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Präsident kann Stimme nicht abgeben – Wahlen verlängert

Pech für Goodluck Jonathan: Nigerias neues biometrisches Registrierungssystem versagte ausgerechnet beim Präsidenten. Neben Pannen überschatten bisher zwei Anschläge Boko Harams die Wahlen.

Erhöhte Sicherheitsstufe wegen terroristischer Anschläge: Polizisten beobachten Bürger vor der Stimmabgabe in Kaduna. (28. März 2015)
Erhöhte Sicherheitsstufe wegen terroristischer Anschläge: Polizisten beobachten Bürger vor der Stimmabgabe in Kaduna. (28. März 2015)
AP Photo/Jerome Delay
Grosser Andrang: Menschen bilden vor den Wahllokalen Schlangen wie hier in Yola. (28. März 2015)
Grosser Andrang: Menschen bilden vor den Wahllokalen Schlangen wie hier in Yola. (28. März 2015)
AP Photo/Sunday Alamba
Kurze Pause: Ein Wahlhelfer isst neben den Urnen. (28. März 2015)
Kurze Pause: Ein Wahlhelfer isst neben den Urnen. (28. März 2015)
Goran Tomasevic, Reuters
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Sein Vorname bedeutet «viel Glück», der Vorname seiner Frau «Geduld» – beides brauchte der nigerianische Staatschef Goodluck Jonathan bei der Präsidentschafts- und Parlamentswahl. Als Jonathan sich am Samstagmorgen gemeinsam mit seiner Frau Patience im Wahllokal seines Heimatortes Otuoke im südlichen Bundesstaat Bayelsa registrieren lassen wollte, versagte die Technik: Zwei Geräte zum Lesen der biometrischen Wählerkarten funktionierten nicht. Jonathan und seine Frau verbrachten eine halbe Stunde im heissen Wahllokal, bevor sie es unverrichteter Dinge verliessen.

Später am Vormittag kamen sie zurück und versuchten es erneut – vergeblich. Schliesslich liess das Präsidentenpaar sich per Hand registrieren, wie es bislang üblich war. Jonathans Demokratische Volkspartei (PDP) hatte im Vorfeld der Wahlen die von der nationalen Wahlkommission eingeführte neue Technologie kritisiert und gesagt, die unerprobte Anwendung werde zu Problemen am Wahltag führen.

Wahlen an vielen Orten ausgesetzt

Nach seiner praktischen Erfahrung mit dem System rief Jonathan die Bürger zu Geduld auf: «Wenn Sie Probleme mit Ihrer Wählerkarte haben (...), seien Sie geduldig», sagte er vor dem Wahllokal. «Das ist alles neu. Alles, was neu ist, birgt Herausforderungen.» Er selbst habe sich in Geduld geübt. «Sehen Sie meinen Schweiss?», fragte der 57-Jährige. Jonathan kündigte an, am Nachmittag zurückzukommen, um seine Stimme abzugeben.

Die Wahlen werden in zwei Schritten vollzogen: Am Vormittag werden die Wähler mit den Namen auf den Wählerlisten abgeglichen und registriert. Erst am Nachmittag können die Registrierten ihre Stimme abgeben.

Wegen technischer Probleme mit den Kartenlesegeräten zur Registrierung von Wählern ist die Parlaments- und Präsidentschaftswahl in Nigeria am Samstag in einigen Wahlbezirken ausgesetzt worden. In den betroffenen Gegenden solle die Wahl am Sonntag erfolgen, teilte die Wahlkommission mit. Welchen Umfang die Panne hatte, wurde nicht mitgeteilt, die Rede war lediglich von «vielen» Orten.

Boko-Haram-Gewalt überschattet Wahlen

Die Wahlen in Nigeria sind von islamistischer Gewalt bedroht. Bei mutmasslichen Anschlägen der Miliz Boko Haram wurden mindestens zwei Menschen getötet. Knapp 70 Millionen Menschen hatten sich in Afrikas bevölkerungsreichstem Land in die Wahllisten eingetragen.

Unter den 14 Bewerbern ums höchste Staatsamt war erstmals eine Frau. Ernsthafte Chancen hatten nur der Christ Jonathan aus dem Süden und der Muslim Buhari, ein ehemaliger Putschgeneral, aus dem Norden. Buhari stand von 1983 bis 1985 schon einmal an der Staatsspitze. Mit ersten Ergebnissen wurde am Sonntag gerechnet.

Nigeria ist mit 173 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Urnengang war wegen des Vormarschs von Boko Haram im Norden des Landes um sechs Wochen verschoben worden. In den Wochen vor der Wahl meldete die nigerianische Armee Erfolge im Kampf gegen die Extremisten.

Dennoch kam es am Samstag zu neuer Gewalt: Zwei Angriffe ereigneten sich laut Bewohnern und einem Wahlhelfer in den Dörfern Birin Bolawa und Birin Fulani im nordöstlichen Bundesstaat Gombe. Dem Wahlhelfer zufolge riefen die Angreifer: «Wir haben euch davor gewarnt, zur Wahl zu gehen!» Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau hatte mit Anschlägen auf Wahlbüros gedroht. Die Islamisten halten demokratische Wahlen für «unislamisch».

Zwar ist Nigeria nach Jahrzehnten politischer Instabilität unter Goodluck zu Afrikas grösster Wirtschaftsmacht aufgestiegen. Doch ist es dem Präsidenten nicht gelungen, Boko Haram zu stoppen oder zu bremsen.

Tausend Tote bei Wahlen 2011

Politische Beobachter wagten keine Prognose über den Ausgang der Wahlen. Jonathans Partei PDP ist seit der Rückkehr zu einer zivilen Regierung vor sechs Jahren an der Macht, muss sich aber einer erstarkten Opposition stellen. Insgesamt traten 2537 Kandidaten von 28 Parteien für die 469 Parlamentssitze an.

Ausser langen Schlangen vor den Wahlbüros war es auf den Strassen des Landes überwiegend ruhig, der Autoverkehr war aus Sicherheitsgründen für acht Stunden untersagt worden. Über der Hauptstadt Abuja kreisten Militärhelikopter. In der südöstlichen Stadt Enugu explodierte eine Autobombe vor einem Wahlbüro. Nach Polizeiangaben gab es aber keine Opfer. Bei Gewalt während der Wahl im Jahr 2011 hatte es etwa tausend Tote gegeben.

sda/AFP/rar/rub

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