Zum Hauptinhalt springen

Trump und der Klagemauer-Fettnapf

Saudiarabien hat Donald Trump überstanden. Jetzt droht Ärger in Israel.

Ein Besuch mit grosser Symbolik: Trump in Israel. (Video: Tamedia/AFP)

So schnell ist noch kein US-Präsident zu Besuch gekommen: Barack Obama sparte sich die Reise nach Jerusalem für die zweite Amtsperiode auf, auch George W. Bush liess sich lange bitten, doch Donald Trump gibt sich gleich auf seinem ersten Auslandstrip die Ehre. Gewiss, es gibt da den Schönheitsfehler eines Reisebeginns in Saudiaraben, und obendrein trifft sich Trump auch noch mit den Palästinensern. Doch Israels Premier Benjamin Netanyahu will den heute beginnenden Besuch davon nicht überschatten lassen. Auch er spricht von einem «historischen» Ereignis.

US-Präsident Donald Trump gibt dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron (r.) in Brüssel die Hand. Dieser erwidert den Druck und den Blick. (25. Mai 2017)
US-Präsident Donald Trump gibt dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron (r.) in Brüssel die Hand. Dieser erwidert den Druck und den Blick. (25. Mai 2017)
EPA/PETER DEJONG, Keystone
Gruppenbild mit Herrn: Dieses in Brüssel aufgenommene Foto mit den Ehepartnern der Staats- und Regierungschefs sorgte in Washington für rote Köpfe. (25. Mai 2017)
Gruppenbild mit Herrn: Dieses in Brüssel aufgenommene Foto mit den Ehepartnern der Staats- und Regierungschefs sorgte in Washington für rote Köpfe. (25. Mai 2017)
Aurore Belot/Belga, AFP
Die Air Force One auf dem Rollfeld am Flughafen in Tel Aviv.
Die Air Force One auf dem Rollfeld am Flughafen in Tel Aviv.
Screenshot NTV, Keystone
1 / 31

Allerdings ist die anfängliche Euphorie über die Wahl Trumps in Israels Regierung mittlerweile Unsicherheit gewichen. Da ist zum einen die Verwunderung über die chaotische Planung des Aufenthalts durch die Trump-Truppe, die ständig die Orte und Termine durcheinanderwirbelte. Von «Amateuren» ist in Jerusalem die Rede. Ausserdem haben die Amerikaner bislang kaum einen Fettnapf ausgelassen.

Die Liste dazu fängt an mit der Meldung, dass Trump israelische Geheimdienstinformationen aus Syrien an die Russen weitergereicht haben soll. Ausgerechnet an die Russen, die dort mit ­Israels Erzfeinden Iran und Hizbollah verbündet sind. Dann leistete sich der US-Aussenminister den Lapsus, von «Palästina» zu sprechen, obwohl die USA den Staat natürlich längst noch nicht ­anerkannt haben. Schlimmer war aus ­israelischer Sicht nur, was dann noch kam, als es um die Klagemauer ging. Die will Trump besuchen. Doch als Israel seine Hilfe bei der Vorbereitung anbot, gab es eine Abfuhr: Die Klagemauer, sagten die amerikanischen Emissäre, liege nicht in Israel, sondern im palästinen­sischen Westjordanland.

Die Botschaft bleibt in Tel Aviv

Die US-Sichtweise ist völkerrechtlich zwar korrekt, denn die Jerusalemer Altstadt gehört zu den von Israel 1967 besetzten Gebieten. Die spätere Annexion des arabischen Ostteils der Stadt ist international nicht anerkannt. Allerdings war es Trump gewesen, der in ­Israel die Hoffnung auf eine Änderung genährt hat mit seinem Versprechen, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jeru­salem zu verlegen. Daran will er heute lieber nicht mehr erinnert werden. Und den Besuch an der Klagemauer hat er ­inzwischen als privat deklariert.

Bildstrecke – Der US-Präsident in Saudiarabien

«Schlacht zwischen Gut und Böse»: Präsident Trump äussert sich am Gipfeltreffen in Saudiarabien zum Kampf gegen den Terrorismus. (21. Mai 2017)
«Schlacht zwischen Gut und Böse»: Präsident Trump äussert sich am Gipfeltreffen in Saudiarabien zum Kampf gegen den Terrorismus. (21. Mai 2017)
Keystone
Donald Trump mit dem saudischen König Salman in Riad. (21. Mai 2017)
Donald Trump mit dem saudischen König Salman in Riad. (21. Mai 2017)
AP Photo/Evan Vucci
Der erste Touchdown in Europa: Am Mittwoch will sich der mächtigste Mann der Welt mit Papst Franziskus treffen.
Der erste Touchdown in Europa: Am Mittwoch will sich der mächtigste Mann der Welt mit Papst Franziskus treffen.
Andrew Medichini, Keystone
1 / 23

Mit seiner Landung in Israel kommt Trump in der Wirklichkeit an: Wenn der US-Präsident tatsächlich den «ultimativen» Friedensschluss erreichen will, wie er es oft und gern betont, dann muss er streng auf einen Ausgleich der Inter­essen achten. Für die israelische Seite birgt das die enttäuschende Einsicht, dass es anders als verheissen nun keine freie Hand beim Siedlungsbau gibt oder gar eine Beerdigung des Konzepts der Zweistaatenlösung. Vielmehr wird Trump beim Abendessen mit Netanyahu ein paar Gesten des guten Willens gegenüber den Palästinensern einfordern. Vorauseilend kam am Sonntag bereits das israelische Sicherheitskabinett zusammen, um über wirtschaftliche Erleichterungen zu reden. Schwieriger wird es, wenn es um die von Trump bereits angemahnte Zurückhaltung beim Siedlungsbau geht. Diese Frage könnte ­Netanyahus Koalition zerreissen.

Angenehmer dürfte es da für den US-Präsidenten morgen in Bethlehem werden. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hatte sich schon bei seinem Besuch in Washington geschickt gezeigt, wenn es darum ging, Trump für seine Sache einzunehmen. Obwohl es Trump bislang vermieden hat, sich öffentlich auf eine Zweistaatenlösung festzulegen, sprechen amerikanische Offizielle plötzlich von «Würde und Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser». Besser könnte es auch Abbas nicht ausdrücken.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch