Nigeria und Senegal bereit für Militäreinsatz in Gambia

Gambias Präsident Jammeh weigert sich, von seinem Amt zurückzutreten. Senegal und Nigeria haben ihre Truppen in Richtung gambische Grenze verlegt.

Bleibt im Amt: Präsident Yahya Jammeh (l.) mit First Lady Zeinab Suma Jammeh auf Besuch im Weissen Haus in Washington.(Archivbild)

Bleibt im Amt: Präsident Yahya Jammeh (l.) mit First Lady Zeinab Suma Jammeh auf Besuch im Weissen Haus in Washington.(Archivbild)

(Bild: Keystone Michael Reynolds)

Kurz vor dem offiziellen Ende der Amtszeit von Gambias abgewähltem Präsidenten Yahya Jammeh ist ein letzter Vermittlungsversuch des mauretanischen Präsidenten Mohammed Ould Abdel Aziz im westafrikanischen Land gescheitert.

Trotz eines möglicherweise bevorstehenden Militäreinsatzes gelang es Mohammed Ould Abdel Aziz bis zum späten Mittwochabend nicht, Jammeh zum Abtreten zu bewegen, wie aus Banjul verlautete. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Aziz will nun offenbar in Gesprächen mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall eine politische Lösung für die Krise im westafrikanischen Gambia suchen. Aziz sei dazu in den Senegal geflogen, hiess es am Donnerstag aus Kreisen des senegalesischen Präsidentenamtes.

Truppen verlegt

Vor einer möglichen militärischen Intervention im westafrikanischen Gambia hat die nigerianische Luftwaffe Kampfflugzeuge und Truppen nach Senegal verlegt. Es seien rund 200 Soldaten, Transportflugzeuge und Helikopter nach Dakar verlegt worden, erklärte die nigerianische Luftwaffe am Mittwoch über Facebook. Von dort könnten sie den Einsatz im benachbarten Gambia beginnen.

Nach örtlichen Medienberichten hat der Senegal bereits hunderte Soldaten an die gambische Grenze verlegt. Sie seien Teil der Eingreiftruppe der Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas).

Der abgewählte gambische Präsident Yahya Jammeh weigert sich, zurückzutreten. Nach 22 Jahren an der Macht hatte er die Präsidentenwahl gegen Adama Barrow verloren und seine Niederlage zunächst eingestanden. Davon machte er später einen Rückzieher und begründete diesen mit Unregelmässigkeiten beim Wahlvorgang. Sein Mandat läuft eigentlich am Donnerstag aus, aber das Parlament verlängerte seine Amtszeit am Mittwoch um drei Monate. Wahlsieger Adama Barrow, der in den Senegal geflohen ist, will dennoch am Donnerstag seinen Amtseid ableisten. Das bestätigte ein Sprecher der Oppositionskoalition, Halifa Salla, am Mittwochabend noch einmal.

Rückführung von Touristen

Auch die Ecowas hat Jammeh aufgefordert, sein Amt aufzugeben. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft hatte auch die Entsendung von Truppen nicht ausgeschlossen, um einen Machtwechsel herbeizuführen. Die gambische Armee zählt nur gerade rund 900 Soldaten.

Unterdessen haben europäische Reiseveranstalter mit der Rückführung von rund 2000 Touristen aus Gambia begonnen. Der britische Anbieter Thomas Cook teilte mit, rund 1000 Urlauber schnellstmöglich mit Sonderflügen ausser Landes zu bringen. Die niederländischen Reiseveranstalter Tui und Corendon erklärten am Mittwoch, dass sie ebenfalls rund 1000 Touristen ausfliegen würden.

Wegen des politischen Machtkampfes in Gambia hat der Senegal bei den Vereinten Nationen einen Resolutionsentwurf in Umlauf gebracht. Darin ruft das Land den Weltsicherheitsrat auf, Militäraktionen der Staatengemeinschaft Ecowas zu unterstützen, sollte Gambias Präsident Jammeh nicht zum eigentlichen Ende seiner Amtszeit um Mitternacht (1.00 Uhr MEZ) zurücktreten.

EDA rät von Reisen ab

Das Aussendepartement in Bern rät von Reisen nach Gambia ab. Eine militärische Intervention von Ecowas und somit ein bewaffneter Konflikt könnten nicht ausgeschlossen werden, heisst es auf der Website des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Bei Unruhen könne zudem nicht ausgeschlossen werden, dass Flüge vorübergehend eingestellt und die Grenzübergänge geschlossen werden.

Langzeitpräsident Jammeh verlor unterdessen weiter an Rückhalt. Kulturminister Benjamin Roberts erklärte am Dienstag seinen Rücktritt - damit war er der sechste gambische Minister innerhalb von weniger als 48 Stunden, der sich von Jammeh abwandte. Zuvor hatten bereits der Handels-, Aussen-, Finanz-, Umwelt- und Sportminister ihre Rücktritte verkündet. Vergangene Woche war zudem bereits der Kommunikationsminister ausser Landes geflohen.

Viele Gambier sind aus Angst vor einem Ausbruch von Gewalt bereits in den Senegal geflohen. Beobachter befürchten, dass es in dem kleinen westafrikanischen Land zu offener Gewalt kommen könnte. Mehrere westliche Länder haben ihre Bürger bereits aufgefordert, das Land umgehend zu verlassen.

sep/chk/sda

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