Irak dementiert Militäroperation in Kirkuk

Drei Wochen nach dem Referendum hat die irakische Armee laut einem General einen Angriff auf Kurden gestartet. Der Generalstab widerspricht.

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An der Grenze zwischen der autonomen Kurdenregion im Nordirak und dem Rest des Landes steigen die Spannungen: Die irakische Armee startete am Freitag einen Militäreinsatz zur Rückeroberung der Provinz Kirkuk von den Kurden.

Zuvor hatte die kurdische Autonomiebehörde ihre Kämpfer in der Region Kirkuk in Gefechtsbereitschaft versetzt. Tausende schwer bewaffnete Peschmerga-Kämpfer seien «zur Verteidigung um jeden Preis» bereit, erklärte ein Berater von Kurdenpräsident Massud Barsani.

«Setzen Armee nicht gegen Mitbürger ein»

Ziel des irakischen Vorstosses sei es, Militärstellungen zurückzuerobern, die sie vor drei Jahren an die kurdischen Peschmerga-Streitkräfte verloren hätten, sagte ein irakischer General der Nachrichtenagentur AFP.

Die irakischen Truppen sammelten sich südwestlich der Stadt Kirkuk und stiessen von dort in andere Gebiete im Süden der gleichnamigen Provinz vor, wie der General sagte, der namentlich nicht genannt werden wollte. Am Freitagmorgen sei bereits ein Militärposten der kurdischen Peschmerga-Kämpfer westlich der Stadt Kirkuk eingenommen worden.

Generalstab bestreitet Einsatz

«Die Peschmerga haben ihn kampflos aufgegeben, bis gestern Abend waren sie noch hier», sagte der General. «Wir haben hier noch Munition vorgefunden.» An der Offensive seien auch Eliteeinheiten der Polizei und die Miliz Hasched al-Schaabi («Volksmobilisierungseinheiten») beteiligt; den paramilitärischen Verbund dominieren vom Iran unterstützte schiitische Milizen.

Von offizieller werden diese Aussagen bestritten. Der irakische Generalstab dementiere die Militäroperation, wie der «Spiegel» schreibt. «Wir dementieren Medienberichte, dass die Armee eine Militäroperation südlich von Kirkuk begonnen hat. Wir werden rechtliche Schritte gegen alle Versuche einleiten, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen.»

«Setzen Armee nicht gegen Mitbürger ein»

Erst gestern hatten kurdische Sicherheitskräfte in Erwartung einer bevorstehenden Offensive der irakischen Armee und ihrer Milizen stundenlang eine wichtige Überlandstrasse blockiert. Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi dementierte aber jegliche Interventionsabsicht: «Wir werden unsere Armee nicht für einen Krieg gegen unsere kurdischen Mitbürger einsetzen», sagte er am Donnerstag.

Dagegen hat der irakische Vizepräsident Ijad Allawi bereits am Montag vor einem möglichen Bürgerkrieg gewarnt. Wenn Gespräche über die Unabhängigkeitsbestrebungen der irakischen Kurdenregion nicht zu einer Lösung führen, könne die von Kurden verwaltete und der Zentralregierung in Bagdad beanspruchte Stadt Schauplatz von Gewalt werden, sagte er der Nachrichtenagentur AP in einem Interview.

Allawi drängte den Kurdenführer Massud Barsani sowie die Zentralregierung und deren vom Iran unterstützte Milizen, sich zurückzuhalten und ihre Konflikte um die ölreiche Stadt zu lösen. Falls die irakischen Volksmobilmachung-Milizen in Kirkuk einmarschieren, würden «alle Möglichkeiten zur Vereinigung beschädigt» und «gewaltsamen Konflikten» die Tür geöffnet.

Angriff nach Referendum

«Die Regierung behauptet, die Volksmobilmachungskräfte zu kontrollieren. Wenn sie das tut, sollte sie diese bändigen, statt in eine Art Bürgerkrieg zu gehen», sagte Allawi. Auch Barsani und die Peschmerga sollten keine aggressiven Massnahmen zur Kontrolle des Gebiets unternehmen, so Allawi.

Die ölreiche Provinz Kirkuk ist zwischen den Kurden und der irakischen Zentralregierung umstritten, beide Seiten erheben Anspruch auf sie. Der Angriff der irakischen Streitkräfte erfolgt drei Wochen nach dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak, in dem sich nach kurdischen Angaben fast 93 Prozent für die Loslösung ihrer Region vom Irak ausgesprochen hatten. International wird das Votum nicht anerkannt, die Zentralregierung in Bagdad wertete es als Provokation. (oli/sda/afp/dapd)

Erstellt: 13.10.2017, 10:43 Uhr

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