Israel und Hamas vereinbaren offenbar Waffenruhe

Dank der Vermittlung Ägyptens und der UNO ist im Gazastreifen eine leichte Entspannung in Sicht.

Dritte indirekt ausgehandelte Vereinbarung: Palästinenser in den Trümmern im Gazastreifen. (9. August 2018)

Dritte indirekt ausgehandelte Vereinbarung: Palästinenser in den Trümmern im Gazastreifen. (9. August 2018) Bild: Haitham Imad/Keystone

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Nach einer neuerlichen Gewalteskalation zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen ist möglicherweise eine leichte Entspannung in Sicht: Unter Vermittlung Ägyptens und der UNO sei eine Feuerpause vermittelt worden, verlautete aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Sollte die Feuerpause bestätigt werden, wäre es bereits die dritte indirekt ausgehandelte derartige Vereinbarung innerhalb eines Monats.

Die Lage war dennoch zunächst weiter angespannt: Am späten Donnerstagabend erklärte das israelische Sicherheitskabinett, die Armee sei angewiesen worden, «weiterhin entschieden gegen terroristische Elemente vorzugehen». Im Süden Israels heulten auch am Abend die Sirenen, israelische Medien berichteten von mindestens zwei Raketen, die auf offenem Gelände eingeschlagen seien.

Seit Mittwochabend hatte die israelische Luftwaffe als Reaktion auf massiven Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zahlreiche Ziele in dem Palästinensergebiet bombardiert. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben drei Palästinenser getötet und mindestens 18 weitere verletzt. Auf israelischer Seite gab es sieben Verletzte.

Rakete bis tief ins Landesinnere

Am Donnerstagmittag unterbrachen die palästinensischen Kämpfer und die israelische Armee ihre anhaltenden Angriffe für mehrere Stunden. Später attackierte die israelische Luftwaffe dann ein Kulturzentrum in Gaza-Stadt, in dem sich nach Angaben desselben auch Büros der ägyptischen Gemeinde in Gaza befand. Der israelischen Armee zufolge benutzten Sicherheitskräfte der im Gazastreifen herrschenden Hamas das fünfstöckige Gebäude «zu militärischen Zwecken».

Zuvor war eine Rakete aus dem Gazastreifen auf israelischem Gebiet in der Nähe der südlichen Stadt Beerscheba eingeschlagen. Verletzte oder Schäden gab es dabei nicht. Es war das erste Mal seit dem Gazakrieg von 2014, dass ein Geschoss aus dem Palästinensergebiet so tief ins Landesinnere vordrang. Beerscheba ist etwa 40 Kilometer vom Gazastreifen entfernt.

Zwischen Mittwochabend und Donnerstagmittag waren nach israelischen Angaben mehr als 180 Raketen und Granaten aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuert worden. Die israelische Armee sprach von sieben verletzten Zivilisten. Zahlreiche Bewohner der Region brachten sich in Schutzräumen in Sicherheit. Die meisten Geschosse landeten auf unbewohntem Gebiet oder wurden abgefangen. Allerdings wurde auch die Stadt Sderot von mindestens zwei Geschossen getroffen.

30-jährige Thailänderin verletzt

Nach Angaben örtlicher Rettungskräfte wurden mindestens vier Menschen mit Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert, darunter eine in der Region Eschkol schwerverletzte 30-jährige Thailänderin.

Israel reagierte nach Armeeangaben mit Luftangriffen auf 150 militärische Ziele der Hamas. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei ein Mitglied des bewaffneten Arms der Hamas sowie eine 23-jährige Schwangere und ihre 18 Monate alte Tochter getötet – der Familienvater wurde bei dem Angriff in Dschafarawi im Zentrum des Gazastreifens verletzt.

Zu den Angriffen auf Israel bekannte sich der bewaffnete Arm der Hamas. Die Palästinenserorganisation hatte nach der Tötung zweier ihrer Mitglieder durch die israelische Armee am Dienstag mit Vergeltung gedroht. Der Tötung der Hamas-Mitglieder war ein Beschuss israelischer Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen vorausgegangen. Der UN-Nahostgesandte Nickolai Mladenow zeigte sich «alarmiert über die jüngste Eskalation der Gewalt zwischen dem Gazastreifen und Israel und insbesondere über die zahlreichen auf Gemeinden im Süden Israels abgefeuerten Raketen». Er rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas forderte die internationale Gemeinschaft zu einem «sofortigen» Eingreifen auf.

Die Lage im Nahen Osten ist seit Monaten gespannt. Seit Ende März gibt es an der Grenze des Gazastreifens zu Israel immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee. Mindestens 165 Palästinenser und ein israelischer Soldat wurden seitdem getötet. (chk/AFP)

Erstellt: 10.08.2018, 02:41 Uhr

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