In Algerien solls endlich Frühling werden

Ein erneuter Ruf nach Würde: Die Menschen wollen sich nicht mit einer Machtrochade zufriedengeben.

Paul-Anton Krüger@pkr77

Das algerische Regime versucht sich mit allen Taschenspielertricks aus dem Handbuch der Autokraten an der Macht zu halten. Erst bot der kranke Präsident Abdelaziz Bouteflika an, er werde ein Jahr nach einer Wiederwahl abtreten. Dann zog er seine Kandidatur zurück, nicht ohne sich seine Amtszeit auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Nun wollen das Militär und die regierende Nationale Befreiungsfront den 82-Jährigen absetzen, den sie bis zuletzt gestützt hatten.

Es ist nicht verwunderlich, dass nichts davon verfängt und jeden Freitag mehr Algerier auf die Strassen strömen in der Hauptstadt, aber auch in fast allen Provinzen. Die Menschen wollen sich nicht abfinden mit Rochaden im undurchsichtigen Machtapparat. Die junge Bevölkerung fordert echte Reformen, Demokratie, ein Ende von Korruption und Kleptokratie. Es ist der Ruf nach Würde, der 2011 im Arabischen Frühling durch die Region hallte.

Die Proteste sind bisher weitgehend friedlich geblieben, aber die Nervosität steigt. Noch bleibt die Armee in den Kasernen, aber die Polizei schiesst Tränengas, Gummigeschosse, setzt Wasserwerfer ein. Und es gibt kaum Anzeichen, dass die Armee bereit ist, sich zurückzunehmen – zu eng ist sie in Algerien mit der Politik verflochten. Daran ändert auch nichts, dass die Militärs nun offenbar bereit sind, den Bouteflika-Clan fallen zu lassen.

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