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Mission erfüllt – vorerst

Moskau sitzt nun als Vermittler am Verhandlungstisch, wenn es um die Zukunft Syriens geht – auf Augenhöhe mit den USA, oder vielleicht sogar noch etwas höher.

So überraschend wie der russische Präsident vor bald einem halben Jahr seine Luftwaffe nach Syrien verlegte, so überraschend zieht er sie nun wieder ab. Russland habe seine Mission in Syrien grösstenteils erfüllt, sagt Wladimir Putin. Gestern verliessen die ersten Kampfjets das Bürgerkriegsland – zu Hause wurden die Piloten wie Helden empfangen.

Obwohl in Syrien noch gar nichts geregelt ist und ein Verhandlungsprozess in Genf erst anläuft, ist man in der Logik des Kreml am Ziel: Der syrische Diktator Bashar al-Assad ist bis auf weiteres gerettet, eine Verhandlungslösung ohne ihn undenkbar. Putin hat Russland aus der Isolation herausgebracht, in die es wegen der Ukrainekrise geraten war, und zu einem wichtigen internationalen Player gemacht. Moskau sitzt nun als Vermittler am Verhandlungstisch, wenn es um die Zukunft Syriens geht – auf Augenhöhe mit den USA, oder vielleicht sogar noch etwas höher: Schliesslich hat der Westen im seit fünf Jahren andauernden Bürgerkriegsdrama nicht viel mehr als Ratlosigkeit demonstriert. Mit dem Abzug ist Russland fein raus aus dem syrischen Sumpf. Eine tragfähige politische Lösung soll nun der Westen erarbeiten, der Russland dabei wohl oder übel ein Vetorecht einräumen muss.

Natürlich ist es für Syrien ein Fortschritt, wenn der russische Luftkampf auf Dauer eingestellt wird, der laut Menschenrechtlern Hunderte Zivilisten das Leben gekostet und Zehntausende in die Flucht getrieben hat. Und es ist sicher auch ein wichtiges Signal nach Genf, dass der Konflikt endlich am Verhandlungstisch angegangen werden muss. Allerdings können neue russische Überraschungscoups nicht ausgeschlossen werden. Noch ist unklar, wie viele Angriffe Moskau in Zukunft fliegen wird und gegen wen, denn es werden nicht die ganzen russischen Streitkräfte abgezogen. Und schliesslich können Moskaus Kampfjets genauso schnell wieder zurück sein, wie sie das Land jetzt verlassen, sollten die Verhandlungen eine unerwünschte Wende nehmen, die Kämpfe wieder aufflammen und Assad in Bedrängnis geraten.

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