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Kampfhelikopter machen Jagd auf Rebellen

Bürgerkrieg in Damaskus: In der syrischen Hauptstadt feuern Assads Helikopter mit Maschinengewehren auf Regimegegner. Die Aufständischen sprechen derweil von einer «Schlacht zur Befreiung».

Die syrischen Rebellen haben eine «Schlacht zur Befreiung» von Damaskus angekündigt. Diese Schlacht habe nun begonnen, sagte ein Sprecher der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) über den Internet-Telefondienst Skype der Nachrichtenagentur AFP in Beirut. «Die Kämpfe in der Hauptstadt werden nicht aufhören. Wir werden den Sieg erlangen», sagte der Offizier Kassem Saadeddin.

«Wir haben die Schlacht von der Provinz in die Hauptstadt verlegt», sagte Saadeddin weiter. «Wir haben einen klaren Plan, wie wir Damaskus unter unsere Kontrolle bringen.» Die FSA-Kämpfer verfügten über leichte Waffen, aber die seien für diesen Plan ausreichend. «Machen Sie sich auf Überraschungen gefasst», sagte der Offizier.

Helikopter und Panzer

Die syrischen Streitkräfte haben bei Gefechten in Damaskus nach Angaben von Rebellen erstmals Kampfhelikopter und Panzer eingesetzt. Bei Kämpfen in den Bezirken Kadam und Hadschar al-Aswad der syrischen Hauptstadt hätten Helikopter mit schweren Maschinengewehren auf Regimegegner gefeuert, teilt die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtet, syrische Truppen seien in der Hauptstadt weiterhin auf der Jagd nach «terroristischen Elementen».

Schüsse im Stadtzentrum

Wie Anwohner der Nachrichtenagentur AFP sagten, waren sogar im Stadtzentrum von Damaskus Schüsse zu hören. Auf dem Platz Sabaa Bahrat, wo die syrische Zentralbank ihren Sitz hat, wurde demnach mit Schnellfeuerwaffen geschossen. Die Augenzeugen sagten, Mitglieder der Sicherheitskräfte seien mit Kalaschnikows in der Hand über den Platz gerannt. Auch auf der nahegelegenen Bagdadstrasse wurde demnach geschossen.

Die Aufständischen brachten nach Angaben der Beobachtungsstelle unterdessen auch die Stadt Talbisse an der Grenze zum Libanon unter ihre Kontrolle. Sie kontrollierten mittlerweile alle Posten der Sicherheitskräfte in der Stadt, die zuvor lange unter Beschuss gestanden hatte.

Zuvor hatten die Aufständischen in Syrien eine landesweite Offensive ausgerufen. Die Kommandozentrale der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in Homs rief zu Angriffen auf alle Sitze der Sicherheitskräfte auf.

Die Offensive sei der «erste strategische Schritt» zum zivilen Ungehorsam in ganz Syrien, erklärte die FSA. Ein Aktivist bezeichnete die Entwicklung als «Wendepunkt» in dem seit März 2011 andauernden Aufstand gegen Assad. Ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage:

Sonntag, 15. Juli: Damaskus wird nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte von den heftigsten Kämpfen seit dem Beginn des Aufstandes gegen Staatschef Baschar al-Assad im März 2011 erschüttert. Die Armee feuert mit Mörsergranaten auf Stadtteile, in denen sich Kämpfer der oppositionellen Freien Syrischen Armee verschanzt haben. Gefechte werden aus Tadamon, Kafar Susse und weiteren Stadtvierteln gemeldet.

Montag, 16. Juli: Die Kommandozentrale der Freien Syrischen Armee ruft eine landesweite Offensive gegen die Regierungstruppen aus. In Damaskus wird nun auch auf der Hauptstrasse Chaled bin al-Walid gekämpft, die vom historischen Stadtteil Midan ins Stadtzentrum führt. Die Aufständischen übernehmen nach eigenen Angaben die Kontrolle über Midan und Tadamon. Die Beobachtungsstelle wertet die Kämpfe in Damaskus als «Wendepunkt» im Syrien-Konflikt. Die regierungsnahe Zeitung «Al-Watan» erscheint dagegen mit der Schlagzeile «Damaskus werdet ihr nie bekommen». Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz spricht von einer «Bürgerkriegssituation».

Dienstag, 17. Juli: Augenzeugen berichten von Schüssen im Stadtzentrum von Damaskus. Gekämpft wird auf dem Sabaa-Bahrat-Platz, wo die syrische Zentralbank ihren Sitz hat. Nach Angaben der Beobachtungsstelle werden Midan und weitere Stadtteile weiter von der Armee beschossen. Dabei kommen auch Helikopter zum Einsatz.

Unterdessen warnte Syriens früherer Botschafter in Bagdad, Nawaf Fares, vor dem Einsatz chemischer Waffen durch die Regierung. Er sei überzeugt, dass Assad bereit sei, «das gesamte syrische Volk auszulöschen», um an der Macht zu bleiben, sagte Fares dem britischen Sender BBC. Sollte er weiter in die Enge gedrängt werden, könnte er auch Chemiewaffen verwenden, sagte Fares, der sich von Bagdad nach Katar abgesetzt hatte.

Flüchtlingsstrom hält an

Die Folge der Kämpfe: Der Flüchtlingsstrom aus Syrien reisst nicht ab. Allein am Montagabend hätten 525 Syrer die Grenze in die Türkei überquert, berichtete die halbamtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Darunter seien auch ein General und vier Oberste der syrischen Streitkräfte.

Die Türkei baut angesichts der vielen Flüchtlinge an einem weiteren Lager, das bis zu 10'000 Menschen Platz bieten soll. Es werde nahe der Stadt Karkamis in der Grenzprovinz Gaziantep errichtet, teilte das türkische Zentrum für Krisenmanagement mit. Derzeit sind rund 40'000 syrische Flüchtlinge in zehn Lagern entlang der über 900 Kilometer langen Grenze zwischen der Türkei und Syrien untergebracht.

sda/AFP/rub/bru

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