Zum Hauptinhalt springen

Hizbollah-Führer stachelt Proteste an

Auch am Montag kam es wegen dem Mohammed-Film zu Gewaltausbrüchen. In Pakistan starben zwei Demonstranten. Im Libanon äusserte sich Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah öffentlich.

Bei einem überraschenden Auftritt vor Zehntausenden Anhängern im Libanon hat der Chef der radikalislamischen Hizbollah, Scheich Hassan Nasrallah, zu weiteren Protesten gegen den islamfeindlichen Film über den Propheten Mohammed aufgerufen. «Dies ist der Beginn einer ernsthaften Bewegung, die zur Verteidigung des Propheten Gottes überall in der muslimischen Welt weitergehen muss», sagte Nasrallah heute Montag unter dem Jubel der Menschenmenge im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut. «Solange es Blut in uns gibt, werden wir nicht über Beleidigungen gegen unseren Propheten schweigen.»

Nasrallah hat sich seit dem Krieg zwischen der Hizbollah und Israel 2006 aus Angst vor Attentaten nur selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Seine Rede bei der Kundgebung am Montag dauerte rund 15 Minuten. Viele seiner Anhänger trugen Kopfbedeckungen in grün und gelb, den Farben der Hizbollah. Darauf war zu lesen: «Euch zu Euren Diensten, Prophet Gottes».

Nasrallah hat gefordert, die USA für den Anti-Islam-Film zur Rechenschaft zu ziehen, da der Film in den USA produziert wurde. Der Film hat in den vergangenen Tagen zu Angriffen auf westliche Einrichtungen in der muslimischen Welt geführt.

Mindestens 19 Menschen getötet

Bei den weltumspannenden Protesten gegen den Film «Die Unschuld der Muslime» sind inzwischen mindestens 19 Menschen getötet worden, darunter erstmals auch zwei in Pakistan. Hunderte Pakistaner beteiligten sich heute Montag an Kundgebungen in den Städten Peshawar, Karachi und Lahore.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul schossen Demonstranten auf Polizisten, in der indonesischen Hauptstadt Jakarta riefen Demonstranten «Zur Hölle mit Amerika». Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen im pakistanischen Bezirk Upper Dir wurde nach offiziellen Angaben ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt, als die Polizei mit Waffengewalt gegen die Demonstranten vorging. In Peshawar protestierten bis zu 3000 Studenten gegen den Film, verbrannten US-Flaggen und riefen anti-amerikanische Slogans. Ein Mensch, der bei Protesten in der Nähe des US-Konsulats in Karachi am Sonntag verletzt worden war, erlag seinen Verletzungen. In Lahore hielt die Polizei rund 500 Demonstranten mit Tränengas davon ab, das dortige US-Konsulat zu stürmen.

Google sperrt Zugang zu Videos

Die Proteste, die sich vor allem gegen US-Botschaften und -Konsulate richten, haben sich in knapp einer Woche auf mehr als 20 Länder ausgeweitet. Der Film wurde offenbar von einem in den USA lebenden, koptischen Christen aus Ägypten angefertigt. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi wurden am 11. September der US-Botschafter und drei seiner Mitarbeiter getötet. Die libysche Regierung entliess deshalb inzwischen den für Ostlibyen zuständigen Vize-Innenminister Wanis al-Scharef und einen weiteren ranghohen Beamten.

In Kabul gingen am Montag mehr als tausend Menschen auf die Strasse, riefen «Tod für Amerika», setzten Polizeifahrzeuge und Container in Brand und schossen auf Polizisten, wie Polizeichef Mohammed Ajub Salangi sagte. Bis zu 50 Beamte wurden leicht verletzt. In Jakarta warfen Demonstranten Molotow-Cocktails. Die indonesische Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein und gab Warnschüsse ab. Ein Beamter wurde verletzt. Auch aus der philippinischen Hauptstadt Manila sowie aus dem Jemen wurden Proteste tausender Muslime gegen die USA und zum Teil auch gegen Israel gemeldet.

Der Internet-Konzern Google sperrte den Zugang zu dem Video in Ägypten, Indien, Indonesien, Libyen und Malaysia, in Afghanistan ordnete die Regierung eine Teilblockade des Portals Youtube an. Auch die russische Staatsanwaltschaft kündigte an, sie wolle die Verbreitung des Films verbieten lassen.

AFP/rbi/fko

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch