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Kenias Luftwaffe bombardiert zwei Terror-Camps der al-Shabaab

Rache für das Uni-Massaker in Garissa: Zwei kenianische Kampfjets haben Al-Shabaab-Stellungen in Gondodowe und Ismail in Somalia angegriffen.

Die Al-Shabaab-Miliz hat wiederholt Ziele in Kenia attackiert: Kenianische Streitkräfte in Garissa nach dem Uni-Massaker. (4. April 2015)
Die Al-Shabaab-Miliz hat wiederholt Ziele in Kenia attackiert: Kenianische Streitkräfte in Garissa nach dem Uni-Massaker. (4. April 2015)
AP Photo/Ben Curtis

Vier Tage nach dem tödlichen Angriff der somalischen Shebab-Miliz auf eine Universität in Kenia hat die kenianische Luftwaffe zwei Lager der Islamisten im benachbarten Somalia bombardiert. Die beiden Stellungen in der südlichen Region Gedo seien zerstört worden, sagte Armeesprecher David Obonyo.

Nach dem Angriff auf die Universität mit 148 Toten hatte Präsident Uhuru Kenyatta den Islamisten mit Vergeltung gedroht. Mit dem Massaker auf dem Universitätscampus in Garissa wollte die Shebab-Miliz die kenianische Armee zum Rückzug aus Somalia zwingen, wo sie sich am Einsatz der Afrikanischen Union gegen die islamistischen Rebellen beteiligt. Die Miliz hatte am Samstag mit einem weiteren Blutbad gedroht, sollte Kenia seine Angriffe fortsetzen. Armeesprecher Obonyo kündigte nun weitere Bombardierungen an.

Kenianer werfen der Regierung Versagen vor. (Video: Reuters)

Unter den Opfern des stundenlangen Massakers am Donnerstag waren 142 vorwiegend christliche Studenten, drei Polizisten sowie drei Soldaten. Die vier Attentäter hatten bewusst nach Christen Ausschau gehalten. Am Samstag wurde eine Überlebende gefunden, die sich zwei Tage lang in einem Schrank versteckt hatte.

Seit Sonntag gedenkt das Land mit einer dreitägigen Staatstrauer den Opfern. In Rom rief Papst Franziskus beim Ostergottesdienst die Menschen in aller Welt auf, für die ermordeten Studenten in Garissa zu beten.

«Gerechtfertigter Zorn»

Präsident Kenyatta warnte ebenso wie der anglikanische Erzbischof von Nairobi, Eliud Wabukala, vor einer Spaltung des Landes. «Gerechtfertigter Zorn» dürfe nicht dazu führen, Muslime zu Sündenböcken zu machen, «denn dies würde nur den Terroristen nutzen», sagte Kenyatta. Im überwiegend christlichen Kenia leben rund 20 Prozent Muslime.

Der stellvertretende Vorsitzende des Rats der Muslime in Kenia, Hassan Ole Naado, sagte, Kenia befinde sich im «Krieg, und wir müssen alle zusammenstehen». Der Rat der Muslime werde dazu beitragen, Geld für die Beerdigung der 148 Toten und für die Behandlungskosten der rund hundert Verletzen aufzubringen.

Die nackten Leichen der vier Attentäter

Bislang wurden fünf Verdächtige festgenommen. Drei mutmassliche Koordinatoren des Angriffs wurden laut Innenministeriumssprecher Mwenda Njoka auf der Flucht nach Somalia gefasst; festgenommen wurden auch ein Wachmann der Universität und ein Tansanier, der sich mit Granaten ausgerüstet auf dem Campus verborgen hatte. Die Regierung setzte zudem eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 200'000 Euro auf die Ergreifung des Shebab-Kommandeurs Mohammed Mohamud aus, eines früheren kenianischen Lehrers, der als Drahtzieher des Anschlags gilt.

Die nackten Leichen der vier Attentäter wurden am Samstag in Garissa von der Polizei öffentlich vorgeführt. Laut Innenministerium handelte es sich bei einem der Täter um den Sohn eines Lokalpolitikers aus dem Bezirk Mandera. Der aus Somalia stammende Abdirahim Abdullahi habe an der Universität von Nairobi Jura studiert und kurz vor seinem Examen gestanden. Er sei von einem Bekannten als «brillanter» aufstrebender Anwalt beschrieben worden. Abdullahis Vater hatte demnach die Behörden unterrichtet, dass sein Sohn verschwunden und möglicherweise nach Somalia gereist sei.

Griffen die Spezialkräfte zu spät ein?

Unterdessen wächst die Kritik der Medien an der Arbeit der Sicherheitskräfte. Warnungen der Geheimdienste vor einem bevorstehenden Angriff wurden demnach übersehen, zudem sollen die Spezialkräfte der Polizei sieben Stunden gebraucht haben, um aus der Hauptstadt Nairobi an den Tatort im Norden des Landes zu gelangen.

Einem Bericht der Zeitung «The Nation» zufolge waren die Spezialkräfte in Nairobi um 05.30 Uhr über den frühmorgendlichen Angriff alarmiert worden. Allerdings traf das Hauptteam erst kurz vor 14.00 Uhr am Tatort ein. Innenminister Joseph Nkaissery wies die Kritik an den Sicherheitskräften zurück. Der Angriff sei «einer dieser Vorfälle, die jedes Land überraschen können».

AP/sda/bru

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