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Islamisten töten auf Sinai-Halbinsel einen Soldaten

Auf dem Sinai griffen militante Extremisten einen Armeestützpunkt an. Dabei gab es einen Toten und mehrere Verletzte. Derweil bangt Ägypten um die Milliardenzahlungen aus den USA.

Die Regierungsbildung schreitet voran: Mohammed al-Baradei wird vom Interimspräsidenten Adli Mansur als Vizepräsident vereidigt. (14. Juli 2013)
Die Regierungsbildung schreitet voran: Mohammed al-Baradei wird vom Interimspräsidenten Adli Mansur als Vizepräsident vereidigt. (14. Juli 2013)
AP/zvg
Angriff der Islamisten: Ein zerstörtes Panzerfahrzeug in al-Arish. (12. Juli 2013)
Angriff der Islamisten: Ein zerstörtes Panzerfahrzeug in al-Arish. (12. Juli 2013)
AP Photo/Muhammed Sabry
Ende Juni intensivierten sich die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Mursi. Die Forderung auf dem Tahrir-Platz ist missverständlich. (30. Juni 2013)
Ende Juni intensivierten sich die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Mursi. Die Forderung auf dem Tahrir-Platz ist missverständlich. (30. Juni 2013)
Keystone
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Bei Angriffen von Islamisten auf Armee- und Polizeiposten auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel ist nach Medizinerangaben mindestens ein Soldat getötet worden. Zwei weitere Soldaten wurden demnach bei dem Angriff auf eine Kontrollstelle der Armee in Al-Gura im Norden des Sinai in der Nacht zum Freitag verletzt.

Nach Angaben von Sicherheitskräften wurden auch ein Polizeiposten sowie die Zentrale des Militärgeheimdienstes in der Grenzstadt Rafah mit Raketen und Maschinengewehren angegriffen.

Seit der langjährige ägyptische Präsident Hosni Mubarak im Jahr 2011 durch einen Volksaufstand gestürzt wurde, hat sich die Sicherheitslage auf der Sinai-Halbinsel zunehmend verschlechtert. Islamisten nutzen den dünn besiedelten Norden der Halbinsel als Ausgangspunkt für Angriffe auf die Sicherheitskräfte sowie das benachbarte Israel.

Ägyptens Aussenminister telefoniert mit John Kerry

Der Sturz von Präsident Mohammed Mursi war dem ägyptischen Aussenminister zufolge kein Putsch. In einem Telefonat sagte der Mohamed Kamel Amr seinem US-Amtskollegen John Kerry am Donnerstag, das Militär habe sich nicht an die Macht geputscht.

«Amerika ist ein strategischer Partner Ägyptens und das Wohlergehen Ägyptens ist den USA wichtig», sagte Amr, der bis zur Einsetzung einer Technokraten-Regierung das Land nach aussen vertritt.

«Ich hoffe, dass die USA die Situation richtig interpretieren. Es war der Wille der überwältigenden Mehrheit des Volkes», sagte der Diplomat. Kerry habe ihm versichert, dass Ägypten ein strategischer Verbündeter sei, dessen Stabilität entscheidend sei.

Putsch hätte folgen für Ägypten

Die Definition der Geschehnisse am Mittwoch in Kairo ist wichtig, weil ein Militäraufstand zur Entmachtung eines frei gewählten Staatspräsidenten in der Regel Wirtschaftssanktionen nach sich zieht. Ägypten ist von US-Finanzhilfen abhängig.

Die Bezeichnung «Putsch» lehnen die Generäle auch deshalb ab, weil sie nicht selbst die Macht übernehmen wollen. Ausserdem berufen sie sich auf die Millionen Teilnehmer an den Protesten der vergangenen Tage.

Muslimbruderschaft ruft zum «Tag des Zorns»

Die ägyptische Muslimbruderschaft hat für heute Freitag zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen, um gegen die Absetzung von Präsident Mohammed Mursi zu protestieren. Das Vorgehen der Streitkräfte sei ein Putsch gegen die Demokratie, hiess es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Mit dem am Donnerstag vereidigten Übergangspräsidenten Adli Mansur werde sie nicht zusammenarbeiten.

Mehrere Führungsmitglieder der Muslimbruderschaft riefen ihre Anhänger auf, die Proteste friedlich zu halten. «Wir erklären die völlige Ablehnung des Militärputschs gegen den gewählten Präsidenten und den Willen unserer Nation», hiess es in der von dem Geistlichen Abdel Rahman el Barr vor einer Kairoer Moschee verlesenen Erklärung. «Wir lehnen es ab, an jeglichen Aktivitäten der umstürzenden Behörden teilzunehmen.»

Die Muslimbruderschaft verurteilte die Schliessung ihr nahestehender Medien durch die Behörden als Praktiken «der dunklen, repressiven, diktatorischen und korrupten Zeiten». Tausende seit Tagen vor der Moschee Rabia al Adawija versammelten Mursi-Anhänger wollen am Freitag zum Verteidigungsministerium marschieren.

Die Muslimbruderschaft und ihr nahestehende islamistische Organisationen haben angekündigt, die Proteste zu intensivieren, sollte das Militär nicht einlenken. Zudem haben einige ehemalige militante Extremisten bereits geschworen, den Kampf aufzunehmen.

Militär ruft Volk zur Versöhnung auf

Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi hat das Militär des Landes zur nationalen Versöhnung aufgerufen. Die Ägypter sollten auf Racheakte verzichten, hiess es in einer in der Nacht zum Freitag veröffentlichten Erklärung.

Jegliche «aussergewöhnlichen und willkürlichen Massnahmen» gegen politische Bewegungen sollten vermieden werden. «Friedliche Versammlungen» und Redefreiheit seien garantierte Rechte, betonte das Militär. Anhänger des gestürzten Präsidenten haben für Freitag zu landesweiten Protesten aufgerufen.

Nach tagelangen Massenprotesten mit dutzenden Todesopfern hatte die Armeeführung Mursi am Mittwoch entmachtet und festgenommen. Die Sicherheitskräfte gingen zudem gegen Mursis politische Heimat der Muslimbrüder vor und verhafteten mehrere Anführer.

Die islamistisch geprägte Verfassung wurde ausser Kraft gesetzt und soll überarbeitet werden. Übergangspräsident ist der bislang weitgehend unbekannte Verfassungsrechtler Adli Mansur. Der 67-Jährige soll in der Übergangsperiode an der Spitze eines dreiköpfigen Präsidialrats stehen.

sda/AFP/AP/chk

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