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Krawalle nach mutmasslichem Racheakt in Israel

Nach dem Mord an drei israelischen Jugendlichen wird ein arabischer Teenager als entführt gemeldet, die Polizei findet eine Leiche. Ob Rache oder anders motiviertes Verbrechen - der Fall führt zu neuer Gewalt.

Die israelische Armee reagiert mit einer Militäroffensive auf die Entführung der drei Studenten: Eine Leuchtkugel nach einem Luftschlag über Gaza.
Die israelische Armee reagiert mit einer Militäroffensive auf die Entführung der drei Studenten: Eine Leuchtkugel nach einem Luftschlag über Gaza.
Mahmud Hams, AFP
Bild der Zerstörung: Ein palästinensischer Kameramann in Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Armee. (3. Juni 2014)
Bild der Zerstörung: Ein palästinensischer Kameramann in Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Armee. (3. Juni 2014)
Mohammed Abed, AFP
Droht mit einer Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen: Israels Präsident Benjamin Netanyahu.
Droht mit einer Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen: Israels Präsident Benjamin Netanyahu.
Reuters
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Die Entführung eines arabischen Jugendlichen und der Fund einer Leiche haben am Mittwoch in Jerusalem zu Gewaltausbrüchen geführt. Hunderte Palästinenser steckten im Osten der Stadt Stationen der Stadtbahn an und warfen Steine auf israelische Polizisten, die Tränengas und Blendgranaten einsetzten. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Offen blieb zunächst, ob es sich bei der in einem Waldstück gefundenen Leiche um den als entführt gemeldeten 17-jährigen Jugendlichen handelt.

Palästinenser sprachen von einem Racheakt jüdischer Siedler für den Mord an den drei israelischen Religionsschülern. Die Vereinten Nationen und die USA verurteilten den «feigen Mord» an dem Teenager. Der UN-Sondergesandte in Israel, Robert Serry, rief zudem alle Seiten auf, nicht noch weiter eine ohnehin schon angespannte Atmosphäre weiter aufzuheizen.

Der Tote sei noch nicht identifiziert, teilte Polizeisprecher Micky Rosenfeld mit. Die Familie des Jugendlichen sagte indes, sie habe die Leiche von Mohammed Abu Cheir identifiziert. Der Cousin des Jungen erklärte, die Familie glaube, es habe sich um einen Racheakt gehandelt. «Das war ein klares Verbrechen von Siedlern als Vergeltung für den Mord an den drei israelischen Jugendlichen», sagte er.

«Alles wird untersucht»

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas beschuldigte ebenfalls jüdische Siedler des «Tötens und Verbrennens eines kleinen Jungen». Er forderte von Israel, die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu mahnte zur Vorsicht. Er wies die Behörden an, den «verwerflichen Mord» schnell zu untersuchen. Zudem rief er alle Seiten auf, das Gesetz nicht in die eigenen Hände zu nehmen.

«Alles wird untersucht», sagte Israels Minister für Öffentliche Sicherheit, Izchak Aharonovich, im Radio. «Es gibt eine kriminelle Möglichkeit und auch eine politische (für das Verbrechen). Ich rufe jeden auf, «Lasst uns geduldig abwarten».»

Heiliger Ort abgesperrt

Auch andere Regierungsstellen ermahnten die Bevölkerung, während der laufenden Ermittlungen Ruhe zu bewahren in der Hoffnung, die Gewalt stoppen zu können. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden nach Angaben von Rosenfeld verstärkt, während die Zusammenstösse den ganzen Tag weitergingen. Zusätzliche Polizeieinheiten waren im Einsatz. Die Polizei sperrte einen heiligen Ort in der Jerusalemer Altstadt für Touristen, nachdem dort Steine geworfen worden waren. Auch der Betrieb der Stadtbahn wurde unterbrochen.

Die Polizei war am frühen Morgen informiert worden, dass ein arabischer Jugendlicher in einem palästinensischen Viertel in Ostjerusalem gewaltsam in ein Auto gezerrt worden sei. Eine Stunde später sei eine Leiche in einem Wald ausserhalb der Stadt gefunden worden, teilte Polizeisprecher Rosenfeld mit.

Die drei israelischen Jugendlichen waren am 12. Juni im Westjordanland nahe Hebron verschwunden und am Montag in derselben Gegend tot aufgefunden worden. Die Regierung macht die radikale Palästinenserorganisation Hamas für die Tat verantwortlich.

AFP/sda/AP/rub

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