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Israel übt Vergeltung gegen die Hamas

Die im Westjordanland vermissten drei Talmudschüler sind tot aufgefunden worden. Die israelische Armee hat daraufhin 34 Ziele im Gazastreifen beschossen. Heute könnten «harte» Massnahmen folgen.

Die israelische Armee reagiert mit einer Militäroffensive auf die Entführung der drei Studenten: Eine Leuchtkugel nach einem Luftschlag über Gaza.
Die israelische Armee reagiert mit einer Militäroffensive auf die Entführung der drei Studenten: Eine Leuchtkugel nach einem Luftschlag über Gaza.
Mahmud Hams, AFP
Bild der Zerstörung: Ein palästinensischer Kameramann in Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Armee. (3. Juni 2014)
Bild der Zerstörung: Ein palästinensischer Kameramann in Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Armee. (3. Juni 2014)
Mohammed Abed, AFP
Droht mit einer Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen: Israels Präsident Benjamin Netanyahu.
Droht mit einer Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen: Israels Präsident Benjamin Netanyahu.
Reuters
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Die israelische Luftwaffe hat laut Armeeangaben in der Nacht auf heute Angriffe gegen Ziele im Gazastreifen geflogen. Es seien «Präzisionsschläge» gegen 34 Ziele geführt worden, teilten die Streitkräfte mit. Sicherheitsleute der radikalislamischen Hamas erklärten, es seien mehr als 25 Luftangriffe innerhalb von weniger als zehn Minuten gewesen. Augenzeugen sprachen von Dutzenden von Explosionen.

Ziele seien Militäreinrichtungen der Hamas und des Islamischen Jihad gewesen. Die Einrichtungen seien in Erwartung israelischer Luftangriffe bereits vorher evakuiert gewesen. Auch von der See habe die israelische Marine den nördlichen Gazastreifen beschossen. Augenzeugen berichteten, überall seien Explosionen zu hören gewesen. Nach Angaben des medizinischen Dienstes im Gazastreifen wurden bei Chan Junis vier Menschen verletzt. Eine Person wurde vermisst.

Zuvor hatten Palästinenser Israel mit Raketen beschossen. Seit Sonntagabend seien mehr als 18 Raketen abgefeuert worden.

Kabinett berät über weitere Massnahmen

Wenige Stunden vor den israelischen Luftschlägen waren auch die Leichen von drei vermissten israelischen Jugendlichen im Westjordanland gefunden worden. Israel hatte die Hamas-Bewegung seit dem Verschwinden der drei Talmudschüler für deren Entführung verantwortlich gemacht und bei einem Grosseinsatz 420 Palästinenser festgenommen, die meisten von ihnen Hamas-Mitglieder. Fünf Palästinenser wurden getötet.

Die israelischen Luftschläge kamen nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Vorsitz von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, bei der über eine Reaktion auf die Leichenfunde beraten wurde. Das Kabinett hat nach Medienangaben keine unmittelbare Entscheidung über harte Massnahmen getroffen. Das Gremium werde am Dienstag nach der Beerdigung erneut zusammentreten, sagte ein hoher israelischer Beamter nach Angaben der Zeitung «Haaretz».

«Sie lagen unter einem Steinhaufen»

Die seit mehr als zwei Wochen im Westjordanland vermissten israelischen Jugendlichen wurden unter einem Steinhaufen auf einem Feld in der Nähe von Hebron gefunden, wie die Regierung in Jerusalem am Abend bekannt gab.

Schüler einer nahe gelegenen Feldschule, die sich an der breit angelegten Suchaktion beteiligt hatten, seien auf den Steinhaufen unter einem Gebüsch aufmerksam geworden, berichtete das israelische Fernsehen. Ein Sprecher des israelischen Militärs erklärte, die drei Jugendlichen seien offenbar entführt und kurz darauf erschossen worden.

«Für die Mörder von Kindern und ihren Hintermännern kann es keine Vergebung geben», erklärte Wirtschaftsminister Naftali Bennett in einer ersten Stellungnahme. «Jetzt ist die Zeit zu handeln.»

«Hamas ist verantwortlich und Hamas wird dafür bezahlen», sagte Netanyahu am Montagabend laut seinem Büro. Der Tod der Talmudschüler sorgte international für Entsetzen. In der Nacht zu Dienstag zerstörte die Armee laut Zeugen die Häuser von zwei Hauptverdächtigen in Hebron. In einer ersten Reaktion sagte Netanyahu: «Sie wurden entführt und kaltblütig ermordet von Tieren in Menschengestalt».

Die Hamas, die stets jede Verwicklung in die Tat bestritten hat, drohte ihrerseits, eine israelische Offensive werde für Israel «das Tor der Hölle öffnen».

Leichen wurden zur Autopsie gebracht

Tausende Soldaten riegelten am Abend Halhul und Hebron ab. Die Leichen wurden zur Autopsie gebracht. Laut israelischen Medienberichten sollten die Toten offiziell identifiziert sowie ihr Todeszeitpunkt festgestellt werden. Vermutlich seien die zwei 16-Jährigen und ein 19-Jähriger bereits kurz nach ihrem Verschwinden getötet worden.

Die Häuser zweier von Israel der Tat verdächtigten Hamas-Mitglieder in Hebron seien gesprengt worden, sagten Zeugen AFP am späten Montagabend. Die beiden Männer waren demnach auf der Flucht. Menschenrechtsorganisationen hatten zuvor gewarnt, dass Israel zu der Praxis zurückkehren könnte, die Häuser mutmasslicher Attentäter zu zerstören, wie dies bis 2005 immer wieder geschehen war. Die israelische Organisation B'Tselem verurteilte die Entführung und die Ermordung der drei Jugendlichen, rief aber zugleich die Regierung auf, von «Racheakten» abzusehen und keine «Kollektivbestrafungen» vorzunehmen.

Weltweite Empörung

US-Präsident Barack Obama hat die Ermordung der drei entführten israelischen Jugendlichen auf das Schärfste verurteilt. Obama bezeichnete die Tat als «sinnlosen Terrorakt gegen unschuldige Jugendliche» und sprach den Familien der drei Teenager sein tiefstes Mitgefühl aus,.

Dies teilte das Weisse Haus am Montag in Washington mit. Obama habe Israel und den Palästinensern die volle Unterstützung der USA zugesichert, um die Täter zur Rechenschaft zu bringen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel reagierte «geschockt» auf die Nachricht vom Tod der drei israelischen Jugendlichen. «Es handelt sich um eine verabscheuenswürdige Tat, für die es keinerlei Entschuldigung geben kann», erklärte Merkel am Montagabend in Berlin. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Freunden der Jugendlichen.

Auch der französische Präsident François Hollande und der britische Premier David Cameron haben die Ermordung auf das Schärfste verurteilt. Während Hollande von einem «feigen Mord» sprach, verurteilte Cameron den «entsetzlichen und unentschuldbaren Terrorakt». Er sei «zutiefst betrübt», fügte der britische Premier in einer am Montagabend in London verbreiteten Erklärung hinzu. Cameron und Hollande sprachen den Familien der drei Jugendlichen ihr Mitgefühl aus.

«Der Papst schliesst sich dem Schmerz der Familien an»

Auch Papst Franziskus hat den Familien der drei ermordeten israelischen Jugendlichen sein Mitgefühl ausgesprochen. «Papst Franziskus schliesst sich dem unsagbaren Schmerz der Familien an, die von dieser mörderischen Gewalt getroffen wurden», erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Montagabend in Rom.

Die Ermordung unschuldiger Menschen sei ein «verabscheuenswertes und indiskutables Verbrechen» und ein «schlimmes Hindernis auf dem Weg zum Frieden, den wir unermüdlich weitergehen müssen und für den wir uns einsetzen und beten müssen.»

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte, er hoffe, dass Israelis und Palästinenser «zusammen arbeiten werden, um schnell die Verantwortlichen zu finden und vor Gericht zu stellen». Der britische Premier David Cameron sprach von einem «unentschuldbaren Terrorakt».

(sda/AP/AFP)

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