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Rätselraten um Schicksal japanischer IS-Geiseln

Ein Ultimatum der Terrormiliz ist abgelaufen, in einer Videobotschaft wird der Tod einer der beiden Geiseln verkündet. Doch an der Echtheit des Videos gibt es Zweifel.

Ist einer von ihnen tot? Die beiden entführten Japaner in einem vom IS verbreiteten Erpressungsvideo. (20. Januar 2015)
Ist einer von ihnen tot? Die beiden entführten Japaner in einem vom IS verbreiteten Erpressungsvideo. (20. Januar 2015)
Keystone

Nach dem Ablauf eines Ultimatums der Terrormiliz Islamischer Staat herrscht Rätselraten um das Schicksal zweier japanischer Geiseln. Am Samstag tauchte im Internet eine Videobotschaft auf, in der der Tod einer der Geiseln verkündet wurde. Ob sie tatsächlich echt war, blieb zunächst unklar.

Nach Einschätzung von Ministerpräsident Shinzo Abe ist das Video wahrscheinlich echt. Allerdings prüfe die Regierung die Aufnahme noch, sagte Abe dem TV-Sender NHK. Den Angehörigen und Freunden des Japaners Haruna Yukawa drückte er sein Beileid aus.

Zweifel an Echtheit

Die IS-Miliz hatte der Regierung in Tokio bis Freitag Zeit gegeben, 200 Millionen Dollar Lösegeld zu zahlen. Ansonsten würden die Geiseln getötet. Das Ultimatum verstrich, am Samstag tauchte ein Video auf, in dem der Tod von Yukawa verkündet und ein Gefangenenaustausch für Goto gefordert wurde. Doch kamen an der Echtheit des Videos Zweifel auf.

Das Video wurde rasch wieder aus dem Netz genommen. Zudem gab ein Extremist auf einer mit der IS-Miliz verbundenen Webseite an, dass es eine Fälschung sei. Ein anderer Jihadist erklärte hingegen, die Aufnahme sei nur für die Familie Gotos bestimmt gewesen. Ein dritter wies darauf hin, dass in dem Video nicht das Logo des IS-Sprachrohrs Al-Furkan zu sehen sei, das bisherige Botschaften verbreitet habe.

«Kenjis Englisch sollte flüssiger klingen»

Auch Gotos Mutter äusserte Zweifel an der Stimme in der Aufnahme, die als jene ihres Sohnes ausgeben wird. «Kenjis Englisch ist sehr gut. Es sollte flüssiger klingen», sagte Junko Ishido dem Sender NHK. «Ich habe Angst. Er hat Kinder. Ich hoffe, dass er bald zurückkehrt, das ist alles, was ich will.»

Der 42-jährige Abenteurer Yukawa war im vergangenen Jahr in Syrien verschleppt worden. Regierungschef Abe zeigte sich erschüttert über dessen mutmassliche Ermordung. «Ich bin sprachlos», erklärte er. Japan verurteile Terrorismus. Zuvor hatte auch US-Präsident Barack Obama seine Solidarität bekundet und den «brutalen Mord» verdammt. Die USA stünden Seite an Seite mit Japan, um Gotos Freilassung zu erreichen, sagte Obama bei einem Zwischenstopp auf dem amerikanischen Militärstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz.

Yukawas Vater erklärte indes, er hoffe «tief in seinem Herzen», dass sein Sohn noch lebe. «Wenn wir uns jemals noch einmal wiedersehen, will ich ihn einfach nur fest drücken», sagte Shoichi vor Reportern in seinem Haus.

sda/AP/fko

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