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Putschversuch im Königreich

Die Armee in Lesotho entwaffnet mehrere Polizisten, es fallen Schüsse. Der Ministerpräsident sieht einen Putsch. Das Militär dementiert.

Zeigt seine Machtansprüche: König Letsie III im Jahr 1997. (Archivbild)
Zeigt seine Machtansprüche: König Letsie III im Jahr 1997. (Archivbild)
Keystone

Verwirrung um einen möglichen Putschversuch in Lesotho: Das Militär des südafrikanischen Staates entwaffnete am Samstag nach eigenen Angaben Polizisten in zwei Polizeirevieren. Aussagen eines Augenzeugen zufolge waren Schüsse zu hören. Ministerpräsident Thomas Thabane sprach von einem Staatsstreich und floh nach Südafrika.

Militärsprecher Ntlele Ntoi trat dieser Aussage jedoch entschieden entgegen. Das Militär habe in der Hauptstadt Maseru Polizisten entwaffnet und sei danach in die Kasernen zurückgekehrt, sagte Ntoi. Die Waffen befänden sich unter Militärkontrolle. «Im Moment ist die Situation in Lesotho, in der Hauptstadt wieder normal. Alles geht wie gewohnt weiter», sagte er der Nachrichtenagentur AP.

Schützenpanzer auf der Strasse

Ntoi sagte, Grund für die Aktion seien Geheimdienstinformationen gewesen, wonach die Polizei Gruppen bewaffnen wolle, die an einer für Montag geplanten Demonstration einer der Regierungsparteien teilnehmen wollten. Die Polizei sei entwaffnet worden, um ein Blutvergiessen zu verhindern. Bei einem Feuergefecht seien ein Soldat und vier Polizeibeamte verletzt worden. Ob die Demonstration nun noch stattfinde, wisse er nicht.

Zuvor hatte ein Augenzeuge berichtet, dass das Militär in der Hauptstadt Maseru Polizeistationen eingenommen und mehrere Regierungsgebäude umzingelt habe. Er habe mindestens einen Schützenpanzer auf den Strassen gesehen, erklärte Bernard Ntlhoaea, ein Wachmann der örtlichen US-Botschaft. Das Militär sei seit drei Uhr morgens in Bewegung und ziehe auch in andere Bezirke. Seinen Angaben zufolge stellten Radiosender mit Ausnahme eines katholischen Senders ihr Programm ein.

Militärsprecher Ntoi sagte dazu, er habe von der Sendeunterbrechung gehört. Er könne allerdings nicht sagen, ob dies wegen der Militäraktion geschehen sei oder aus technischen Gründen.

Damals kam es zu einem Machtkampf

Das Königreich Lesotho ist eine Enklave, liegt also vollständig innerhalb der Grenzen von Südafrika. Wegen seiner Gebirgszüge wird es auch «Königreich im Himmel» genannt. Die meisten der rund zwei Millionen Einwohner leben in grosser Armut.

Seit Juni ist die politische Lage sehr angespannt. Damals hatte Ministerpräsident Thabane dasParlament abgesetzt, um ein Misstrauensvotum zu umgehen. Es kam zu einem Machtkampf. In Südafrika löste die Entwicklung in der Enklave Sorgen aus. Das Land bezieht aus Lesotho Wasser und Strom.

Lesotho hat seit seiner Unabhängigkeit von Grossbritannien im Jahr 1966 mehrere Militärputsche erlebt. 1993 wurde nach siebenjähriger Militärherrschaft die konstitutionelle Regierung wieder hergestellt. 2012 verlor der damalige Ministerpräsident Pakalitha Mosisili nach 14 Jahren an der Macht die Wahlen und das Land bekam erstmals eine Koalitionsregierung. Dieses Regierungsbündnis hat sich jedoch als zerbrechlich erwiesen.

AFP/mrs

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