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«Israel wird das schlucken»

Der Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo ist der bisherige Höhepunkt der jüngsten Spannungen zwischen Israel und Ägypten. Für Nahostexperte Ulrich Tilgner steht aber etwas Anderes im Vordergrund.

Eine Eskalation verhindern: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu versucht die Wogen zu glätten.
Eine Eskalation verhindern: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu versucht die Wogen zu glätten.
Keystone
Angespannte Lage: Die ägyptische Armee bezieht Stellung vor der israelischen Botschaft in Kairo. (10. September 2011)
Angespannte Lage: Die ägyptische Armee bezieht Stellung vor der israelischen Botschaft in Kairo. (10. September 2011)
Keystone
Ein Demonstrant schlägt mit einem Hammer auf die Schutzmauer ein.
Ein Demonstrant schlägt mit einem Hammer auf die Schutzmauer ein.
Keystone
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Israel verurteilte den Sturm auf seine Botschaft in Ägypten als «schwere Verletzung diplomatischer Normen». Premierminister Benjamin Netanyahu forderte Konsequenzen. Wird es beim verbalen Protest bleiben oder ist mit Vergeltungsmassnahmen zu rechnen? Israel wird das schlucken. Die Israelis haben ein ganzes Bündel von Problemen. Netanyahu steht innenpolitisch unter Druck, die Palästinenser streben die Anerkennung ihres Staats durch die UNO an, eine weitere militärische Auseinandersetzung mit der Hamas im Gaza-Streifen konnte gerade abgewendet werden, und die diplomatischen Spannungen mit der Türkei steigen. Die Reaktionen Israels werden sich deshalb im Rahmen halten. Dass Israel nun ein weiteres Pulverfass mit Ägypten öffnet, halte ich für abwegig.

Seit dem Sturz des Mubarak-Regimes betreibt Kairo eine populistischere Politik. Der herrschende Militärrat hat die Grenze zum Gaza-Streifen geöffnet und kokettiert mit dem Iran. Wird Kairo den Bruch der Beziehung zu Israel wagen? Zum Bruch wird es nicht kommen. Aber die Beziehungen könnten nach dem Vorbild der Türkei eingefroren werden.

Was heisst das? Kairo könnte etwa Diplomaten ausweisen oder Gespräche suspendieren. Es wird aber alles davon abhängen, ob die Muslimbrüder Israel zum Thema für die Wahlen im November machen.

Gestern fand erstmals seit Anfang August auch wieder eine Demonstration gegen den Militärrat auf dem Tahrir-Platz statt. Die Islamisten blieben mit der Begründung fern, die Übergangsregierung müsse die Chance erhalten, ihre Beschlüsse umzusetzen. Die Islamisten taktieren. Sie warten ab, ob der säkulare Flügel der Opposition genügend stark wird, um die Wahlen zu gewinnen. Wenn ja, dürften sie mit den Säkularen paktieren. Ansonsten könnten sich die Islamisten an den Militärrat anlehnen, um so durch die Hintertür an die Macht zu kommen.

Wie bedeutend ist der Angriff auf die israelische Botschaft letztlich?

Die Frage, wie sich die Islamisten entwickeln, ist für Ägypten und seine Beziehung zu Israel viel entscheidender als die jüngsten Anti-Israelischen-Ausschreitungen.

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