Irakische Armee nimmt Flughafen von Mosul ein

Die von den USA unterstützten irakischen Sicherheitskräfte haben den Flughafen der umkämpften Grossstadt unter Kontrolle.

Zurückerobert: Die von den USA unterstützten irakischen Sicherheitskräfte haben den Flughafen gestürmt. (22. Februar 2017)

Irakische Soldaten machen Victory-Zeichen und schwenken die Landesflagge: Diese Bilder hat das irakische Staatsfernsehen am Donnerstag verbreitet. Die Soldaten haben den strategisch wichtigen Flughafen der IS-Hochburg Mosul eingenommen.

Das etwa drei Kilometer lange Gelände sei komplett aus der Hand der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit worden, hiess es im Staatsfernsehen. Es berief sich dabei auf seinen eigenen Korrespondenten in der ehemaligen Millionenstadt.

Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, Elitetruppen des Innenministeriums und Polizisten rückten mit Unterstützung von Drohnen, Kampfjets und Helikoptern auf den stillgelegten Flughafen am südlichen Stadtrand Mosuls vor.

«Technische Einheiten machten Strasse frei»

Sie gelangten von Südwesten her auf das schwer zerstörte Gelände. «Wir sind in den Flughafen eingedrungen und technische Einheiten machen die Strassen frei», sagte der Kommandant Hischam Abdul Kadhem.

Zeitgleich wurde auch eine von den Jihadisten besetzte benachbarte Militärbasis von den Soldaten angegriffen. Die beiden Ziele südlich der Innenstadt gelten als wichtiger Ausgangspunkt für die schwierige Befreiung Westmosuls von der Herrschaft der sunnitischen Terrormiliz IS. Sie liegen zudem an der Verbindungsstrasse nach Bagdad.

Wenig Gegenwehr

Das rasche Vorrücken der Armee auf den Flughafen und Bilder des irakischen Staatsfernsehens liessen darauf schliessen, dass die Soldaten nur auf verhaltene Gegenwehr des IS stiessen.

Zunächst war aber nicht vollkommen klar, ob sich nicht noch Jihadisten in Teilen des Gebäudes aufhielten. Es werde angenommen, dass sich Dutzende IS-Kämpfer mit Sprengstoffgürteln im Flughafen befänden, sagte ein Angehöriger der Sicherheitskräfte, der nicht namentlich genannt werden wollte. Deshalb wurden das Flughafengelände und eine angrenzende ehemalige Zuckerfabrik lange bombardiert.

US-Beamte hatten am Montag erklärt, dass sich in ganz Mosul insgesamt nur noch rund 2000 Jihadisten aufhalten. Neben tausenden irakischen Truppen waren auch US-Soldaten am Vormarsch auf den Flughafen beteiligt.

Die US-Sondereinheiten, die eigentlich nur als Berater im Irak sind, waren der Front zuletzt immer näher gekommen, sodass sie sogar in Feuergefechte verwickelt wurden, wie der US-Oberst John Dorrian am Mittwoch bestätigte. Sie seien «verschiedene Male unter Beschuss gekommen, und sie haben den Beschuss erwidert». Auch am Donnerstag waren US-Soldaten an vorderster Front zu sehen.

Irakische Regierungskräfte hatten im Oktober mit der Offensive auf Mosul begonnen. Ende Januar konnten sie den Ostteil der Stadt komplett einnehmen. Mosul ist die letzte grosse Hochburg des IS im Irak. Sollte die Terrormiliz die Grossstadt verlieren, wäre sie militärisch im Land weitgehend besiegt.

Zivilisten in Gefahr

Die Befreiung Westmosuls wird aber als aufwendiger eingeschätzt als die Eroberung des Ostteils der Stadt. Es halten sich dort viele Zivilisten auf; zudem ist das Gebiet teilweise eng bebaut. Dies macht eine Einnahme schwierig, weil der IS sich besser verschanzen und Sprengfallen aufstellen kann. Die Schlacht um Mosul könnte noch Monate andauern.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in den Vierteln westlich des Flusses Tigris etwa 750'000 Unbeteiligte leben, darunter viele Kinder. Berichten zufolge wurden Zivilisten in der Vergangenheit als menschliche Schutzschilde benutzt.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte mit, es werde mehr Helfer nach Mosul entsenden. «Wenn die Menschen aus dem westlichen Teil Mosuls anfangen zu fliehen, erwarten wir, dass viele in schlechtem Zustand sein werden.» Es mangle in dem Stadtteil an Lebensmitteln, Wasser, Benzin und Medikamenten.

Die IKRK-Delegationsleiterin im Irak, Katharina Ritz, forderte alle Seiten dazu auf, Zivilisten zu schützen und denjenigen sicheres Geleit zu garantieren, die die Stadt verlassen wollten.

nag/AFP

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt