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Irakische Armee erreicht Turkmenen-Stadt

Das von IS-Kämpfern belagerte Amerli scheint gerettet. Mehr als zwei Monate lang hatten sich die schiitischen Bewohner erfolgreich gegen ein drohendes Massaker gewehrt.

Zuvor erreichte nur vereinzelt Hilfe die eingekesselte Kleinstadt: Frauen und Kinder werden in einem irakischen Militärhelikopter evakuiert. (29. August 2014)
Zuvor erreichte nur vereinzelt Hilfe die eingekesselte Kleinstadt: Frauen und Kinder werden in einem irakischen Militärhelikopter evakuiert. (29. August 2014)
Reuters

Irakische Sicherheitskräfte und schiitische Milizionäre haben die knapp zweimonatige Belagerung der nördlichen Stadt Amerli durch die Terrormiliz Islamischer Staat gebrochen. Armeesprecher Kassim al-Mussawi sagte am Sonntag, die Truppen hätten den Ort rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad kurz nach Mittag am Sonntag betreten, Details nannte er nicht. Der turkmenische Abgeordnete Fausi Akram al-Tarsi sagte, die irakischen Kämpfer seien aus zwei Richtungen in die Stadt gekommen und verteilten Hilfe an Bewohner. Zuvor hatten die USA Luftangriffe gegen Stellungen der Extremisten geflogen.

Nach Angaben des Armeesprechers begann die Operation in Amerli bei Tagesanbruch am Sonntag. Im Staatsfernsehen sagte er, die Truppen hätten «einige Verluste» erlitten. Eine genaue Zahl nannte er nicht. Die Kämpfe dauerten noch an, «um die umliegenden Dörfer zu räumen», erklärte er. Die Belagerung zu brechen sei eine «grosse Errungenschaft und ein wichtiger Sieg» für alle Beteiligten: die irakische Armee, Elitetruppen, kurdische Kämpfer und schiitische Milizen.

Die mehrheitlich von schiitischen Turkmenen bewohnte Stadt wird seit mehr als zwei Monaten von den IS-Jihadisten belagert, die Anfang Juni weite Teile des Nordirak in ihre Gewalt gebracht hatten. Tausenden Bewohnern fehlt es an Wasser und Lebensmitteln, im Fall einer Eroberung droht ihnen nach Einschätzung der UNO wegen ihres schiitischen Glaubens ein Massaker.

Unterstützung durch US-Luftwaffe

Die US-Luftwaffe flog am Samstag neue Angriffe auf die IS-Miliz im Nordirak. Bei den Angriffen nahe dem strategisch wichtigen Mossul-Staudamm seien ein Fahrzeug, eine Stellung, ein Waffenlager und ein von der Gruppe genutztes Gebäude zerstört worden, teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

Mit den Angriffen hätten die irakischen und kurdischen Truppen unterstützt, die US-Einrichtungen verteidigt und die Hilfsoperationen geschützt werden sollen. Insgesamt wurden laut dem Pentagon damit bislang 115 Luftangriffe im Irak geflogen.

Im Kampf gegen IS gewinnen die Kurden langsam an Boden zurück. Die kurdischen Peschmerga-Einheiten rückten nach Angaben eines Sprechers am Samstag auf die Stadt Sumar im Nordirak vor. Sollte es gelingen, diese zu kontrollieren, würde das dabei helfen, die Regionen Rabia und Sinjar von IS zurückzuerobern, sagte er. Sumar liegt rund 70 Kilometer nordwestlich der Stadt Mossul, die ebenfalls von der Terrormiliz beherrscht wird.

Ebenfalls am Samstag kam es in der Stadt Jusifija 15 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad zu einem Selbstmordanschlag, bei dem mindestens elf Menschen getötet wurden. Polizeikreisen zufolge fuhr ein mit Sprengstoff beladenes Auto an einer Kontrollstelle auf andere Fahrzeuge auf.

Verkauf von Frauen

Die IS-Miliz soll dutzende jesidische Frauen aus dem Irak nach Syrien verschleppt und dort als Bräute an Jihadisten verkauft haben. Es gebe mindestens 27 dokumentierte Fälle von Frauen, die für rund tausend Dollar an IS-Kämpfer verkauft worden seien, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag.

Insgesamt seien rund 300 Frauen und Mädchen im Irak entführt und als Kriegsbeute nach Syrien verschleppt worden. Das Schicksal der meisten von ihnen sei unklar. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem dichten Netz aus Informanten in Syrien.

Die Gläubigen der kurdischsprachigen Jesiden-Minderheit werden vom IS als Teufelsanbeter betrachtet und deshalb besonders unbarmherzig verfolgt. Vor der Syrischen Beobachtungsstelle hatten schon UNO-Vertreter und Jesiden berichtet, dass jesidische Mädchen und Frauen von IS-Kämpfern getötet oder gekidnappt worden seien.

US-Aufruf zu weltweiter Allianz

Unterdessen rief US-Aussenminister John Kerry zur Bildung einer weltweiten Allianz gegen die IS-Jihadistengruppe auf und verglich deren Gewalttaten in Syrien und im Irak mit gezieltem «Völkermord».

In einem Gastbeitrag für die «New York Times» warb Kerry am Freitag für eine «gemeinschaftliche Antwort unter Führung der Vereinigten Staaten und mit dem grösstmöglichen Bündnis an Nationen».

Golfstaaten verurteilen Gewalttaten

Die Golfstaaten verurteilten Gewaltakte im Namen des Islam. Der Kooperationsrat der Arabischen Golfstaaten verbreitete am Samstag eine Protesterklärung gegen die Gräueltaten des IS.

«Wir verurteilen aufs Entschiedenste die Praktiken derjenigen, die den Islam als Vorwand zum Morden und Vertreiben nehmen», hiess es in der gemeinschaftlichen Stellungnahme aller Mitgliedstaaten bei einem Aussenministertreffen in Jiddah. Dem Golf-Kooperationsrat gehören Saudiarabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar, Bahrain und der Oman an.

(SDA)

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