Sanktionen treffen offenbar Irans Gesundheitssystem

Die Sanktionen gegen den Iran haben nach Behördenangaben gravierende Folgen für die Versorgung schwer kranker Patienten. Die USA haben derweil Berichte über bilaterale Gespräche mit Teheran dementiert.

Die Sanktionen betreffen offenbar über sechs Millionen Patienten: Iranerinnen in einer Apotheke in Teheran. (21. Oktober 2012)

Die Sanktionen betreffen offenbar über sechs Millionen Patienten: Iranerinnen in einer Apotheke in Teheran. (21. Oktober 2012)

(Bild: AFP)

Die internationalen Sanktionen gegen den Iran haben nach Angaben einer Vertreterin des Gesundheitssektors negative Folgen für den iranischen Gesundheitssektor. Die im Atomstreit verhängten UN-Sanktionen beträfen Arzneien und medizinische Geräte zwar nicht direkt, das Embargo gegen iranische Banken mache deren Einfuhr aber komplizierter und teurer, zitierte die Regierungszeitung «Iran Daily» heute Fatemeh Haschemi, eine Vertreterin einer iranischen Stiftung für Schwerkranke.

Dies führe zu Engpässen bei der Behandlung von Krebs und anderen Leiden und betreffe rund sechs Millionen Patienten. «Wir spüren eine Unterversorgung insbesondere bei der Behandlung von Krebs und Multipler Sklerose», sagte Haschemi. Betroffen seien aber auch Patienten mit Blutkrankheiten und Niereninsuffizienz.

Preise für Arzneien steigen

Es ist das erste Mal, dass im Iran von offizieller Seite schwerwiegende Auswirkungen der internationalen Sanktionen auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung angeprangert werden. Bis vor kurzem bestand der offizielle Kurs darin, die Auswirkungen der Strafmassnahmen als gering darzustellen.

Vergangene Woche hatte der Vertreter eines iranischen Pharma-Unternehmens der Nachrichtenagentur Isna gesagt, in den vergangenen drei Monaten seien die Preise für im Iran hergestellte Arzneien um 15 bis 20 Prozent gestiegen und für importierte Präparate sogar um 20 bis 80 Prozent. «Wir riskieren eine Medikamenten-Krise in naher Zukunft, wenn die Führung sich nicht um das Problem kümmert», warnte Mohammed Hossein Hariri.

Knackpunkt Urananreicherung

Die Atomgespräche zwischen dem Iran und den fünf ständigen Mitgliedern des Weltsicherheitsrats und Deutschland wurden im Juni ausgesetzt. Teheran hat Bereitschaft signalisiert, auf eine höhere Anreicherung von Uran zu verzichten, wenn im Gegenzug die internationalen Sanktionen aufgehoben und das Recht des Irans auf Urananreicherung grundsätzlich anerkannt würden.

Der Westen will vor allem verhindern, dass der Iran sein Uran auf mehr als 20 Prozent anreichert. Ab diesem Reinheitsgrad lässt sich das Uran schnell zu waffenfähigem Material verarbeiten. Die USA und Israel werfen Teheran vor, heimlich die Entwicklung von Kernwaffen voranzutreiben. Der Iran hingegen erklärt stets, sein Atomprogramm diene lediglich zivilen Zwecken. Israel hat zuletzt immer wieder mögliche Pläne für ein militärisches Vorgehen gegen iranische Atomanlagen angedeutet.

Weisses Haus weist Zeitungsbericht zurück

Das Weisse Haus hat derweil einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach sich Washington und Teheran erstmals auf bilaterale Gespräche über das iranische Atomprogramm geeinigt haben sollen. «Es ist nicht wahr, dass sich die Vereinigten Staaten und der Iran auf direkte Verhandlungen oder irgendein anderes Treffen nach den amerikanischen (Präsidentschafts- und Kongress-) Wahlen verständigt haben», sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Tommy Vietor.

Die Bemühungen gingen weiter, im Rahmen der sogenannten 5 1-Gruppe, der auch Deutschland angehört, eine diplomatische Lösung zu finden, sagte Vietor weiter. Die USA hätten aber immer schon ihre Bereitschaft zu einem bilateralen Treffen mit dem Iran signalisiert.

Zuvor hatte die «New York Times» unter Berufung auf ranghohe Vertreter der US-Regierung berichtet, beide Länder hätten sich erstmals auf direkte Gespräche verständigt. Dabei hätten die iranischen Vertreter darauf bestanden, mit den Gesprächen bis nach der US-Präsidentschaftswahl am 6. November zu warten, um zu wissen, mit wem sie es künftig zu tun hätten, berichtete die Zeitung am Samstag.

Präsident Barack Obama habe klar gemacht, dass er den Iran davon abhalten werde, in den Besitz einer Atomwaffe zu gelangen, und auch bereit sei, alles dafür Notwendige zu tun, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats. Dabei obliege es Teheran, zu beweisen, dass man von dem Vorhaben ablasse. Andernfalls drohten dem Land weitere Sanktionen, sagte Vietor.

Paris: Bau iranischer Atomwaffe bis Mitte nächsten Jahres möglich

Der Iran könnte nach Aussage des französischen Aussenministers Laurent Fabius bereits bis Mitte nächsten Jahres zum Bau einer Atomwaffe in der Lage sein. Es sei auf «absolut unstrittige Weise» ermittelt worden, dass der Iran über die nötigen Zentrifugen verfüge, die das Land offenbar zum Besitz einer Atomwaffe bis Ende Juni 2013 befähigen würden, sagte Fabius heute dem Radiosender Europe-1 unter Berufung auf nicht näher identifizierte Experten. Weitere Angaben machte er nicht.

ses/AFP/sda/dapd

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