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Seine Fotos sollen ihn das Leben kosten

Der als Shawkan bekannte ägyptische Fotojournalist Mohamed Abu Zeid sitzt seit fünf Jahren in Haft. Ihm droht die Todesstrafe.

Der Prozess gegen ihn wurde mehr als vierzigmal verschoben: Mohamed Abu Zeid, Fotojournalist aus Ägypten. Foto: Lobna Tarek (AP)
Der Prozess gegen ihn wurde mehr als vierzigmal verschoben: Mohamed Abu Zeid, Fotojournalist aus Ägypten. Foto: Lobna Tarek (AP)

Auf den wenigen Fotos, die im Gerichtssaal entstanden, sieht er abgemagert aus. Weil er nur ein- bis zweimal in der Woche Hofgang hat, ist er fahl und blass geworden. Am Dienstag sind es genau fünf Jahre, die der ägyptische Fotojournalist Mohamed Abu Zeid, besser bekannt als Shawkan, hinter Gittern verbracht hat – weil er seiner Arbeit nachging. Shawkan befindet sich seit der gewaltsamen Auflösung des Al-Rabaa-Sitzstreiks in einem Hochsicherheitsgefängnis am Rande von Kairo – einem «Ort, wo Träume sterben», wie er einmal in einem Brief schrieb.

Mit ihm zusammen waren ein amerikanischer und ein französischer Journalist verhaftet worden, die beide umgehend freikamen. Shawkan droht hingegen die Todesstrafe. Sein Gesundheitszustand hat sich seit Beginn der Untersuchungshaft dramatisch verschlechtert: Er leidet an Anämie und soll mehrmals gefoltert worden sein, zudem erhält er nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen keine Behandlung gegen Hepatitis C.

Der 30-Jährige wurde unter anderem wegen Mordes angeklagt. In einem politischen Massenprozess ist der Journalist einer von 739 Angeklagten, darunter ranghohe Mitglieder der Muslimbruderschaft, die an den Protesten auf dem Rabaa-al-Adawiya-Platz in Kairo beteiligt gewesen sein sollen. Die Staatsanwaltschaft fordert ihren Tod durch Erhängen. Ende Juli waren an einem Prozesstag bereits 75 Todesurteile gesprochen worden.

Über 800 Menschen kamen ums Leben

Im Juli 2013 war Mohammed Mursi, der erste gewählte Präsident Ägyptens nach der sogenannten Revolution von 2011, vom Militär entmachtet worden. In den Wochen nach dem Putsch war auf dem Platz eine Zeltstadt sowie nahe der Universität von Kairo ein kleineres Lager entstanden. Die Demonstranten hatten gefordert, dass der Führer der Muslimbrüder wieder als Präsident eingesetzt werden sollte.

Sicherheitskräfte stürmten am 14. August 2013 unter dem Befehl des heutigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi das Protestlager. Mehr als 800 Menschen kamen dabei ums Leben. Unter den Opfern waren viele Unterstützer der Muslimbruderschaft, die nach dem Sturz des Diktators Hosni Mubarak zur führenden politischen Kraft aufgestiegen war.

Seither geht Präsident al-Sisi rigoros gegen abweichende Meinungen vor: Zehntausende Anhänger der Muslimbruderschaft wurden inhaftiert, Organisationen und Parteien als «terroristische Vereinigungen» zerschlagen, Journalisten und Oppositionelle mit allen Mitteln eingeschüchtert. Das Massaker wird hingegen wohl ungesühnt bleiben. Das Parlament hat kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das es dem Präsidenten erlaubt, den beteiligten Offizieren lebenslang Immunität zu gewähren.

Dieser Massenprozess ist eine Parodie auf den Rechtsstaat. Das Regime demonstriert so seine Macht. Seit seiner Festnahme am Tag des Massakers wurde die Verhandlung im Prozess gegen Shawkan mehr als vierzigmal verschoben, zuletzt auch der Urteilsspruch. Im August 2013 fing er Sekundenbruchteile der Gewalt gegen Demonstranten in seinen Fotos ein. Sie könnten ihn das Leben kosten.

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