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In Syrien öffnet sich eine neue Front

Assad-Truppen und Kurdenmilizen in der nordsyrischen Stadt Hasaka liessen sich in den letzten Jahren in Ruhe. Das hat sich nun geändert – und auch die USA sind involviert.

Heftige Kämpfe seit Beginn des Bürgerkrieges: Rauch nach Explosionen über der Stadt Hasaka.
Heftige Kämpfe seit Beginn des Bürgerkrieges: Rauch nach Explosionen über der Stadt Hasaka.
Reuters

Die kurdische Miliz YPG hat heute Morgen einen Grossangriff auf die syrischen Regierungstruppen in Hasaka begonnen, um auch die letzten Viertel der im Nordosten Syriens gelegenen Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Um Hasaka, wo rund 180'000 Menschen leben, toben seit einer Woche heftige Kämpfe zwischen Kurdenmilizen und Assad-Truppen. In Hasaka gab es in den letzten Jahren eine gewaltfreie, wenn auch spannungsvolle Koexistenz zwischen kurdischen Milizionären und Soldaten des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad.

Jetzt scheint sich eine neue Front im Bürgerkrieg aufzutun. Die syrische Luftwaffe hatte am Donnerstag erstmals seit Kriegsbeginn im Jahr 2011 Luftangriffe gegen kurdische Milizen in Hasaka geflogen, nachdem sich am Vortag Kurden und Regierungstruppen Kämpfe am Boden geliefert hatten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es mindestens 41 Tote. Viele Menschen sind aus dem Gebiet um Hasaka vor den Kämpfen geflohen. Syrische Regierungstruppen und Kurdenmilizen hatten sich am Sonntagabend angeblich auf eine Waffenruhe geeinigt. Die Feuerpause wurde aber schon heute Morgen gebrochen.

USA drohen mit Abschuss syrischer Kampfflugzeuge

Nach dem Einsatz syrischer Kampfflugzeuge gegen die Kurden intervenierte die von den USA angeführte Militärkoalition zum Schutz der an der Seite der Kurden eingesetzten US-Militärberater. Es war das erste Mal, dass amerikanische Kampfbomber direkt auf eine Aktion der syrischen Luftwaffe reagierten. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, mit dem Einsatz hätten die US-Streitkräfte klarmachen wollen, dass sie Angriffe auf die «Koalitionskräfte» nicht hinnähmen. «Das syrische Regime wäre gut beraten, die Bündniskräfte und unsere Partner nicht zu behindern», sagte Jeff Davis, Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington.

Neuer Kriegsschauplatz: Bewohner fliehen aus der Stadt Hasaka. Foto: Reuters
Neuer Kriegsschauplatz: Bewohner fliehen aus der Stadt Hasaka. Foto: Reuters

Die Kurden sind ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Die kurdische Miliz YPG gehört zu den Syrisch-Demokratischen Streitkräften, die kürzlich den IS aus der Stadt Manbij an der Grenze zur Türkei vertrieben hatten.

Nach den Luftangriffen der Regierungstruppen auf die Stadt Hasaka drohten die USA mit dem Abschuss syrischer Kampfflugzeuge. Die Warnungen liessen die syrische Armee aber offenbar unbeeindruckt. Am Sonntag flogen erneut syrische Kampfflugzeuge über Hasaka – allerdings, ohne Bomben abzuwerfen.

Annäherung zwischen Türkei und Russland

Den syrischen Angriffen auf die Kurden ging eine politische und militärische Annäherung der Türkei mit Russland voraus, das das Assad-Regime unterstützt. Zudem rückt die Türkei offenbar von ihrer bislang kompromisslosen Forderung nach einem Rücktritt Assads ab. In einer Übergangsregierung könnte man Assad noch akzeptieren, sagte Binali Yildirim, Ministerpräsident der Türkei. Yildirim glaubt, dass Assad die Kurden in der Region zunehmend als Bedrohung betrachtet. Die Türkei sieht das Vorrücken der Kurden in Nordsyrien ebenfalls mit Sorge. Weitere Geländegewinne könnten die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befeuern.

Die militärisch schlagkräftige Kurdenmiliz YPG kontrolliert grosse Gebiete im Nordosten Syriens, in denen kurdische Gruppen seit Beginn des Bürgerkrieges eine autonome Verwaltung errichtet haben. Die YPG ist der syrische Ableger der türkischen PKK, die von der türkischen Regierung als grosser Staatsfeind bezeichnet wird.

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und AFP.

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