Obama räumt Fehler im Kampf gegen IS ein

Das syrische Ain al-Arab steht unter starkem Beschuss der IS-Terroristen. Die kurdische Enklave sei von mehreren Seiten her angegriffen worden. Derweil übt US-Präsident Obama Selbstkritik.

Die kurdische Enklave im Visier: Kämpfer des IS vor den Toren Ain al-Arabs.

Die kurdische Enklave im Visier: Kämpfer des IS vor den Toren Ain al-Arabs.

(Bild: AFP)

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat offenbar von mehreren Seiten einen Grossangriff auf die kurdische Enklave Ain al-Arab in Nordsyrien begonnen. Mindestens zwei Granaten seien am Abend im Westen der Stadt eingeschlagen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Auch von Osten her sollen die Extremisten nach Angaben von Augenzeugen angreifen. Auf Twitter berichten Beobachter von der türkischen Grenze aus ebenfalls von «schwerem Beschuss».

Viele flüchten

Eine arabische Journalistin vor Ort schrieb unter Berufung auf Anwohner, es sei das erste Mal, dass die IS-Miliz einen so grossen Angriff unmittelbar auf die Stadt führe. Autos würden «reihenweise» die Stadt verlassen. Ein Korrespondent der kurdischen Nachrichtenseite «Rudaw» bestätigte Angriffe auf das Stadtzentrum.

Am Samstag hatten IS-Extremisten Ain al-Arab nach Angaben der Beobachtungsstelle erstmals mit Mörsergranaten beschossen. Mindestens ein Bewohner sei dabei ums Leben gekommen. Die IS-Kämpfer haben vor über einer Woche einen Vormarsch auf die von Kurden bewohnten Gebiete in Nordsyrien begonnen. 60 Dörfer rund um Ain al-Arab (Kurdisch: Kobane) fielen bereits in ihre Hände.

Obama kritisiert Nachrichtendienst

Derweil gab Barack Obama bekannt, die USA hätten die Gefahr unterschätzt, dass sich islamistische Extremisten in das Bürgerkriegsland Syrien zurückziehen und von dort eine Offensive starten.

Aus dem Irak vertriebene frühere al-Qaida-Kämpfer hätten sich in Syrien sammeln und die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) gründen können, sagte Obama am Sonntag in einem Interview mit dem US-Sender CBS, das vorab in Auszügen veröffentlicht wurde. «Sie konnten einen Vorteil aus dem Chaos (des syrischen Bürgerkriegs) ziehen», sagte Obama. Er verwies auf Äusserungen des nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper, wonach die USA die Ereignisse in Syrien «unterschätzt» hätten. Es sei zudem «absolut wahr», dass die Vereinigten Staaten die Fähigkeiten und den Willen des irakischen Militärs zu hoch eingeschätzt hätten. Solch selbstkritische Eingeständnisse hatten die Obama-Regierung und US-Geheimdienste in den vergangenen Monaten bereits häufiger kundgetan.

Obama gab in dem CBS-Interview ausserdem zu, dass die US-Luftangriffe dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad in die Hände spielten – obwohl diesem von den UNO Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. «Ich erkenne den Widerspruch in einem widersprüchlichen Land und einer widersprüchlichen Lage», sagte der US-Präsident. Auf der anderen Seite gefährdeten Terroristen wie die IS-Milizen oder auch Chorasan das amerikanische Volk.

Erdogan will USA unterstützen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bekräftigt, dass sein Land eine militärische Unterstützung für die von den USA angeführte Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erwägt. «Wir werden dort sein, wo wir sein müssen», sagte der Präsident.

Die Türkei könne bei dem Konflikt «nicht ausserhalb» stehen, sagte Erdogan am Sonntag beim Weltwirtschaftsforum in Istanbul. Auch einen Einsatz von Bodentruppen schloss Erdogan nicht aus. Zugleich betonte er aber, dass langfristig ein militärisches Vorgehen gegen den IS nicht ausreiche, um die Dschihadistenmiliz zu besiegen. Bomben könnten nur eine «provisorische Lösung» sein, sagte Erdogan.

Regierungschef Ahmet Davutoglu sagte, dass die Regierung am Montag einen Mandatsentwurf für einen Einsatz der Streitkräfte im Irak und in Syrien ins Parlament einbringen werde. Das Parlament werde am Donnerstag über die Vorlage debattieren.

Geübter Umgang mit sozialen Medien

Die Extremisten seien im Umgang mit sozialen Medien «sehr gerissen» und würden Kämpfer aus Europa, den USA, Australien und muslimischen Ländern anlocken, «die an ihren jihadistischen Quatsch glauben», sagte Obama weiter.

Am Wochenende hatte die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition ihre Angriffe auf Stellungen der IS-Miliz in Syrien und im Irak fortgesetzt. In der Nacht auf Sonntag bombardierte die Allianz im Norden Syriens nach Angaben von Aktivisten mindestens drei Ölraffinerien, die unter Kontrolle des IS stehen.

Im Irak attackiert die US-Luftwaffe den IS bereits seit Anfang August. Washington kann dabei auch auf eine immer breitere Unterstützung von europäischen Partnern zählen. Nach Frankreich schlossen sich zunächst Dänemark, Belgien und die Niederlande an.

mrs/chk/sda

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