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Kenianischer Uni-Attentäter kam aus wohlhabender Polit-Familie

Ein Politikersohn und Anwalt war einer der Attentäter von Kenia. Die radikalen Islamisten der Al-Shabaab rekrutieren ihre Anhänger auch in den oberen Bildungsschichten Kenias.

Ostergottesdienst unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Polizisten vor einer katholischen Kirche in Garissa. (5. April 2015)
Ostergottesdienst unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Polizisten vor einer katholischen Kirche in Garissa. (5. April 2015)
Goran Tomasevic, Reuters

An dem Überfall auf die Universität in Garissa mit 148 Toten war auch der Sohn eines kenianischen Regierungsbeamten beteiligt. Der Jurist Abdirahim Mohammed Abdullahi, dessen Vater ranghoher Beamter im Bezirk Mandera im Nordosten des Landes ist, wurde als einer der vier getöteten Attentäter identifiziert, wie das kenianische Innenministerium mitteilte.

Der Vater habe seinen Sohn schon 2014 als vermisst gemeldet und erklärt, er befürchte, dass dieser nach Somalia gegangen sei. Abdullahi absolvierte an der Universität von Nairobi 2013 ein Jura-Studium und wurde als «brillanter künftiger Anwalt» gesehen, sagte Innenministeriumssprecher Mwenda Njoka. Wo er arbeitete, bevor er aus Kenia verschwand, war aber unklar.

Zu der Attacke auf den Campus der Universität in Garissa im Osten des Landes am Donnerstag hatte sich die somalische Al-Shabaab-Miliz bekannt. Dabei töteten die radikalislamischen Extremisten gezielt Christen. Der Anschlag war ihren Angaben zufolge ein Vergeltungsakt für die Stationierung kenianischer Truppen in Somalia, die dort im Kampf gegen die Miliz helfen.

Angreifer innerhalb einer halben Stunde getötet

Abdullahis Beteiligung machte aber deutlich, dass auch in Kenia selbst viele junge Menschen radikalisiert werden. Nach Einschätzung der Behörden haben sich Hunderte Kenianer in den vergangenen Jahren von den Extremisten ausbilden lassen und sind nach Kenia zurückgekehrt, um Anschläge zu verüben.

Bei jenem in Garissa gab es nach einem Zeitungsbericht grosse Versäumnisse der Polizei. Erst sieben Stunden nach Bekanntwerden des Falls sei eine Spezialeinheit nach Garissa entsandt worden, berichtete die Zeitung «Daily Nation». Die gut ausgebildeten Soldaten hätten die vier Angreifer dann innerhalb von nur einer halben Stunde getötet. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie aber schon ihre Opfer umgebracht.

Das Blatt warf unter anderem die Frage auf, warum der Innenminister und der Polizeichef noch vor der Spezialeinheit nach Garissa geflogen worden seien. Laut einem Polizeibeamten hatten die Beamten vor Ort zunächst geglaubt, sie könnten die Geiselnahme selbst beenden und hatten erst Hilfe herbeigerufen, nachdem drei Polizisten getötet worden waren.

Ostergottesdienst mit strengen Sicherheitsregeln

In Garissa selbst fanden sich am Sonntag Christen unter starken Sicherheitsvorkehrungen zu einem Ostergottesdienst in einer katholischen Kirche zusammen. Gläubige beteten, weinten und sangen. Sicherheitskräfte bewachten das Gotteshaus von aussen. Es war vor mehreren Jahren ebenfalls Ziel eines Anschlags von Extremisten geworden, damals wurden einige Gläubige verletzt. Am selben Tag griffen Radikale in der Stadt eine zweite Kirche an, dabei starben 17 Menschen.

Die christliche Minderheit in Garissa steht seit dem Angriff unter Schock. «Wir beten und hoffen, dass Gott uns helfen kann, uns in diesen schwierigen Zeiten zu trösten», sagte Gottesdienstbesucher Dominick Odhiambo. Der Klempner überlegt nun, aus Angst vor weiteren Anschlägen aus Garissa wegzuziehen und in seinen Heimatort zurückzukehren.

SDA/thu

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