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Saudiarabiens König ist tot

Der beliebte Monarch Abdallah starb im Alter von 90 Jahren an einer Lungenentzündung. Nachfolger ist sein 79-jähriger Halbbruder.

Der beliebte Monarch ist tot: König Abdullah. (29. Oktober 2007)
Der beliebte Monarch ist tot: König Abdullah. (29. Oktober 2007)
Reuters
Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, doch er war bereits 80, als er den Thron bestieg: König Abdullah in London. (30. Oktober 2007)
Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, doch er war bereits 80, als er den Thron bestieg: König Abdullah in London. (30. Oktober 2007)
Reuters
Hand in Hand: Der frühere US-Präsident George W. Bush und der saudiarabische König in Texas. (23. Januar 2015)
Hand in Hand: Der frühere US-Präsident George W. Bush und der saudiarabische König in Texas. (23. Januar 2015)
Keystone
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Der saudiarabische König Abdallah ist tot. Der Palast in Riad verkündete den Tod des Monarchen in der Nacht zum Freitag «in tiefer Betroffenheit und Trauer». Demnach soll Abdallah, dessen Alter auf 90 Jahre geschätzt wurde, nach den Freitagsgebeten beerdigt werden.

Abdallah bin Abdul Aziz al-Saud war zum Jahreswechsel ins Spital eingeliefert worden. Wenige Tage später erklärte der Königspalast, der Monarch leide an einer Lungenentzündung und atme mithilfe eines Schlauchs. Am frühen Freitagmorgen um 1 Uhr sei der König gestorben, hiess es in der offiziellen Erklärung Riads. Die gesamte Familie und die Nation seien in Trauer.

Abdalahs Halbbruder Salman, der im Juni 2012 zum Kronprinzen bestimmt worden war, wurde zum neuen saudiarabischen König ernannt. Der 79-Jährige hatte den gesundheitlich angeschlagenen Abdallah schon in der jüngsten Vergangenheit mehrfach bei öffentlichen Auftritten vertreten. Neuer erster Kronprinz ist nach Angaben aus Riad nun Abdallahs jüngerer Halbbruder Mokren.

Nach der Nachricht über den Tod ihres Königs strömen die Saudis zu Tausenden auf die Strassen. (Video: Instagram/omar_fh10)

Das genaue Alter von Abdallah ist nicht bekannt. Er soll nach unterschiedlichen Angaben im August 1923 oder 1924 zur Welt gekommen sein. Erst mit über 80 Jahren hatte er im August 2005 nach dem Tod von König Fahd den Thron bestiegen.

Schon seit 1995 war er in dem Königreich aber eine einflussreiche politische Figur. Bei den Saudiarabern war der Monarch beliebt. Er trieb die saudiarabische Wirtschaft voran und führte das Land unter anderem durch die unruhigen Zeiten des Arabischen Frühlings, der in den Ländern der Region tödliche Spuren hinterliess.

Obama lobt den Verstorbenen

Im Zuge des Erstarkens der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wurde Saudiarabien zu einem noch engeren Verbündeten der USA. US-Präsident Barack Obama würdigte den verstorbenen Monarchen als «aufrichtigen» Staatsführer, der besonders bei seinem Einsatz für einen Frieden im Nahen Osten «Mut» bewiesen habe.

Im eigenen Land habe er sich für die Bildung der Menschen eingesetzt. Ihn persönlich habe eine «aufrichtige Freundschaft» mit König Abdallah verbunden, erklärte Obama. Der republikanische Senator John McCain würdigte Abdallah als «wichtige Reformstimme in Saudiarabien».

Frankreichs Staatschef François Hollande lobte Abdallahs «Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten». Das Problem sei aktueller denn je, hiess es in einer vom Elysée-Palast verbreiteten Erklärung. Darin sprach Hollande dem saudiarabischen Volk sein Mitgefühl aus und betonte die enge Freundschaft zwischen beiden Ländern.

Diese Aufnahmen zeigen den letzten öffentlichen Auftritt von König Abdallah im vergangenen Dezember. (Video: Youtube/Ali Alqarni)

Modernisierungsschritte

In dem streng religiösen Königreich unternahm Abdallah in seinen letzten Lebensjahren einige Modernisierungsschritte. So gründete er gegen den Willen einflussreicher Islam-Gelehrter 2009 die König-Abdallah-Universität (Kaust), in der Frauen und Männer gemeinsam studieren und forschen. 2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura-Rates (eine Art Parlament ohne Gesetzgebungskompetenz).

(Quelle: Reuters)

Politischen Gegnern gegenüber blieb er aber unnachgiebig: Proteste von Schiiten wurden niedergeschlagen und totgeschwiegen; Frauen, die sich dem Fahrverbot widersetzten, empfindliche Strafen angedroht. Aktuell sorgt die öffentliche Prügelstrafe für den islamkritischen Blogger Raif Badawi international für Empörung. Der Internetaktivist war zu zehn Jahren Haft und insgesamt 1000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt und den Säkularismus gerühmt haben soll.

In der Region mischte sich Saudiarabien ebenfalls in den Kampf gegen missliebige Gruppen ein. So unterstützte Riad 2013 in Ägypten den Sturz des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär. In Bahrain beteiligten sich saudische Panzer aktiv an der Niederschlagung der von Schiiten angeführten Massenproteste gegen das sunnitische Herrscherhaus. In Syrien förderte das Königshaus die Opposition im Kampf gegen die Regierung von Präsident Bashar al-Assad.

Ölpreise steigen

Nach der Nachricht vom Tod des saudiarabischen Königs Abdallah sind die Ölpreise zunächst angestiegen. Der Preis für ein Barrel US-Rohöl nahm um 88 Dollar-Cent zu und lag in der Nacht zum Freitag vorübergehend um 1,9 Prozent höher bei 47,19 Dollar. Die internationale Sorte Brent kostete mit 49,58 Dollar pro Barrel 2,1 Prozent mehr als zuvor. Es wird jedoch nicht erwartet, dass sich der fallende Kurs der Ölpreise durch den Tod des saudischen Herrschers in den nächsten Monaten grundsätzlich ändern wird.

Die Preise für Öl sind seit Juni wegen steigender Lieferungsmengen um fast 60 Prozent gesunken. Saudiarabien ist der grösste Ölproduzent innerhalb des Opec-Bündnisses und hatte zuletzt zurückgewiesen, seine Fördermengen zu senken, um gegen den Preisrückgang anzugehen. Analysten erwarten, dass der saudische Ölminister Ali al-Naimi auch nach Abdallahs Ableben in seinem Amt bleiben wird.

(SDA)

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