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Palästinenser beschiessen erneut Tel Aviv

In der neuen Gaza-Krise glühen die diplomatischen Drähte. Der gegenseitige Beschuss zwischen Israel und Palästina fordert unterdessen einen immer höheren Blutzoll.

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Militante Palästinenser im Gazastreifen haben heute erneut den Grossraum Tel Aviv angriffen. In der Mittelmeermetropole heulten am Morgen die Sirenen, Menschen eilten in Schutzräume. Es war eine Serie dumpfer Explosionen zu hören. Das israelische Fernsehen berichtete, fünf Raketen seien im Umkreis von Tel Aviv von der Raketenabwehr in der Luft abgefangen worden. Die Reste einer Rakete fielen auf eine Tankstelle im Süden von Tel Aviv.

Die israelische Luftwaffe setzte in der Nacht auf heute ihre Angriffe im Gazastreifen fort. Vor einer möglichen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet seien 20'000 Reservisten eingezogen worden, sagte Armeesprecher Peter Lerner. Dabei handle es sich um die Hälfte der Reservisten, deren Mobilisierung Israels Regierung gebilligt habe. Eine Bodenoffensive im Gazastreifen sei jedoch die «letzte Option», betonte Lerner. Man erwäge noch die Vor- und Nachteile eines solchen Einsatzes.

750 Ziele angegriffen

Die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen sind nach den Worten des Sprechers intensiver als während des letzten Gaza-Krieges im November 2012. Binnen 48 Stunden habe die Armee 750 Ziele angegriffen. Im Vergleich dazu seien vor knapp zwei Jahren binnen acht Tagen 1450 Ziele angegriffen worden.

Am Morgen wurden bei einem Luftangriff auf ein Auto in Gaza-Stadt drei Palästinenser getötet und vier weitere verletzt, wie ein Sprecher der Rettungskräfte mitteilte. Damit wurden allein in der Nacht zu Donnerstag 17 Menschen getötet.

Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats

Angesichts der sich immer schneller drehenden Gewaltspirale im Nahen Osten hat der Uno-Sicherheitsrat für heute eine Dringlichkeitssitzung anberaumt. Angeregt wurde das Treffen von mehreren arabischen Ländern, die ein sofortiges Ende der israelischen Offensive gegen Palästinenser forderten.

Ein Ende der Gefechte ist jedoch nicht in Sicht. Seit Beginn der Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen habe es mindestens 75 Tote gegeben, meldete das örtliche Gesundheitsministerium. Unter den Opfern waren demnach 20 Zivilisten.

Ban Ki-moon schaltet sich ein

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon liess die diplomatischen Drähte glühen und telefonierte mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas sowie dem ägyptischen Staatschef Abdel-Fattah al-Sisi und US-Aussenminister John Kerry.

Ban warnte gestern auf einer Pressekonferenz eindringlich vor einer Abwärtsspirale, die schnell ausser Kontrolle geraten könne. «Der Gazastreifen ist auf Messers Schneide.» Einen ausgewachsenen Krieg könne sich die gesamte Region nicht leisten.

Ban forderte einen Stopp der anhaltenden Raketenangriffe auf Israel, erklärte zugleich, er habe Netanyahu zu «maximaler Zurückhaltung und zum Respekt vor internationalen Verpflichtungen zum Schutz von Zivilisten aufgerufen».

Netanyahu sprach auch mit Merkel und Kerry

Netanyahu bestätigte das Telefonat mit Ban. Zudem habe er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Chefdiplomat Kerry gesprochen. Diese hätten das Recht Israels auf Selbstverteidigung unterstützt, und genau dies «werden wir weiterhin tun», sagte Netanyahu.

Zugleich fand Ban lobende Worte für Abbas. Ihm habe er in einem Telefongespräch zugutegehalten, «mutig für eine Sicherheitskooperation mit Israel einzustehen». Dies sei «essenziell, um vor Ort für Stabilität zu sorgen».

Ban drängte Ägyptens Staatschef Sisi, die Herrscher von Katar und Saudiarabien und US-Chefdiplomat Kerry dazu, Israelis und Palästinenser zu einer Rückkehr zum Waffenstillstandsabkommen von November 2012 und Friedensverhandlungen zu bewegen.

Zudem kündigte Ban an, den UNO-Sicherheitsrat bei dessen Sitzung über die Gespräche zu unterrichten. Der palästinensische Gesandte Rijad Mansur sagte: «Wir wollen, dass der Sicherheitsrat seine Verantwortung trägt und die Aggression gegen unser Volk stoppt.» Das höchste UNO-Gremium solle eine Resolution zum Schutz der Palästinenser verabschieden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Dem Vorstoss werden jedoch nur geringe Chancen eingeräumt. Die USA stehen im Sicherheitsrat in der Regel an der Seite Israels. Das Gremium war auch in seiner Reaktion auf andere Konflikte zuletzt tief gespalten.

Israels UNO-Botschafter Ron Prosor sagte, sein Land habe der Hamas über alle möglichen Kanäle eine Feuerpause angeboten, doch sie habe abgelehnt. «Die Hamas hat uns in diesen Konflikt hineingezogen.»

(AP/sda)

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