Zum Hauptinhalt springen

Kurden erobern Kobane von IS-Kämpfern zurück

Mehr als vier Monaten ist in Kobane erbittert gekämpft worden. Nun vermelden die kurdischen Peschmerga: Sie haben die Kämpfer des islamischen Staates komplett aus der syrischen Grenzstadt vertrieben.

IS-frei: Die kurdischen Truppen kontrollieren die Grenzstadt Kobane offenbar wieder. (26. Januar 2015)
IS-frei: Die kurdischen Truppen kontrollieren die Grenzstadt Kobane offenbar wieder. (26. Januar 2015)
Keystone

Nach monatelangen Kämpfen ist die Terrormiliz Islamischer Staat nach kurdischen Angaben fast vollständig aus der nordsyrischen Stadt Kobane vertrieben. Peschmerga-Kämpfer hissten die kurdische Flagge auf einem Berg nahe der strategisch wichtigen Stadt an der türkischen Grenze. Die Rückeroberung gilt als grosser Erfolg der kurdischen Kämpfer, die von Luftangriffen des US-geführten Bündnisses gegen den IS unterstützt werden. Seit Ende September war um Kobane gekämpft worden.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in Opposition zu Präsident Bashar al-Assad steht und auf ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort vertraut, teilte mit: Der IS sei vollständig vertrieben worden. Es gebe lediglich noch sporadische Gefechte in den östlichsten Ecken der Stadt. Kurdenvertreter Idriss Nassan sagte, am Dienstag werde die Stadt komplett frei sein.

Zerstrittene syrischen Opposition

Auf der Suche nach einer Lösung für den syrischen Bürgerkrieg insgesamt begann in Moskau ein von Russland anberaumtes Treffen, dem allerdings nur geringe Erfolgsaussichten zugeschrieben wurden. Assad äusserte sich kritisch über die Vertreter der Opposition. Sie seien «Marionetten», die nicht einmal von den bewaffneten Rebellengruppen als Repräsentanten anerkannt würden, sagte Assad dem US-Magazin «Foreign Affairs».

Die syrische Opposition ist zersplittert. Die grösste Gruppe, die vom Westen unterstützte Syrische Nationalkoalition, nimmt an dem Treffen in Moskau nicht teil. In dem fast vier Jahre währenden syrischen Bürgerkrieg starben bisher mehr als 220'000 Menschen, fast vier Millionen Syrer flüchteten.

IS wuchs im Vakuum

Der Kampf um Kobane entwickelte sich im Windschatten des syrischen Bürgerkriegs mit dem Erstarken des IS, der seit seinem schnellen Vormarsch im vergangenen Sommer jeweils ein Drittel von Syrien und Irak kontrolliert und in dem gesamten Gebiet ein Kalifat ausrief. Im September begann die sunnitische Terrormiliz damit, rund 300 kurdische Dörfer um Kobane einzunehmen. Tausende Anwohner flohen in die Türkei.

Zudem gelang es dem IS, die Stadt selbst zur Hälfte zu erobern. Die vollständige Einnahme von Kobane hätte dem IS die Kontrolle zu einem Grenzübergang in die Türkei gegeben und eine direkte Verbindungslinie zwischen den von ihm kontrollierten Gebieten in Syrien und dem Irak geschaffen.

Luftschläge auf Kobane fokussiert

Die USA rückten deshalb den Kampf um Kobane in den Mittelpunkt ihrer Strategie gegen den IS. Seit dem 23. September 2014 flog das internationale Bündnis durchschnittlich fast sechs Luftangriffe täglich, wobei sich 80 Prozent der Schläge auf Kobane und Umgebung konzentrierten. Die USA teilten mit, sie hätten allein in den letzten 24 Stunden 17 Luftangriffe geflogen, durch die die Nachschubwege der Terroristen und ihre Kampfstellungen getroffen worden seien.

Unterstützung bekamen die kurdischen Kämpfer auch aus dem Irak von den dort schwer bewaffneten kurdischen Peschmerga-Einheiten. Noch im Oktober war der IS sich des Sieges über Kobane sicher gewesen und hatte sich in einem Propagandavideo gebrüstet, trotz der US-Luftschläge so tief vorgedrungen zu sein.

In den Gefechten um Kobane sind mehr als 1600 Menschen gestorben, darunter 1075 IS-Kämpfer, 459 kurdische Kämpfer und 32 Zivilisten, wie die Syrische Beobachtungsstelle kürzlich mitteilte. Der IS, der immer stärker unter Druck gerate, habe in den vergangenen Wochen mehr als 35 Selbstmordanschläge in Kobane verübt, sagten Aktivisten.

AP/thu

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch