Rätsel um Mursis Friedensbrief

Israel soll vom ägyptischen Präsidenten eine Friedensbotschaft erhalten haben. Nachdem Teile davon publiziert wurden, behauptet Ägypten nun, der Brief sei «erfunden».

Hat laut israelischen Angaben darum gebeten, den Nahost-Friedensprozess zu intensivieren: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi. 31. Juli 2012)

Hat laut israelischen Angaben darum gebeten, den Nahost-Friedensprozess zu intensivieren: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi. 31. Juli 2012)

(Bild: Reuters)

Ein angeblicher Brief des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi an seinen israelischen Amtskollegen Schimon Peres sorgt für Verwirrung. Das ägyptische Präsidialamt hat die Existenz einer «Friedensbotschaft» dementiert.

«Alles was dazu in israelischen Zeitungen und auf einigen ägyptischen Webseiten veröffentlicht wurde, ist erfunden und ohne Faktengrundlage», sagte der Präsidentensprecher Jasser Ali laut ägyptischen Medienberichten.

Die israelische Seite betonte jedoch, der Brief sei von der ägyptischen Botschaft in Tel Aviv überreicht worden. Die diplomatische Vertretung habe sogar der Veröffentlichung zugestimmt. Dass jetzt ein Dementi komme, sei angesichts des grossen Medieninteresses an dem Schreiben nicht überraschend, sagte ein ranghoher Beamter unter der Massgabe der Anonymität.

Veröffentlichte Passagen

Das israelische Präsidialamt hatte am Vortag Passagen aus dem angeblichen Brief Mursis an Peres zitiert und ein Faksimile verbreitet. Darin soll der ägyptische Präsident zu «gemeinsamen Anstrengungen» aufgerufen haben, um «den Nahost-Friedensprozess wieder flott zu machen». Dabei gehe es darum, «Sicherheit und Stabilität für alle Völker der Region – inklusive des israelischen Volkes – zu ermöglichen».

Diese Formulierung stach deshalb ins Auge, weil Mursi, ein Islamist und Ex-Funktionär der ägyptischen Muslimbruderschaft, damit das Existenzrecht Israels anzuerkennen schien. Damit hätte er sich auch deutlich von der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas abgesetzt. Sie war aus der ägyptischen Muslimbruderschaft hervorgegangen, streitet Israel jedoch das Existenzrecht ab.

Ägyptische Regierung steht

Der designierte ägyptische Regierungschef Hischam Kandil hat derweil die Auswahl seines künftigen Kabinetts abgeschlossen. Wie das Staatsfernsehen heute berichtete, sollen der bisherige Finanzminister Momtas al-Said und Aussenminister Mohammed Kamel Amr ihr Amt behalten.

Beide hatten zusammen mit Kandil in der scheidenden Übergangsregierung unter Kamal al-Gansuri gesessen, die im vergangenen Jahr vom Militärrat bestimmt worden war.

Ein weiterer Minister, der seinen Posten behält, ist Hussein Tantawi. Der Chef des Militärrats war schon unter dem früheren Machthaber Hosni Mubarak 20 Jahre lang Verteidigungsminister und wird das Amt nicht abgeben, wie AFP aus Armeekreisen erfuhr. Das vollständige Kabinett soll morgen offiziell vorgestellt werden.

Devisenreserven schrumpfen

Ägyptens neugewählter Präsident Mohammed Mursi hatte Kandil vor einer Woche den Regierungsauftrag erteilt. Kandil hatte daraufhin angekündigt, seine Minister nur nach ihrer Kompetenz auszuwählen.

Die Experten-Regierung soll die schweren wirtschaftlichen Probleme des Landes bekämpfen. Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Mubarak im Februar 2011 sind die Auslandsinvestitionen stark zurückgegangen, das Geschäft mit dem Tourismus brach ein. Die Devisenreserven des Landes schrumpfen, während das Haushaltsdefizit wächst.

ses/sda

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