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Naomi Campbells verhängnisvolle Reise im Blue Train

Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag untersucht derzeit die Affäre um Charles Taylors Diamanten-Geschenk. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Ein Insider erzählt erstmals Details über Mandelas Spendengala, mit der alles begann.

Abgedunkelt: Naomi Campbell wird unter massiven Sicherheitsvorkehrungen zum Gericht gebracht.
Abgedunkelt: Naomi Campbell wird unter massiven Sicherheitsvorkehrungen zum Gericht gebracht.
Keystone
Der Gerichtssaal des Kriegsverbrechertribunals.
Der Gerichtssaal des Kriegsverbrechertribunals.
Keystone
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Ivan Fallon war in den 1990er-Jahren Geschäftsführer des «Independent» in Südafrika und war mit auf der Reise, die das Gericht in Den Haag seit einer Woche beschäftigt. Für die britische Zeitung beschreibt Fallon, wie es überhaupt zu diesen Ereignissen kommen konnte.

Mandela war gerade drei Jahre Präsident Südafrikas und auf dem Höhepunkt seiner internationalen Bekanntheit. Eines seiner grössten Anliegen sei damals bereits seine Kinderstiftung gewesen, für die er am 26. September 1997 viel Prominenz einlud. «Jeder Mensch in dieser Galaxie wollte Mandela treffen», beschreibt Fallon die damalige Zeit in seiner Kolumne im «Independent». Der Blue Train, ein Luxuszug, der über 1600 Kilometer von Pretoria nach Kapstadt führt, sollte die Gäste zum Spenden anregen.

Neben vielen ANC-Ministern und südafrikanischen Geschäftsleuten waren auch so schillernde Prominente wie Erzbischof Tutu, Musikproduzent Quincy Jones, das pakistanische Cricket-Idol Imran Khan und Mia Farrow zugegen. Und schliesslich auch das wohl begehrteste Model der damaligen Zeit: «Eine elegante Dame, die aus dem Mercedes stieg und den Bahnsteig hinuntertänzelte, als wäre es ein Catwalk. Kein Zweifel: Es war Naomi Campbell.»

Das berüchtigte Abendessen zuvor

Am Tag zuvor hatte Mandela zum Abendessen in seinem Präsidentenanwesen in Pretoria geladen. «Niemand von uns hätte jemals gedacht, dass diese Tage 13 Jahre später zum Thema eines Gerichtsfalls in Den Haag werden würden.» Das private Ereignis sei als Geste des Anstandes für die Gäste organisiert worden. Campbell, Farrow, die im Gästehaus des Präsidentenanwesens übernachteten, gehörten zu den auserlesenen Gästen.

Und auch Charles Taylor, der nur einen Monat zuvor zum neuen Präsidenten Liberias gewählt wurde, war zugegen. Im Verlaufe des Abends entstand das berühmte Gruppenfoto, das Taylor mit Campbell zeigt. Das Abendessen sei nur ein Nebenaspekt gewesen. Den Prominenten sei es um die Reise im Blue Train gegangen, schreibt Fallon weiter.

Das Geschenk

Was genau in dieser Nacht und am folgenden Morgen geschah, versucht das Gericht in Den Haag herauszufinden. «Wie es aussieht, hatte es Taylor am Mandela-Diner auf Campbell abgesehen, wie so viele Männer in ihrem Leben. Und um die Beziehung wahrscheinlich zu vertiefen, versprach er ihr die Diamanten. Weil Taylor diese aber nicht auf sich hatte, schickte er seine Schläger nach Johannesburg.»

Sie waren es vermutlich, die Campbell in den frühen Morgenstunden weckten und ihr die Diamanten in schlichtem Papier verpackt überbrachten. Campbell bezeichnete sie vor dem Gericht als «dreckig aussehende Steinchen». «Campbell hingegen hatte sich etwas Glitzerndes vorgestellt. Damit hatte es sich Taylor beim Model verspielt.»

Das Gespräch mit Mia Farrow

Am Morgen danach stieg Campbell in den Zug «immer noch aufgeregt von den Vorkommnissen der Nacht», wie Fallon beschreibt. Beim anschliessenden Morgenessen mit Mia Farrow und Campbells Agentin Carole White erzählte das Model von den Geschehnissen der Nacht. Was tatsächlich getratscht wurde, weiss man selbst nach den unterschiedlichen Zeugenaussagen nicht genau. Farrow sagte vor Gericht aus, dass Campbell beim Frühstückstisch von dem Diamanten-Geschenk erzählte – noch «bevor sie sich hingesetzt hatte».

Irgendwann auf der Reise im Blue Train hatte sich Campbell entschieden, sich von den Diamanten zu trennen. Jeremy Ratcliffe, dem Direktor der Kinderstiftung, wurden sie übergeben. Campbell soll ihm gesagt haben, dass es für sie illegal sei, die Diamanten zu besitzen. Ratcliffe hatte ebenfalls ein ungutes Gefühl. Heute weiss man, dass Ratcliffe die Steine mit nach Hause nahm und in einem Safe aufbewahrte. Erst letzte Woche übergab er die Diamanten der Polizei.

Halt in Kimberley

Auf der Reise im Blue Train nach Kapstadt machte die Prominentengruppe schliesslich einen Zwischenhalt in der Stadt Kimberley. «Es ist wohl eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet diese Stadt mit Diamanten reich geworden ist.» Im Mai 2000 hatten sich zudem die Diamanten produzierenden Länder aus dem südlichen Afrika getroffen, um ein System auf die Beine zu stellen, das über staatliche Herkunftszertifikate den Handel mit sogenannten Blutdiamanten verhindern soll.

Am Bahnhof in Kimberley angekommen, soll Mandela bei dieser Gelegenheit der wartenden Menge am Bahnhof gesagt haben: «Ich weiss, dass ihr nicht hierhergekommen seid, um einen alten Knastbruder wie mich zu sehen. Ihr seid für Naomi Campbell, die schönste Frau der Welt, gekommen.» Heute wünscht sich wohl das Model, dass sie von Mandela nie eingeladen worden wäre.

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