreifern geholfen haben. Drei weitere Verdächtige wurden auf der Flucht in Richtung Somalia gefasst.

Kopfgeld auf Drahtzieher

Die Regierung setzte ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet gut 200'000 Franken auf die Ergreifung des Shabaab-Kommandanten Mohammed Mohamud aus, der als Drahtzieher des Anschlags gilt. Der frühere kenianische Lehrer wird in Somalia vermutet.

Belohnung: Behörden bezahlen für die Ergreifung von Mohammed Mohamud mehr als 200'000 Franken. (Foto: AFP)
Belohnung: Behörden bezahlen für die Ergreifung von Mohammed Mohamud mehr als 200'000 Franken. (Foto: AFP)

Die Shabaab-Miliz wollte mit dem Massaker - dem schwersten Anschlag in Kenia seit dem Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi 1998 - den Abzug der kenianischen Truppen aus Somalia erzwingen. Diese hatten 2011 den Süden des Landes besetzt und sind bis heute an der Militärmission der Afrikanischen Union beteiligt.

Die Shabaab-Miliz verübte bereits mehrere blutige Angriffe in Kenia, darunter auf ein Einkaufszentrum in Nairobi mit 67 Toten im September 2013. Al-Shabaab wirft der kenianischen Regierung vor, Muslime zu unterdrücken.

SDA/spu

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