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Palästinensisches Baby stirbt durch Tränengas

Weil Tränengas in das Haus seiner Familie eindrang, ist ein achtmonatiger Bub in Bethlehem erstickt. Israelische Soldaten waren gegen palästinensische Jugendliche vorgegangen.

Kam bei einem Einsatz israelischer Soldaten ums Leben: der kleine Ramadan Thawabteh. (30. Oktober 2015)
Kam bei einem Einsatz israelischer Soldaten ums Leben: der kleine Ramadan Thawabteh. (30. Oktober 2015)
Musa Al-Shaer, AFP

Bei einem Tränengas-Einsatz der israelischen Streitkräfte im Westjordanland ist am Freitag ein acht Monate alter palästinensischer Junge erstickt. Das gab das palästinensische Gesundheitsministerium bekannt. Zuvor hatte ein Palästinenser in Jerusalem bei einer Messerattacke einen US-Touristen verletzt, bevor der Angreifer erschossen wurde.

Das palästinensische Kleinkind starb in Bethlehem im Haus seiner Familie. Der kleine Junge sei erstickt, nachdem von der israelischen Armee abgefeuertes Tränengas in das Haus eingedrungen sei, erklärte das palästinensische Gesundheitsministerium. Israelische Soldaten hatten das Tränengas bei Zusammenstössen mit palästinensischen Jugendlichen abgefeuert. Es war zunächst unklar, ob eine Tränengas-Granate in das Haus der Familie des kleinen Ramadan Thawabteh fiel oder ob das Gas von aussen in das Haus eindrang.

Zusammenstösse seit einem Monat

Im Westjordanland und im Gazastreifen kommt es seit fast einem Monat ständig zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen israelischen Soldaten und steinewerfenden palästinensischen Jugendlichen. Die Soldaten schiessen mit Tränengas, Gummigeschossen oder scharfer Munition zurück. Am Freitag gab es erneut dutzende Verletzte, darunter etwa 50 im Gazastreifen. Auch in Ramallah und Hebron kam es erneut zu Zusammenstössen.

In Jerusalem hatte sich die Lage zuletzt leicht beruhigt, nachdem die Sicherheitsmassnahmen massiv verstärkt worden waren. Am Freitag griff dort aber ein Palästinenser einen US-Touristen an und verletzte diesen leicht mit einem Messer. Nach Polizeiangaben wurde der aus Ost-Jerusalem stammende 23-jährige Täter von Sicherheitskräften erschossen.

Messerattacke im Westjordanland

Auch im Norden des Westjordanlandes verübten Palästinenser einen Messerangriff. Nach israelischen Polizeiangaben fuhren zwei Palästinenser mit einem Motorrad an einer Strassenkreuzung in Tappuah südlich von Nablus vor und attackierten Grenzpolizisten. Einer der Angreifer wurde erschossen, der zweite schwebte in Lebensgefahr.

Auslöser der Unruhen ist unter anderem der Streit um die Nutzungsrechte auf dem Jerusalemer Tempelberg, der Juden wie Muslimen heilig ist. Seit Anfang Oktober wurden infolge der Eskalation der Gewalt mehr als 60 Palästinenser und neun Israelis getötet.

Die palästinensische Jugend ist zunehmend wütend über die israelische Besatzung, den Siedlungsbau, die Blockade des Gazastreifens und leidet unter allgemeiner Perspektivlosigkeit. Die traditionellen Palästinenserparteien üben kaum noch Einfluss auf die jungen Palästinenser aus.

Druck auf Siedlungslobby erhöht

Die jüngste Gewalt hat zugleich den Druck der Siedlungslobby auf die israelische Regierung erhöht. Wie am Freitag bekannt wurde, legalisierte die Regierung im Nachhinein rund 800 Wohnungen in jüdischen Siedlungen im Westjordanland. Das Innenministerium traf die Entscheidung demnach vor zwei Wochen.

Israel unterscheidet zwischen «legalen» und «illegalen» Bauten – je nachdem, ob die Regierung diese genehmigte oder nicht. Die internationale Staatengemeinschaft betrachtet alle Siedlungen in den Palästinensergebieten als illegal und sieht Israels Siedlungspolitik als eines der grössten Hindernisse für einen Friedensvertrag an.

(AFP)

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