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Ramadan endet mit blutigen Anschlägen

Extremisten töteten in der Türkei, in Bangladesh und im Irak hunderte unschuldiger Menschen. Experten sehen eine neue Dimension der Gewalt.

Terror der Türkei: Am 28.Juni schossen drei Attentäter am internationalen Flughafen Atatürk in Istanbul um sich und sprengten sich anschliessend in die Luft.
Terror der Türkei: Am 28.Juni schossen drei Attentäter am internationalen Flughafen Atatürk in Istanbul um sich und sprengten sich anschliessend in die Luft.
Ozan Kose, AFP
45 Menschen starben, fast 240 wurden verletzt.
45 Menschen starben, fast 240 wurden verletzt.
Ozan Kose, AFP
Am Anschlagsort waren zahlreiche Helfer im Einsatz: Feuerwehrleute löschen den Brand, der sich durch die Detonation entzündet hat.
Am Anschlagsort waren zahlreiche Helfer im Einsatz: Feuerwehrleute löschen den Brand, der sich durch die Detonation entzündet hat.
Hadi Mizban, Keystone
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Innert wenigen Tagen starben bei von Extremisten verübten bewaffneten Überfällen und Bombenanschlägen in Bagdad, Dhaka und Istanbul hunderte unschuldiger Menschen. Die Gewalt scheint laut Experten kurz vor dem Ende des Ramadan eine neue Dimension angenommen zu haben.

Der jüngste Anschlag auf ein belebtes Geschäftsviertel in Bagdad forderte mindestens 119 Todesopfer, 187 Menschen wurden verletzt. Dort explodierte in der Nacht auf Sonntag eine Autobombe – genau zu jener Zeit als massenhaft Menschen unterwegs waren, um das abendliche Fastenbrechen zu feiern.

Das Risiko von Terroranschlägen ist im Irak sehr hoch, praktisch täglich sterben Menschen bei Bombenanschlägen. Doch der Anschlag, für den der IS die Verantwortung übernommen hat, ist einer der schlimmsten der letzten Jahre. Laut dem auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierten US-Unternehmen Site, erklärte der IS, der Selbstmordanschlag habe sich gegen Schiiten gerichtet.

Koordiniert und blutig

Auch der Anschlag vom 1. Juli in Bangladesh zeigt eine neue Dimension der Gewalt. Im muslimischen Land mit rund 160 Millionen Einwohnern kam es seit Anfang 2013 zu mehreren religiös motivierten Morden. Doch keine der bisherigen Attacken war so koordiniert, so blutig und kostete so viele Menschen das Leben. Die Attentäter waren gut vorbereitet und schwer bewaffnet. Sie hatten Schusswaffen, Bomben und scharfe Objekte, die nach Polizeiangaben dazu benutzt wurden, einige der Gefangenen zu foltern.

Bisher gehörten säkulare Blogger, Religionskritiker oder Angehörige religiöser Minderheiten zu den Opfern. Nun richtete sich der Angriff gegen ein gut besuchtes Restaurant, das ein beliebter Treffpunkt für Ausländer in Dhaka war. Augenzeugen zufolge hatten es die Täter auf ausländische Staatsbürger abgesehen – 20 Menschen starben. Unter den Opfern waren neun Italiener, sieben Japaner, drei Bangladescher und eine Inderin.

Die Regierung macht lokale Extremisten für die Angriffe verantwortlich. Dagegen hatte die als gewöhnlich gut informiert geltende US-Terrorbeobachtungsstelle Site noch in der Nacht zum Samstag gemeldet, der IS habe sich zu dem Anschlag bekannt.

EDA passt Reisehinweise an

Während die Polizei erklärte, dass auch mögliche IS-Verbindungen der fünf Männer untersucht würden, schloss Innenminister Asaduzzaman Khan die Möglichkeit aus, dass die Terrormiliz den Anschlag aus dem Ausland angeordnet haben könnte. Die Regierung besteht darauf, dass die Extremistengruppe keine Präsenz im Land habe.

«Sie sind alle Bangladescher», sagte Khan über die Angreifer von Dhaka. «Sie stammen aus reichen Familien, sie haben einen guten Bildungshintergrund.» Ein überlebender Verdächtiger wurde am Samstagmorgen festgenommen und nach Behördenangaben befragt.

Das EDA passte nach dem Anschlag seine Reisehinweise für Bangladesh an. «Terroristische Akte sind im ganzen Land möglich. Sie können sich auch gezielt gegen Ausländer und religiöse Minderheiten richten», heisst es auf der Website.

Mehr Opfer geplant

In der Türkei hat die Zahl der terroristischen Anschläge seit Sommer 2015 zugenommen. Bei einer der brutalsten Attacken am 28. Juni auf den internationalen Flughafen Atatürk in Istanbul starben 44 Menschen und 260 wurden verletzt. Bevor die drei Attentäter sich an verschiedenen Stellen des Flughafens in die Luft sprengten, schossen sie um sich.

Laut einem Zeitungsbericht hätte es sogar noch mehr Opfer geben sollen. Wie die regierungsnahe türkische Zeitung «Sabah» berichtete, wollten die Selbstmordattentäter im Flughafengebäude dutzende Geiseln nehmen, um dann ein Massaker anzurichten. Weil sie aber Verdacht erregten, seien sie schon früher zum Angriff übergegangen.

Zivilisten und ein Polizist wurden auf die Männer aufmerksam, weil sie trotz der Hitze Jacken trugen. Darunter verbargen sie ihre Sprengstoffwesten. Von der Polizei freigegebene Bilder der Videoüberwachungsanlage zeigen die drei mutmasslichen Attentäter in dunklen Jacken.

13 Verdächtige angeklagt

Die türkische Regierung vermutet, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag steckt. Deren Sprecher Abu Muhammad al-Adnani soll in seiner jährlichen Ansprache dazu aufgerufen haben, im Ramadan Anschläge zu verüben.

Die türkischen Behörden haben 13 Verdächtige wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Mordes angeklagt und in Haft genommen. Unter den am Sonntagabend Angeklagten seien zehn Türken, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan. Zuvor hatte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim erklärt, im Zuge der Ermittlungen seien bislang 29 Menschen festgenommen worden, «darunter Ausländer».

Kopf des Anschlagsplans soll nach türkischen Medienberichten ein Tschetschene sein, der Chef einer IS-Zelle in Istanbul sei. Bei den Attentätern soll es sich um einen Russen, einen Usbeken und einen Kirgisen gehandelt haben.

SDA/ij

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